24.8.13

Der Einfluss des Kritikers

In ihrer SpOn-Kolumne beklagt Frau Berg das Verschwinden der Kulturkritik oder besser gesagt der Kulturkritiker:

"...grauenhaft, wenn Verbrauchermeinungen das einzige Korrektiv in der Kultur werden."

 Da frage ich mich doch, ob Kulturkritiker tatsächlich eine Korrektur-Funktion ausüben. Bei den mir persönlich bekannten Kollegen kann ich's unmittelbar verneinen. Über Kritik aus dem Feuilleton freut oder ärgert man sich, angenommen wird sie nicht bzw. nur in seltensten Ausnahmefällen. Das sollte auch für Groß-Schriftsteller gelten. Ein Grass geht doch, wenn er verrissen wird, auch nicht für eine Hundertstel Sekunde in sich, um nach einer möglichen Berechtigung der Kritik zu forschen. "Ahnungsloser Schmierfink, jetzt erst recht!", dürfte auf allen Ebenen die Standard-Reaktion sein.

Wer kann Autoren bzw. Künstler korrigieren? Meiner Ansicht nach nur Menschen, denen sie fachlich und menschlich vertrauen. Ihren Lektoren. Kollegen, zu denen sie nicht in Konkurrenzsituation stehen. Sachkundige Freunde. Kritiker? M. E. wohl nur in Ausnahmefällen. Oder täusche ich mich?

Andererseits: Natürlich haben viele Kollegen beim Schreiben auch (oder vielleicht nur) den Erfolg beim Feuilleton im Kopf. Den so entstandenen Büchern merkt man es aber meist an. Ich les so Zeugs nicht gerne.



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