28.8.13

Aufstehen. Hingehen. Angucken. Dann erst schreiben.

Viele Menschen schaffen den Durchbruch als Autoren aus einem simplen Grund nicht: weil sie am Schreibtisch sitzen bleiben. Nicht nur in den Feuilletons herrscht der Irrglaube, ein guter Schriftsteller benötige die berüchtigte "blühende Fantasie" und müsse meisterhaft imaginieren können.
Lächerlich. es braucht keinen Funken Fantasie, um ein guter Schriftsteller zu werden, im Gegenteil, Fantasie kyann durchaus hinderlich sein, denn sie hält den Autor von der Recherche ab. Anstatt wild aus der Gedankenwelt heraus zu fabulieren, ist es meist sinnvoller und fruchtbarer, den Schreibtisch zu verlassen und sich die Welt, von der man erzählen will, genauer anzuschauen.
Man schaue sich bitte diese fantastischen Fotos von Daniel Marbaix an: Bilder eines seit zwanzig Jahren leer stehenden Arzthauses, das offenbar überstürzt verlassen wurde. In diesen Bildern stecken mehrere Romane und hunderte Geschichten drin.
Und jetzt Hand aufs Herz: Kann man derartige Bilder, ein derartiges Haus in seinem Detailreichtum und seiner ganzen Rätselhaftigkeit imaginieren? Ich glaube nicht. Die Wirklichkeit ist fantastischer als jede Einbildungskraft.

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