29.8.13

28.8.13

Aufstehen. Hingehen. Angucken. Dann erst schreiben.

Viele Menschen schaffen den Durchbruch als Autoren aus einem simplen Grund nicht: weil sie am Schreibtisch sitzen bleiben. Nicht nur in den Feuilletons herrscht der Irrglaube, ein guter Schriftsteller benötige die berüchtigte "blühende Fantasie" und müsse meisterhaft imaginieren können.
Lächerlich. es braucht keinen Funken Fantasie, um ein guter Schriftsteller zu werden, im Gegenteil, Fantasie kyann durchaus hinderlich sein, denn sie hält den Autor von der Recherche ab. Anstatt wild aus der Gedankenwelt heraus zu fabulieren, ist es meist sinnvoller und fruchtbarer, den Schreibtisch zu verlassen und sich die Welt, von der man erzählen will, genauer anzuschauen.
Man schaue sich bitte diese fantastischen Fotos von Daniel Marbaix an: Bilder eines seit zwanzig Jahren leer stehenden Arzthauses, das offenbar überstürzt verlassen wurde. In diesen Bildern stecken mehrere Romane und hunderte Geschichten drin.
Und jetzt Hand aufs Herz: Kann man derartige Bilder, ein derartiges Haus in seinem Detailreichtum und seiner ganzen Rätselhaftigkeit imaginieren? Ich glaube nicht. Die Wirklichkeit ist fantastischer als jede Einbildungskraft.

24.8.13

Der Einfluss des Kritikers

In ihrer SpOn-Kolumne beklagt Frau Berg das Verschwinden der Kulturkritik oder besser gesagt der Kulturkritiker:

"...grauenhaft, wenn Verbrauchermeinungen das einzige Korrektiv in der Kultur werden."

 Da frage ich mich doch, ob Kulturkritiker tatsächlich eine Korrektur-Funktion ausüben. Bei den mir persönlich bekannten Kollegen kann ich's unmittelbar verneinen. Über Kritik aus dem Feuilleton freut oder ärgert man sich, angenommen wird sie nicht bzw. nur in seltensten Ausnahmefällen. Das sollte auch für Groß-Schriftsteller gelten. Ein Grass geht doch, wenn er verrissen wird, auch nicht für eine Hundertstel Sekunde in sich, um nach einer möglichen Berechtigung der Kritik zu forschen. "Ahnungsloser Schmierfink, jetzt erst recht!", dürfte auf allen Ebenen die Standard-Reaktion sein.

Wer kann Autoren bzw. Künstler korrigieren? Meiner Ansicht nach nur Menschen, denen sie fachlich und menschlich vertrauen. Ihren Lektoren. Kollegen, zu denen sie nicht in Konkurrenzsituation stehen. Sachkundige Freunde. Kritiker? M. E. wohl nur in Ausnahmefällen. Oder täusche ich mich?

Andererseits: Natürlich haben viele Kollegen beim Schreiben auch (oder vielleicht nur) den Erfolg beim Feuilleton im Kopf. Den so entstandenen Büchern merkt man es aber meist an. Ich les so Zeugs nicht gerne.



21.8.13

Nachwuchsprobleme

Im Kölner Stadtanzeiger steht ein lesenswerter Artikel über die Nachwuchsprobleme bei Übersetzern. Nur noch 8,4 Prozent der Übersetzer hierzulande sind unter 35, vollkommen zurecht vermutet der Oberpropeller des Verbands deutscher Übersetzer, dass wirtschaftliche Gründe dafür verantwortlich sind. 1000 Euro netto verdient ein Übersetzer hierzulande im Schnitt, wer mutet sich ein solches Leben freiwillig zu?

Ein paar Menschen gibt's trotzdem noch, die neu in das Metier einsteigen (sonst wären wir ja bei Null und nicht bei 8.4 Prozent) und der Grund, warum sie's tun, steht ebenfalls im o.g. KStA-Artikel:
„Ich bereue meine Entscheidung nicht. Für mich ist es Luxus, mich mit Literatur beschäftigen zu dürfen. Dafür würde ich auch putzen gehen.“
sagt eine frischgebackene Literatur-Übersetzerin über ihren freiwilligen Einstieg ins Prekariat.

Leute, wir müssen das sein lassen, dieses Literatur-Fan-Boy- oder -Fan-Girl-Gehabe. Wir Autoren und Übersetzer haben unser Handwerk gelernt, wir können was und wir verrichten Arbeit, mit der richtig Werte geschöpft werden. Die Spitzköppe in den Verlagen und Redaktionen wissen aber, dass wir verdammt gerne tun, was wir tun, und das nutzen sie ziemlich gnadenlos aus. Und das funktioniert, solange wir dankbar sind, uns für ein paar Brosamen "mit Literatur beschäftigen zu dürfen".

Nochmal: Leute, wir müssen das sein lassen.

18.8.13

Die Vorleser auf Kuba

Das wusste ich noch nicht: die kubanische Tabak-Industrie beschäftigt "Vorleser", die den Zigarren drehenden Arbeitern dreimal pro acht Stunden langer Schicht etwas Vorlesen. Romane, Zeitungsartikel, Lebensweisheiten, Theaterstücke. Was gelesen wird, bestimmt die Betriebsleitung. Ausführlicher steht's bei Spiegel Online.