16.7.13

"Nur" 1500?

Zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Tagen musste ich mich über Felicitas von Lovenberg ärgern: nachdem sie sich etwas über die schädliche Überproduktion deutscher Schriftsteller zusammengeschwurbelt hat, attackiert sie nun jemanden, der tatsächlich viele Bücher verkauft: Joanne K. Rowling.
Die hat - wie mittlerweile jeder Feuilleton-Leser weiß - unter Pseudonym einen Krimi verfasst. Das Pseudonym ist nun aufgeflogen und Frau von Lovenberg glaubt, sich darüber mokieren zu müssen, dass Mrs Rowling unter Pseudonym so wenig Bücher verkauft hat:
"Möglicherweise hat aber auch der Umstand, dass von dem Debüt des Unbekannten innerhalb von drei Monaten lediglich fünfzehnhundert Exemplare verkauft wurden, bei der jetzigen Enttarnung eine Rolle gespielt..."
schreibt Frau von Lovenberg in der FAZ.
Und demonstriert eindrucksvoll, dass sie von Verlagswesen und Buchmarkt wohl keine Ahnung hat. 1500 Exemplare in drei Monaten sind für einen unbekannten Autor, der sein wichtigstes Marketing-Instrument, die Autorenlesung, aus naheliegenden Gründen nicht benutzen kann, ein schlichtweg sensationelles Ergebnis, das von einer rapide einsetzenden Mundreklame zeugt.
Jeder Verleger, der merkt, dass ein Newcomer derartige Verkaufszahlen produziert, weiß, dass er einen Bestsellerautor entdeckt hat, zieht die Option für dessen nächstes Buch und lässt schon mal die PR-Maschine anlaufen. In deren Genuss der Newcomer eben auch noch nicht gekommen ist.
Auch dass die meisten Newcomer meist erst mit ihrem dritten oder vierten Buch auf nennenswerte Verkaufszahlen kommen, weil es schlichtweg so lange dauert, bis ein Name sich bei Lesern, Buchhändlern und Kritkern (!) herumgesprochen hat, scheint Frau von Lovenberg unbekannt zu sein.
Immerhin ist es schön zu wissen, dass es tatsächlich Menschen gibt, die es trotz ihres äußerst geringen Kenntnisstandes weit gebracht haben.


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