4.7.13

It's the economy, stupid!

Felicitas von Lovenberg sorgt sich in der FAZ um die deutsche Literatur: die Belletristik produzierenden Autoren haben ihren Output dramatisch gesteigert, hauen alle ein bis zwei Jahre einen neuen Roman raus, und das ist Frau von Lovenberg zuviel: die Qualität des geschriebenen sinkt dramatisch. Oder, so schön wie sie kann ich's selber nicht formulieren:

"Im postheroischen Zeitalter hat sich der Pragmatismus auf die Urheber übertragen, die kaum noch den alten auratischen Dichtergestus pflegen, sondern lieber den des Handwerkers, der statt Werken für die Ewigkeit Gebrauchstexte für eine Saison liefert."

Gnä' Frau, glauben Sie wirklich, die Autoren haben sich vor zehn, zwanzig Jahren fünf, zehn Jahre Zeit für einen Roman genommen, weil sie akribisch an Struktur und Worten gefeilt haben? Get real, Felicitas! Vor zehn, zwanzig Jahren konnte man als halbwegs arrivierter Autor gutes Geld verdienen, man produzierte Radio-Skripte und Drehbücher, die Zeitungen rissen einem die Glossen und Essays quasi aus dem Drucker, bevor man sie geschrieben hatte... die Romane für die beschissen zahlenden Verlage (5 bis 10 Prozent vom Buchpreis, das langt nicht für die Dichterklause in Worpswede!) waren lästiges Beiwerk, Gelegenheitsarbeit. "Ich muss endlich mal wieder einen Roman absondern, sind schon fünf Jahre seit dem letzten, hinterher vergisst mich das Feuilleton..."

Und heute? Haben die Radiosender die Wortbeiträge rigoros runtergefahren, um die paar Drehbuchaufträge balgen sich die Spezialisten und wie es um die Beiträge von "Freien" für die Printmedien bestellt ist, muss ich wohl nicht weiter ausführen.

Was also hat der Roman-Autor nicht mehr? Arbeit durch Nebengeräusche. Was also hat er? Jede Menge Zeit. Was also macht er? Das einzige, was er kann. Schreiben.

Und jetzt sagt die Frau von Lovenberg auch noch, dass er dadurch das Niveau senkt. WennÄs kommt, kommt's knüppeldick.

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