6.5.13

Nebenkriegsschauplatz

Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll angesichts des neuesten Klopses, den sich der Buchhandel in seinen Versuchen, amazon öffentlich zu diskreditieren, geleistet hat. In Udo Vetters lawblog muss ich lesen, dass Buchhändler massiv protestiert haben, weil in einem Jugendbuch aus dem Carlsen verlag die Protagonsitin einen amazon-Gutschein geschenkt bekommt. Die Proteste waren offenbar so massiv, dass die Autorin sich bereit erklärt hat, den Gutschein in der nächsten Auflage in einen einfachen Geschenkgutschein umzuwandeln.
Liebe Buchhändler, wie kommt ihr dazu, einem Verlag bzw. einer Autorin vorschreiben zu wollen, was die in ihre Bücher reinschreiben dürfen? Das hat euch verdammt nochmal nichts anzugehen, und wenn ihr es - aus welchen Gründen - nicht ertragt, was in einem Buch drinsteht, dann verkauft es eben nicht. Freiheit der Kunst, Freiheit der Meinung, schon mal davon gehört? Falls ihr's vergessen habt: auch euer Geschäftsmodell basiert auf diesen Prinzipien.
Und zu der kreuzdämlichen Argumentation (die auch in den Kommentaren im lawblog auftaucht), es handle sich um Schleichwerbung, wenn der Name "amazon" genannt wird: Das Nennen von Marken- oder Firmennamen ist mtinichten per se Schleichwerbung oder product placement, sondern gehört seit Jahrzehnten zum Handwerkszeug des Unterhaltungsautoren, um einer Handlung Authentizität zu verleihen. Bei Ian Fleming heulen nicht irgendwelche Flugzeugtriebwerke sondern die "Pratt &Whitney-Motoren", bei der Highsmith wird nicht irgendein Füller gezückt, sondern ein Waterman, Jerry Cotton springt nicht in einen anonymenSportwagen sondern in seinen Jaguar E...
Wir leben in einer Welt voller Markennamen und - zeichen, und Autoren, die - im entsprechenden Genre - Markennamen und -zeichen nennen, bilden die Welt ab, punktum. Jeder Lektor, der seinen Grips beisammen hat, streicht einen Satz wie "Er ersteigerte sich eine gebrauchte Waffe bei einem Online-Auktionshaus" an und setzt ein "Schreib gleich ebay!" daneben. Was würde er wohl zu einem "Gutschein von einem bekannten Internet-Versender" sagen?
Genau: "Klingt vollkommen bescheuert, musst du aber so schreiben, sonst gibt's Ärger mit den deutschen Buchhändlern."
Oh Herr, schmeiß Hirn vom Himmel!

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