22.11.12

Der Unterschied

Die einen schreiben Dissertationen darüber, deutsche TV-Redakteure wiederum versuchen's erst gar nicht zu verstehen: den Unterscheid zwischen britischer und amerikanischer Comedy. Stephen Fry bringt#s in unter 5 Minuten auf den Punkt. Genius at work.


13.11.12

Regietheater etc.

Der höchst geschätzte Daniel Kehlmann hat dem Falter ein Interview gegeben, auf das ich hinweisen möchte. Kehlmann hatte sich 2009 zum Buhmann des Theater-Feuilletons gemacht, als er das hierzulande von der Presse hoch goutierte Regietheater zur "letzten verbliebenen Schrumpfform linker Ideologie" erklärte.
Da wetzte die Kulturjournaille natürlich die Messer, als Kehlmanns erstes Bühnenstück, "Geister in Princeton" uraufgeführt wurde, konnte jedoch einen durchschlagenden Erfolg dieses Stücks beim Publikum nicht verhindern. Was Wunder, Kehlmann erzielt eine nachvollziehbare Geschichte mit Figuren, deren Handlungen der Zuschauer nachvollziehen kann.
Kehlmanns neues Stück, "Der Mentor", hatte am 8.11. in Wien Premiere. Nachvollziehbar und konsequent beschwerte sich das Feuilleton in den Kritiken - mit Ausnahmen - darüber, dass Kehlmann ein handwerklich sauberes, professionell strukturiertes Stück geschrieben hat.
Die Lücke zwischen dem, was ein Publikum und was ein Kritiker goutiert, wird größer.

12.11.12

Leseempfehlung: "Er ist wieder da"

"Satire is what closes on Satireday" kalauerte Komödiengott George S. Kaufman einmal, und er hat es - hoffentlich - ironisch gemeint. Satire ist ein unendlich schweres Genre, gute Satire ist ein rar gesätes Gut, und Satire, die bloß gut gemeint ist, ist meist hundserbärmlich schlecht.
Jetzt ist sozusagen aus dem Nichts ein Satiriker der Enterprise-Klasse aufgetaucht, Timur Vermes hat uns mit "Er ist wieder da" beschenkt. Die Idee ist einfach: Adolf Hitler wacht im Sommer 2011 wieder auf und startet ein Comeback.
Die Durchführung ist bestechend: In diesem in der Ich-Form aus Hitlers Perspektive (!) geschriebenen Roman bahnt er sich als TV-Comedian den Weg zur Masse, die verführt werden will.
Die vierhundert Seiten dieses großartigen Buchs hab ich quasi in einem Rutsch durchgelesen, am Anfang ist's noch lustig, ab etwa der Hälfte des Romans hat Vermes die Hand an der Gurgel des Lesers und drückt langsam zu.
Handwerklich ist das ganz, ganz großes Tennis, insbesondere die Subtilität, mit der Vermes Hitler als Ich-Erzähler handhabt ist schlichtweg atemberaubend und nötigt mir das größtmögliche Kompliment ab, zu dem ich überhaupt fähig bin: Vor Neid gepeitscht gestehe ich, ich könnte das nicht!
Einige amazon-Rezensenten entblöden sich natürlich nicht, zu kritisieren, dass Vermes einen (zu) "menschlichen" Hitler zeichne. Wer diesen Hitler für menschlich hält, kann entweder nicht lesen oder benutzt seinen Kopf nur zu Styling-Zwecken.
Hier hat ein Groß-Satiriker seine Visitenkarte abgegeben, dringlichste Leseempfehlung!