19.9.12

Kurzgeschichten-Tipps von Kurt Vonnegut


"1. Verwende die Zeit eines vollkommen fremden Menschen so, dass er nicht denkt, dass sie vergeudet wurde.
2. Gib dem Leser wenigstens eine Figur, dem er die Daumen drücken kann.
3. Jede Figur sollte etwas wollen, und wenn es nur ein Glas Wasser ist.
4. Jeder Satz muss eine von zwei Sachen leisten: entweder etwas über eine der Figuren offenbaren oder die Handlung vorantreiben.
5. Fang so kurz wie möglich vor dem Ende an.
6. Sei ein Sadist. Auch wenn deine Protagonisten nett und unschuldig sind, sorg dafür, dass ihnen Schreckliches passiert. Damit der Leser sehen kann, aus welchem Holz sie geschnitzt sind.
7. Schreib, um nur einer Person zu gefallen. Wenn du ein Fenster aufmachst, um die Welt zu vögeln, wird deine Geschichte Lungenentzündung bekommen, sozusagen.
8. Gib deinen Lesern so schnell wie möglich so viele Informationen wie möglich. Auf den Müll mit Suspense. Die Leser sollten alles verstehen, was geschieht, wo es geschieht, warum es geschieht. Sie sollten in der Lage sein, die Geschichte selbst zu beenden, falls Kakerlaken die letzten paar Seiten auffressen."

Kurt Vonnegut, via openculture


17.9.12

Emnid-Umfrage prognostiziert Bestseller für Frau Wulff - ohne dass SPOn es merkt

Nuja, Statistik. Da hat SPIEGEL-Online geglaubt, der Bettina Wulff eine ganz dolle Umfrage um die Ohren hauen zu können: "94 Prozent wollen das Buch nicht kaufen" dröhnt SpOn im Fettdruck, überhaupt nur 5 Prozent wollen das Buch kaufen, ibäh, die Wulff hat einen Flop produziert.
Denkt jemand, der nicht nachrechnet und/oder keine Ahnung vom deutschsprachigen Buchmarkt hat: Wenn 5 Prozent aller Deutschen das Wulff-Buch kaufen, dann wären das so an die 4 Millionen Exemplare, das wäre ein Bestseller von historischen Dimensionen, sogar mehr als Sarrazin.

Kleiner Nachtrag: Die lumpigen 5 Prozent haben für Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste gereicht.

12.9.12

Verdoppelt

Im ersten Halbjahr 2012 wurden - lt. meedia.de - fast genauso viele E-Books verkauft wie im ganzen Jahr 2012. Der Anteil am Gesamtbuchmarkt lag zwar "nur" bei zwei Prozent, aber das wird sich - wenn das Wachstum so weitergeht, woran ja kein Zweifel besteht - sehr, sehr schnell ändern.

7.9.12

Mein prophetisches Gemüt

Vor drei Jahren hab ich ein kleines Posting hier ins Blog geschrieben, in dem ich dem Fortsetzungsroman ein Comeback in der e-book-Inkarnation prophezeit habe. Ein Jahr später erinnerte ich an diese Idee, als amazon begann, Autoren die Möglichkeit zu geben, kurze Formate (Kurzgeschichte, Novelle, Essay usw.) als e-book zu veröffentlichen.
Und jetzt ist es wieder eine Ankündigung von amazon, die mich an meine Prophezeiung denken ließ: in den USA starten demnächst die "Kindle Serials". Fortsetzungsromane.
Nun will ich mir nicht ob meines Weitblicks selber auf die Schulter klopfen (oder doch vielleicht ein kleines bisschen), denn die e-book-Fortsetzungsroman-Idee ist absolut naheliegend. Eigentlich muss da automatisch jeder drauf kommen, der an die Zukunft des e-books glaubt.
Nur: Warum ist es wieder Fa. amazon, die hier vorprescht? Was machen unsere Publikumsverlage? Liegen die immer noch zur E-Book-Apnoe-.Diagnose im Schlaflabor?


5.9.12

"Der Minister"

Auf DWDL lese ich, dass die Dreharbeiten für eine TV-Satire über zu Guttenberg begonnen haben, die dann wohl nächstes Jahr in Sat1 zu sehen sein soll. Im Prinzip eine prima Idee, aber dann lese ich, dass Producer Nico Hoffmann sagt: "Wir gehen das Thema mit Augenzwinkern und würdevollem Anstand an."
In ca. dreißig Jahren im komischen Genre hab ich eins gelernt: Mit würdevollem Anstand und Augenzwinkern kann man einiges produzieren, aber keine Satire.
Und wenn ich dann noch lesen muss, dass in dieser Plotte eine Kanzlerin namens "Murkel" vorkommen wird... hätte ich mich - nachdem ich mir die Lachtränen aus den Augen gezwinkert habe - beinahe zu einer würdelosen Vorverurteilung dieses Projekts hinreißen lassen. Beinahe.