16.5.12

Jo Ito und das lästige geistige Eigentum

Gerade gesehen: beim "Standard" steht ein Interview mit Jo Ito, Direktor am Media Lab des MIT. Ito als Wissenschaftler hätte das geistige Eigentum gern abgeschafft, weil es ihn und andere Wissenschaftler bei der Arbeit stört. Natürlich argumentiert er wieder von der Warte des mit einem gepflegten Monatsgehalt ausgestatteten leitenden Angestellten, der die finanzielle Situation eines freiberuflich tätigen Künstlers vermutlich gar nicht vorstellen kann:
"Patente sind eine im Grunde genommen gute Idee mit finanziellem Fokus. Aber ich erkenne immer wieder, wie Patente und Copyrights dazu beitragen, den Fortschritt zu verzögern."
Als der Interviewer ihn nach den Konsequenzen seiner Forderungen für Kunst und Kultur fragt, fallen ihm - für mich nicht unerwartet - als erstes die Farben seiner Nike-Turnschuhe ein. Und schließlich fällt auch der Satz, der in diesen Debatten früher oder später immer fällt:
"Heute kann jeder Einzelne als Künstler, Erfinder, Produzent und Distributor auftreten."
Kann er letztlich nicht. Nur weil die technischen Vorraussetzungen gegeben sind, kann nicht jeder plötzlich alles werden. Zum Künstler wird ein Mensch durch Talent, Ausbildung und Hingabe, nicht durch Expertise im Umgang mit Software und sozialen Netzwerken.
Und wenn jemand ein hervorragender Künstler ist, dann heißt das noch lange nicht, dass er gleichzeitig ein ebenso hervorragender Produzent oder Distributor sein kann. Oder muss. Ein Künstler muss die Gelegenheit haben, sich auf das zu konzentrieren, was er am Besten kann. Und was er tun will (ja, so entsteht letztlich Kunst: wenn ein Künstler das tut, was er will!). 

Ein Mensch der das tut, was irgendeinem MIT-Prof gerade durch den Kopf schießt, ist vermutlich dessen Assistent. Aber mit Sicherheit kein Künstler.

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