24.5.12

Wie erfolgreich sind Selfpublishing-Autoren?

Und die nächste Studie, auf die buchreport aufmerksam macht: Diesmal geht's um den Erfolg bzw. Misserfolg von Autoren, die Selfpublishing nutzen. Der Sinn solcher Studien (Details übrigens hier) entgeht mir angesichts der Studienergebnisse. Die wenigsten Autoren können von ihrer Selfpublishing-Schreiberei leben. Das tritt einen nun nicht gerade unerwartet, und es trifft auch auf die mit einem klassischen Verlagsvertrag ausgestatteten Kollegen zu: nur ein verschwindend geringer Prozentsatz von Autoren kann hierzulande vom Bücherschreiben eben, alle anderen sind auf Nebengeräusche angewiesen.
Aber: die 1000 für die Studie befragten Autoren kamen immerhin auf einen Durchschnittsverdienst von 10.000 Dollar pro Jahr, das ist recht anständig, aber wohl auch dem größeren englischsprachigen Markt geschuldet.
Nichtsdestotrotz: es scheint aufwärts zu gehen mit dem Selfpublishing. Auf steinigem Weg, aber dieser Weg scheint nach oben zu führen. Nicht sehr steil nach oben, aber immerhin... etwas bergauf.

Schlecht kann gut sein

Gerade beim Buchreport gesehen: Unter bestimmten Umständen können schlechte Kritiken dafür sorgen, dass ein Buch sich deutlich besser verkauft, sagt eine Studie, die im neuen Harvard Business Manager veröffentlicht wird.
Kurz gesagt: etablierte Autoren leiden unter Verrissen und verkaufen weniger Bücher, während unbekannte Autoren von schlechten Kritiken dadurch profitieren können, dass Leser überhaupt erst auf ihre Bücher aufmerksam gemacht werden.
Was mich interessieren würde: ob es eine signifikante Zahl von Lesern gibt, die "ihre" Kritiker so gut kennen, dass sie wissen, dass ihnen ein Buch gefallen wird, weil Kritiker XYZ es verreißt.
Ein Beispiel: Beim Tagesspiegel gibt es den Kritiker Jan Schulz-Ojala, dem gut gemachte Unterhaltungsstreifen offenbar so zuwider sind, dass er sie grundsätzlich verreißt. Ich gehe mittlerweile aus Prinzip in jeden von schulz-Ojala verrissenen Film und wurde bisher immer blendend unterhalten.
Ob's sowas auch unter Lesern gibt? "Was die Radisch verreißt, gefällt mir immer"?

22.5.12

Self-Publishing bei der re: publica


Gerade gesehen: Das Self-Publishing-Panel von der re: publica steht auf youtube. Ist ganz interessant, aber im Hinblick auf die Realität etwas seeeeehr kuschelig. Trotzdem, jeder der über das Thema nachdenkt, sollte sich das angucken.

21.5.12

Übers Bücherschreiben

In der aktuellen Print-Ausgabe des SPIEGEL (Nr. 21) steht ein sehr, sehr lesenswerter Besinnungsaufsatz von Ferdinand von Schirach übers Bücherschreiben drin. Von Schirach schildert sehr anschaulich den stetig wachsenden Aufwand und die Anstrengung, die es braucht, um ein Buch zu schreiben.
Und er schildert das Schreiben und Vermarkten eines Buchs als arbeitsteiligen Prozess spezialisierter Menschen, die einander zuarbeiten. Was natürlich gewisse gönnerhafte Vorschläge in aktuellen Debatten ("Über das Internet könnt ihr Autoren eure Bücher doch prima selbst vermarkten...") komplett ad absurdum führt.
Das sind knapp drei sehr lesenswerte Seiten, ob man sich dafür den ganzen neuen SPIEGEL (der ziemlich mau ist, wer kommt denn auf eine superoriginelle Titelgeschichte wie "Neid und Niedertracht in der Poltik", boaaah!, was ein Scoop!) kaufen sollte, weiß ich nicht. Vielleicht stellen sie's ja noch bei SpOn online.

16.5.12

1, 2.. und 3!

Gerade hab ich mir verwundert die Augen gerieben. Auf boersenblatt.net steht ein kleiner Besinnungsaufsatz, der angeblich von Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, sein soll. Ich schreibe "angeblich", weil in diesem Artikel drei Thesen zum Urheberrecht aufgestellt werden, von denen die ersten zwei so vernünftig sind, dass an Skipis' Urheberschaft (haha!) zweifeln muss: keine User kriminalisieren, die zwei Seiten eines Romans auf Facebook stellen, Neujustierung der Kommunikation, keine Verbotsbotschaften mehr aussenden...
Spricht hier wirklich der Oberpropeller vom Börsenverein? Oder hat irgendjemand mit einem vollen Tassenschrank die Seite gekapert. Aber spätestens bei Punkt 3 können wir uns wieder sicher sein, dass die ollen Hardliner doch noch am Werk sind und nur mal kurz das Schafsfellchen anprobiert haben:
"Es wird höchste Zeit, die Provider in die Verantwortung dafür zu nehmen, dass Rechtsverstöße nicht weiterhin ungeahndet möglich bleiben. Die bisherige Do-nothing-Strategie grenzt schon an unterlassener Hilfeleistung für die vielen Urheber, die zunehmend in Not geraten."

Ja, nee, is klar. Ist doch der Alex mit seiner Horrorshow.

Jo Ito und das lästige geistige Eigentum

Gerade gesehen: beim "Standard" steht ein Interview mit Jo Ito, Direktor am Media Lab des MIT. Ito als Wissenschaftler hätte das geistige Eigentum gern abgeschafft, weil es ihn und andere Wissenschaftler bei der Arbeit stört. Natürlich argumentiert er wieder von der Warte des mit einem gepflegten Monatsgehalt ausgestatteten leitenden Angestellten, der die finanzielle Situation eines freiberuflich tätigen Künstlers vermutlich gar nicht vorstellen kann:
"Patente sind eine im Grunde genommen gute Idee mit finanziellem Fokus. Aber ich erkenne immer wieder, wie Patente und Copyrights dazu beitragen, den Fortschritt zu verzögern."
Als der Interviewer ihn nach den Konsequenzen seiner Forderungen für Kunst und Kultur fragt, fallen ihm - für mich nicht unerwartet - als erstes die Farben seiner Nike-Turnschuhe ein. Und schließlich fällt auch der Satz, der in diesen Debatten früher oder später immer fällt:
"Heute kann jeder Einzelne als Künstler, Erfinder, Produzent und Distributor auftreten."
Kann er letztlich nicht. Nur weil die technischen Vorraussetzungen gegeben sind, kann nicht jeder plötzlich alles werden. Zum Künstler wird ein Mensch durch Talent, Ausbildung und Hingabe, nicht durch Expertise im Umgang mit Software und sozialen Netzwerken.
Und wenn jemand ein hervorragender Künstler ist, dann heißt das noch lange nicht, dass er gleichzeitig ein ebenso hervorragender Produzent oder Distributor sein kann. Oder muss. Ein Künstler muss die Gelegenheit haben, sich auf das zu konzentrieren, was er am Besten kann. Und was er tun will (ja, so entsteht letztlich Kunst: wenn ein Künstler das tut, was er will!). 

Ein Mensch der das tut, was irgendeinem MIT-Prof gerade durch den Kopf schießt, ist vermutlich dessen Assistent. Aber mit Sicherheit kein Künstler.

Buchbranchen-Jobbörse schließt

Leander Wattig hat notgedrungen die kostenlose Buchbranchen-Jobbörse geschlossen, weil er von einer Abmahnung bedroht war. Jemand, der ein vergleichbares kostenpflichtiges Angebot unterhält, fühlte sich wohl "als Wettbewerber bedroht".
Darf doch alles nicht mehr wahr sein.

Ahnung vom Netz

"Nicht das Netz ignoriert die Urheberrechte, sondern die Autoren haben keine Ahnung vom Netz. Zeit, dass sie sich damit befassen."
Thierry Chervel hat einen sehr, sehr lesenswerten Text zur aktuellen Netz/Literatur/Urheberrecht/Wasauchimmer-Debatte geschrieben: "Die schöne Seite der Kostenlosmentalität"

Hört doch mit der Lügerei auf!

In beinahe jeder öffentlich geführten Diskussion, die sich um die Themen Urheberrecht Nutzungsrechte oder E-Book-Preise dreht, meldet sich früher oder später irgendein Angehöriger der Verlagsbranche und weist auf irrsinnige Kosten für irrsinnigen Aufwand bei der Erstellung von E-Books hin. Der Grund für diese idiotische Lügerei entgeht mir komplett. Der Buchsatz für ein E-Book ist wesentlich unkomplizierter und unproblematischer als für ein gedrucktes Buch. Mit irgendeiner Textverarbeitung (Word, Open Office, Libre Office) und dem kostenlos erhältlichen Programm "calibre" nutzt, hat man ein Manuskript von 200 Normseiten in ein bis zwei Stunden in ein professionelles E-Book umgewandelt. Sogar bei libreka, dem Treppenwitz dem E-Book-Dingenskirchens des Börsenvereins steht mittlerweile, wo man relativ preisgünstig (32 Cent pro Seite) ins E-Book-Format konvertieren lassen kann.
Dieses lügenhafte Rumgejammer, das sich mit einer 10sekündigen Google-Recherche entlarven lässt, ist einfach nur blödsinnig. Ehrlichkeit den eigenen Kunden und Autoren gegenüber wäre deutlich sinnvoller. Und mittelfristig sicherlich profitabler.