24.12.12

Grüße zum Jahresende

Auch zu Weihnachten und Neujahr gilt die eiserne Grundregel der Hochkomik: Something must go wrong!

Ich wünsche allen Lesern dieses Blogs ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr!

13.12.12

Enten-Dramaturgie


 Durch Zufall habe ich dieses Video gestern auf youtube entdeckt. Ich habe es mir seitdem mehrmals angeschaut, diese 75 Sekunden sind richtig großes Kino. Was unter anderem daran liegt, dass diese Enten überraschenderweise Vollprofis im Bereich Dramaturgie sind. Strukturell stimmt an ihrem Weg (es handelt sich um eine klassische Helden Queste, Protagonist unternimmt eine Reise, um etwas für seinen Stamm zu vollbringen) einfach alles: Von der Exposition (Sie betreten das gefährliche Terrain so arglos, dass man "Tut's nicht!" brüllen möchte) über die verschiedenen Prüfungen, die sie meistern müssen, bis hin zum Herzschlag-Moment kurz vorm Happy End - so sehen perfekt strukturierte Geschichten aus.


22.11.12

Der Unterschied

Die einen schreiben Dissertationen darüber, deutsche TV-Redakteure wiederum versuchen's erst gar nicht zu verstehen: den Unterscheid zwischen britischer und amerikanischer Comedy. Stephen Fry bringt#s in unter 5 Minuten auf den Punkt. Genius at work.


13.11.12

Regietheater etc.

Der höchst geschätzte Daniel Kehlmann hat dem Falter ein Interview gegeben, auf das ich hinweisen möchte. Kehlmann hatte sich 2009 zum Buhmann des Theater-Feuilletons gemacht, als er das hierzulande von der Presse hoch goutierte Regietheater zur "letzten verbliebenen Schrumpfform linker Ideologie" erklärte.
Da wetzte die Kulturjournaille natürlich die Messer, als Kehlmanns erstes Bühnenstück, "Geister in Princeton" uraufgeführt wurde, konnte jedoch einen durchschlagenden Erfolg dieses Stücks beim Publikum nicht verhindern. Was Wunder, Kehlmann erzielt eine nachvollziehbare Geschichte mit Figuren, deren Handlungen der Zuschauer nachvollziehen kann.
Kehlmanns neues Stück, "Der Mentor", hatte am 8.11. in Wien Premiere. Nachvollziehbar und konsequent beschwerte sich das Feuilleton in den Kritiken - mit Ausnahmen - darüber, dass Kehlmann ein handwerklich sauberes, professionell strukturiertes Stück geschrieben hat.
Die Lücke zwischen dem, was ein Publikum und was ein Kritiker goutiert, wird größer.

12.11.12

Leseempfehlung: "Er ist wieder da"

"Satire is what closes on Satireday" kalauerte Komödiengott George S. Kaufman einmal, und er hat es - hoffentlich - ironisch gemeint. Satire ist ein unendlich schweres Genre, gute Satire ist ein rar gesätes Gut, und Satire, die bloß gut gemeint ist, ist meist hundserbärmlich schlecht.
Jetzt ist sozusagen aus dem Nichts ein Satiriker der Enterprise-Klasse aufgetaucht, Timur Vermes hat uns mit "Er ist wieder da" beschenkt. Die Idee ist einfach: Adolf Hitler wacht im Sommer 2011 wieder auf und startet ein Comeback.
Die Durchführung ist bestechend: In diesem in der Ich-Form aus Hitlers Perspektive (!) geschriebenen Roman bahnt er sich als TV-Comedian den Weg zur Masse, die verführt werden will.
Die vierhundert Seiten dieses großartigen Buchs hab ich quasi in einem Rutsch durchgelesen, am Anfang ist's noch lustig, ab etwa der Hälfte des Romans hat Vermes die Hand an der Gurgel des Lesers und drückt langsam zu.
Handwerklich ist das ganz, ganz großes Tennis, insbesondere die Subtilität, mit der Vermes Hitler als Ich-Erzähler handhabt ist schlichtweg atemberaubend und nötigt mir das größtmögliche Kompliment ab, zu dem ich überhaupt fähig bin: Vor Neid gepeitscht gestehe ich, ich könnte das nicht!
Einige amazon-Rezensenten entblöden sich natürlich nicht, zu kritisieren, dass Vermes einen (zu) "menschlichen" Hitler zeichne. Wer diesen Hitler für menschlich hält, kann entweder nicht lesen oder benutzt seinen Kopf nur zu Styling-Zwecken.
Hier hat ein Groß-Satiriker seine Visitenkarte abgegeben, dringlichste Leseempfehlung!

19.9.12

Kurzgeschichten-Tipps von Kurt Vonnegut


"1. Verwende die Zeit eines vollkommen fremden Menschen so, dass er nicht denkt, dass sie vergeudet wurde.
2. Gib dem Leser wenigstens eine Figur, dem er die Daumen drücken kann.
3. Jede Figur sollte etwas wollen, und wenn es nur ein Glas Wasser ist.
4. Jeder Satz muss eine von zwei Sachen leisten: entweder etwas über eine der Figuren offenbaren oder die Handlung vorantreiben.
5. Fang so kurz wie möglich vor dem Ende an.
6. Sei ein Sadist. Auch wenn deine Protagonisten nett und unschuldig sind, sorg dafür, dass ihnen Schreckliches passiert. Damit der Leser sehen kann, aus welchem Holz sie geschnitzt sind.
7. Schreib, um nur einer Person zu gefallen. Wenn du ein Fenster aufmachst, um die Welt zu vögeln, wird deine Geschichte Lungenentzündung bekommen, sozusagen.
8. Gib deinen Lesern so schnell wie möglich so viele Informationen wie möglich. Auf den Müll mit Suspense. Die Leser sollten alles verstehen, was geschieht, wo es geschieht, warum es geschieht. Sie sollten in der Lage sein, die Geschichte selbst zu beenden, falls Kakerlaken die letzten paar Seiten auffressen."

Kurt Vonnegut, via openculture


17.9.12

Emnid-Umfrage prognostiziert Bestseller für Frau Wulff - ohne dass SPOn es merkt

Nuja, Statistik. Da hat SPIEGEL-Online geglaubt, der Bettina Wulff eine ganz dolle Umfrage um die Ohren hauen zu können: "94 Prozent wollen das Buch nicht kaufen" dröhnt SpOn im Fettdruck, überhaupt nur 5 Prozent wollen das Buch kaufen, ibäh, die Wulff hat einen Flop produziert.
Denkt jemand, der nicht nachrechnet und/oder keine Ahnung vom deutschsprachigen Buchmarkt hat: Wenn 5 Prozent aller Deutschen das Wulff-Buch kaufen, dann wären das so an die 4 Millionen Exemplare, das wäre ein Bestseller von historischen Dimensionen, sogar mehr als Sarrazin.

Kleiner Nachtrag: Die lumpigen 5 Prozent haben für Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste gereicht.

12.9.12

Verdoppelt

Im ersten Halbjahr 2012 wurden - lt. meedia.de - fast genauso viele E-Books verkauft wie im ganzen Jahr 2012. Der Anteil am Gesamtbuchmarkt lag zwar "nur" bei zwei Prozent, aber das wird sich - wenn das Wachstum so weitergeht, woran ja kein Zweifel besteht - sehr, sehr schnell ändern.

7.9.12

Mein prophetisches Gemüt

Vor drei Jahren hab ich ein kleines Posting hier ins Blog geschrieben, in dem ich dem Fortsetzungsroman ein Comeback in der e-book-Inkarnation prophezeit habe. Ein Jahr später erinnerte ich an diese Idee, als amazon begann, Autoren die Möglichkeit zu geben, kurze Formate (Kurzgeschichte, Novelle, Essay usw.) als e-book zu veröffentlichen.
Und jetzt ist es wieder eine Ankündigung von amazon, die mich an meine Prophezeiung denken ließ: in den USA starten demnächst die "Kindle Serials". Fortsetzungsromane.
Nun will ich mir nicht ob meines Weitblicks selber auf die Schulter klopfen (oder doch vielleicht ein kleines bisschen), denn die e-book-Fortsetzungsroman-Idee ist absolut naheliegend. Eigentlich muss da automatisch jeder drauf kommen, der an die Zukunft des e-books glaubt.
Nur: Warum ist es wieder Fa. amazon, die hier vorprescht? Was machen unsere Publikumsverlage? Liegen die immer noch zur E-Book-Apnoe-.Diagnose im Schlaflabor?


5.9.12

"Der Minister"

Auf DWDL lese ich, dass die Dreharbeiten für eine TV-Satire über zu Guttenberg begonnen haben, die dann wohl nächstes Jahr in Sat1 zu sehen sein soll. Im Prinzip eine prima Idee, aber dann lese ich, dass Producer Nico Hoffmann sagt: "Wir gehen das Thema mit Augenzwinkern und würdevollem Anstand an."
In ca. dreißig Jahren im komischen Genre hab ich eins gelernt: Mit würdevollem Anstand und Augenzwinkern kann man einiges produzieren, aber keine Satire.
Und wenn ich dann noch lesen muss, dass in dieser Plotte eine Kanzlerin namens "Murkel" vorkommen wird... hätte ich mich - nachdem ich mir die Lachtränen aus den Augen gezwinkert habe - beinahe zu einer würdelosen Vorverurteilung dieses Projekts hinreißen lassen. Beinahe.

31.8.12

Friedenauer Kulturstammtisch und Schreibcafé

Nächsten Montag ist der 3. 9., also der erste Montag im Monat, und da ist- wie immer am ersten Montag im Monat - Friedenauer Kulturstammtisch, der von der Kulturspirale veranstaltete Treff für Kreative, KünstlerInnen und Kulturfans aus Friedenau und ganz Berlin, da tauschen wir uns aus über Tipps und Trends, News und Storys rund um Kunst und Kultur. Das ganze beginnt um 19 Uhr im FreiRaum in Berlin Friedenau, Beckerstr. 12.

Vorher veranstaltet Gaby Sikorski von der Friedenauer Schreibstube im FreiRaum noch ein Schreibcafè. Da können sich alle, die sich fürs Schreiben interessieren oder beruflich schreiben müssen, Tipps und Ratschläge abholen, Details finden sich hier.

Für die Teilnahme am Schreibcafé wird ein Kostenbeitrag von 5 € erhoben, dafür gibt's neben der fachkundigen Beratung noch einen Softdrink, die Teilnahme am Stammtisch kostet nix.

3.8.12

Handwerkszeug

Bei Spiegel Online arbeitet man ab heute anscheinend ohne Redaktion. Oder wie soll ich mir bitte erklären, dass man dort eine Krimi-Rezension veröffentlicht, ohne Verlag, Preis, Übersetzer oder mögliche Bezugsquellen des Buchs zu nennen?
Handwerk, Herrschaften, Handwerk!

1.8.12

Friedenauer Kulturstammtisch am 6. August

Wer mal Lust hat, den hier sporadisch reinbloggenden Menschen persönlich zu treffen oder sich einfach nur für Kunst und Kultur interessiert und nächsten Montag in Berlin ist: Am Montag, 6. August, ab 19.00 Uhr im Restaurant FreiRaum, Beckerstraße 12 in 12157 Berlin-Friedenau ist Friedenauer Kulturstammtisch. 

Wer Tipps hat für Veranstaltungen in und um Berlin - bitte mitbringen! 
Wir freuen uns wieder auf einen schönen Abend mit guten Gesprächen über Kunst, Kultur und Kreativität und auf viele Neuigkeiten.
Alle Gäste sind herzlich willkommen! 

10.7.12

Vom Schreiben kann niemand leben...

Für Schreiber wird's immer schwieriger... auf althergebrachte Weise Geld zu verdienen. Kurzes Video aus der 3Sat-Kulturzeit.

Ein Recht der Kreativen

Die gesamte Konstruktion zwischen Urhebern, Verwertern und Nutzern ist seit längerer Zeit komplett aus den Fugen geraten. Das Urheberrecht will und soll ein Recht der Kreativen sein, es ist aber längst ein reines Wirtschaftsrecht der Verwerter. Die Industrie hat sich über Jahrzehnte hinweg mit teilweise atemberaubenden Manövern Stück für Stück des Kuchens genommen, der ihr juristisch gesehen nicht gehört.


sagt der Rechtswissenschaftler Thomas Hoeren in einem sehr, sehr lesenswerten Interview bei brand eins

7.7.12

In eigener Sache: Olympia-Express

Vor vier Jahren kam in Minden, produziert vom dortigen Stadttheater, das Theaterspektakel "Der Mörderexpress" raus und war bei Publikum und Presse sehr erfolgreich. So erfolgreich, dass jetzt der 2. Teil der Geschichte auf die Bühne kommt: Der Olympia-Express.
Wie im 1. Teil habe ich das Buch geschrieben und spiele die Rolle des durchgeknallten westfälischen Brauerei-Besitzers Heinrich von Hopfenberg.


Termine und Bezugsquellen für Tickets gibt es bei der Mindener Museumsbahn.

24.5.12

Wie erfolgreich sind Selfpublishing-Autoren?

Und die nächste Studie, auf die buchreport aufmerksam macht: Diesmal geht's um den Erfolg bzw. Misserfolg von Autoren, die Selfpublishing nutzen. Der Sinn solcher Studien (Details übrigens hier) entgeht mir angesichts der Studienergebnisse. Die wenigsten Autoren können von ihrer Selfpublishing-Schreiberei leben. Das tritt einen nun nicht gerade unerwartet, und es trifft auch auf die mit einem klassischen Verlagsvertrag ausgestatteten Kollegen zu: nur ein verschwindend geringer Prozentsatz von Autoren kann hierzulande vom Bücherschreiben eben, alle anderen sind auf Nebengeräusche angewiesen.
Aber: die 1000 für die Studie befragten Autoren kamen immerhin auf einen Durchschnittsverdienst von 10.000 Dollar pro Jahr, das ist recht anständig, aber wohl auch dem größeren englischsprachigen Markt geschuldet.
Nichtsdestotrotz: es scheint aufwärts zu gehen mit dem Selfpublishing. Auf steinigem Weg, aber dieser Weg scheint nach oben zu führen. Nicht sehr steil nach oben, aber immerhin... etwas bergauf.

Schlecht kann gut sein

Gerade beim Buchreport gesehen: Unter bestimmten Umständen können schlechte Kritiken dafür sorgen, dass ein Buch sich deutlich besser verkauft, sagt eine Studie, die im neuen Harvard Business Manager veröffentlicht wird.
Kurz gesagt: etablierte Autoren leiden unter Verrissen und verkaufen weniger Bücher, während unbekannte Autoren von schlechten Kritiken dadurch profitieren können, dass Leser überhaupt erst auf ihre Bücher aufmerksam gemacht werden.
Was mich interessieren würde: ob es eine signifikante Zahl von Lesern gibt, die "ihre" Kritiker so gut kennen, dass sie wissen, dass ihnen ein Buch gefallen wird, weil Kritiker XYZ es verreißt.
Ein Beispiel: Beim Tagesspiegel gibt es den Kritiker Jan Schulz-Ojala, dem gut gemachte Unterhaltungsstreifen offenbar so zuwider sind, dass er sie grundsätzlich verreißt. Ich gehe mittlerweile aus Prinzip in jeden von schulz-Ojala verrissenen Film und wurde bisher immer blendend unterhalten.
Ob's sowas auch unter Lesern gibt? "Was die Radisch verreißt, gefällt mir immer"?

22.5.12

Self-Publishing bei der re: publica


Gerade gesehen: Das Self-Publishing-Panel von der re: publica steht auf youtube. Ist ganz interessant, aber im Hinblick auf die Realität etwas seeeeehr kuschelig. Trotzdem, jeder der über das Thema nachdenkt, sollte sich das angucken.

21.5.12

Übers Bücherschreiben

In der aktuellen Print-Ausgabe des SPIEGEL (Nr. 21) steht ein sehr, sehr lesenswerter Besinnungsaufsatz von Ferdinand von Schirach übers Bücherschreiben drin. Von Schirach schildert sehr anschaulich den stetig wachsenden Aufwand und die Anstrengung, die es braucht, um ein Buch zu schreiben.
Und er schildert das Schreiben und Vermarkten eines Buchs als arbeitsteiligen Prozess spezialisierter Menschen, die einander zuarbeiten. Was natürlich gewisse gönnerhafte Vorschläge in aktuellen Debatten ("Über das Internet könnt ihr Autoren eure Bücher doch prima selbst vermarkten...") komplett ad absurdum führt.
Das sind knapp drei sehr lesenswerte Seiten, ob man sich dafür den ganzen neuen SPIEGEL (der ziemlich mau ist, wer kommt denn auf eine superoriginelle Titelgeschichte wie "Neid und Niedertracht in der Poltik", boaaah!, was ein Scoop!) kaufen sollte, weiß ich nicht. Vielleicht stellen sie's ja noch bei SpOn online.

16.5.12

1, 2.. und 3!

Gerade hab ich mir verwundert die Augen gerieben. Auf boersenblatt.net steht ein kleiner Besinnungsaufsatz, der angeblich von Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, sein soll. Ich schreibe "angeblich", weil in diesem Artikel drei Thesen zum Urheberrecht aufgestellt werden, von denen die ersten zwei so vernünftig sind, dass an Skipis' Urheberschaft (haha!) zweifeln muss: keine User kriminalisieren, die zwei Seiten eines Romans auf Facebook stellen, Neujustierung der Kommunikation, keine Verbotsbotschaften mehr aussenden...
Spricht hier wirklich der Oberpropeller vom Börsenverein? Oder hat irgendjemand mit einem vollen Tassenschrank die Seite gekapert. Aber spätestens bei Punkt 3 können wir uns wieder sicher sein, dass die ollen Hardliner doch noch am Werk sind und nur mal kurz das Schafsfellchen anprobiert haben:
"Es wird höchste Zeit, die Provider in die Verantwortung dafür zu nehmen, dass Rechtsverstöße nicht weiterhin ungeahndet möglich bleiben. Die bisherige Do-nothing-Strategie grenzt schon an unterlassener Hilfeleistung für die vielen Urheber, die zunehmend in Not geraten."

Ja, nee, is klar. Ist doch der Alex mit seiner Horrorshow.

Jo Ito und das lästige geistige Eigentum

Gerade gesehen: beim "Standard" steht ein Interview mit Jo Ito, Direktor am Media Lab des MIT. Ito als Wissenschaftler hätte das geistige Eigentum gern abgeschafft, weil es ihn und andere Wissenschaftler bei der Arbeit stört. Natürlich argumentiert er wieder von der Warte des mit einem gepflegten Monatsgehalt ausgestatteten leitenden Angestellten, der die finanzielle Situation eines freiberuflich tätigen Künstlers vermutlich gar nicht vorstellen kann:
"Patente sind eine im Grunde genommen gute Idee mit finanziellem Fokus. Aber ich erkenne immer wieder, wie Patente und Copyrights dazu beitragen, den Fortschritt zu verzögern."
Als der Interviewer ihn nach den Konsequenzen seiner Forderungen für Kunst und Kultur fragt, fallen ihm - für mich nicht unerwartet - als erstes die Farben seiner Nike-Turnschuhe ein. Und schließlich fällt auch der Satz, der in diesen Debatten früher oder später immer fällt:
"Heute kann jeder Einzelne als Künstler, Erfinder, Produzent und Distributor auftreten."
Kann er letztlich nicht. Nur weil die technischen Vorraussetzungen gegeben sind, kann nicht jeder plötzlich alles werden. Zum Künstler wird ein Mensch durch Talent, Ausbildung und Hingabe, nicht durch Expertise im Umgang mit Software und sozialen Netzwerken.
Und wenn jemand ein hervorragender Künstler ist, dann heißt das noch lange nicht, dass er gleichzeitig ein ebenso hervorragender Produzent oder Distributor sein kann. Oder muss. Ein Künstler muss die Gelegenheit haben, sich auf das zu konzentrieren, was er am Besten kann. Und was er tun will (ja, so entsteht letztlich Kunst: wenn ein Künstler das tut, was er will!). 

Ein Mensch der das tut, was irgendeinem MIT-Prof gerade durch den Kopf schießt, ist vermutlich dessen Assistent. Aber mit Sicherheit kein Künstler.

Buchbranchen-Jobbörse schließt

Leander Wattig hat notgedrungen die kostenlose Buchbranchen-Jobbörse geschlossen, weil er von einer Abmahnung bedroht war. Jemand, der ein vergleichbares kostenpflichtiges Angebot unterhält, fühlte sich wohl "als Wettbewerber bedroht".
Darf doch alles nicht mehr wahr sein.

Ahnung vom Netz

"Nicht das Netz ignoriert die Urheberrechte, sondern die Autoren haben keine Ahnung vom Netz. Zeit, dass sie sich damit befassen."
Thierry Chervel hat einen sehr, sehr lesenswerten Text zur aktuellen Netz/Literatur/Urheberrecht/Wasauchimmer-Debatte geschrieben: "Die schöne Seite der Kostenlosmentalität"

Hört doch mit der Lügerei auf!

In beinahe jeder öffentlich geführten Diskussion, die sich um die Themen Urheberrecht Nutzungsrechte oder E-Book-Preise dreht, meldet sich früher oder später irgendein Angehöriger der Verlagsbranche und weist auf irrsinnige Kosten für irrsinnigen Aufwand bei der Erstellung von E-Books hin. Der Grund für diese idiotische Lügerei entgeht mir komplett. Der Buchsatz für ein E-Book ist wesentlich unkomplizierter und unproblematischer als für ein gedrucktes Buch. Mit irgendeiner Textverarbeitung (Word, Open Office, Libre Office) und dem kostenlos erhältlichen Programm "calibre" nutzt, hat man ein Manuskript von 200 Normseiten in ein bis zwei Stunden in ein professionelles E-Book umgewandelt. Sogar bei libreka, dem Treppenwitz dem E-Book-Dingenskirchens des Börsenvereins steht mittlerweile, wo man relativ preisgünstig (32 Cent pro Seite) ins E-Book-Format konvertieren lassen kann.
Dieses lügenhafte Rumgejammer, das sich mit einer 10sekündigen Google-Recherche entlarven lässt, ist einfach nur blödsinnig. Ehrlichkeit den eigenen Kunden und Autoren gegenüber wäre deutlich sinnvoller. Und mittelfristig sicherlich profitabler.