19.11.11

Das Missverständnis

Auf der Suche nach einem fantastischen Plot für eine Farce/Groteske/Komödie? Der Tagesspiegel liefert einen. In der heutigen Ausgabe steht unglaubliche Geschichte, die absolut beispielhaft die Prämisse alles Komischen "Something must go wrong" erfüllt.
Der Pilot einer Linienmaschine schließt sich auf dem Klo ein, kurz bevor die Vorbereitungen zum Landeanflug beginnen müssen. Er hämmert gegen die Tür, ein Passagier bemerkt das und geht zum Cockpit, um den Co-Piloten zu verständigen. Der stört sich am ausländischen Akzent des Passagiers und meldet an den Tower "Pilot verschwunden, Passagier mit arabischem Akzent versucht, ins Cockpit einzudringen." In der Wirklichkeit ist es dem Piloten relativ bald gelungen, die Toilettentür einzutreten und das Missverständnis aufzulösen, in einer Komödie müsste man natürlich noch eine ganze Weile an der Missgeschick-Schraube drehen...

5.10.11

Die Zukunft ist digital

Ich habe erst vor ein paar Monaten mit Bloggen angefangen. Es ist klar, dass ich langsam lerne. Aber viele Autoren tun immer noch so, als würde das Internet nicht existieren. Einige werden sicherlich zusehen müssen, wie ihre Karrieren deswegen den Bach runtergehen. Eine Tatsache scheint mittlerweile unbestreitbar: Die Zukunft des geschriebenen Worts liegt  (größtenteils oder völlig) im digitalen Bereich.


Sam Harris
(mehr bei The Daily Beast)

16.9.11

Riesen-Idee

Eine ganz große Idee für ein Drehbuch und/oder Theaterstück, meinetwegen auch einen Roman stand heute im Tagesspiegel: Ein Ehepaar kommt mit dem Wagen in einen Ort, parkt und bleibt im Auto sitzen. Nachts schlafen sie in einem kleinen Hotel, ansonsten sitzen sie im Auto, dass sie nur verlassen, um gelegentlich die Toilette aufzusuchen.
Sie sind nicht verrückt, sie sind vielleicht ein wenig seltsam, aber sie machen nichts Verbotenes: sie sitzen einfach nur in ihrem Auto. Und die ganze Ortschaft gerät über die Frage, was die beiden eigentlich bezwecken, außer Rand und Band. Freunde verfeidnen sich, Verschwörungstheoretiker schmieden schräge Allianzen, die Politik schaltet sich ein, eine Bürgerwehr gründet sich, Hobby-Ermittler kommen sich gegenseitig in die Quere.
Und nach neun Tagen fährt das Ehepaar einfach weg. Und hinterlässt ein rauchendes Trümmerfeld.

16.2.11

Hinweis in eigener Sache: Last Commander Standin'

Den Berliner Lesern von "Über Schreiben" ans Herz gelegt: “Last Commander Standin’”, die Rock-Revue aus Berlin läuft ab heute, Mittwoch den 16.2. bis Sonnabend, den 19.2., jeweils Uhr in der UFA-Fabrik in Berlin Tempelhof.



Commander Jack Chickenhunter bringt den Rock’n Roll nach Berlin, fängt ein Verhältnis mit der goldenen Frau auf der Siegessäule an und lässt es gewaltig krachen. Straighter, überlauter Gitarrenrock bis der Arzt kommt. Ich hab das Buch für die Revue geschrieben und Regie geführt.

11.2.11

Die Krise des Lektorats

Dass viele Verlage in Deutschland seit Jahren gern am Lektorat sparen, ist bekannt. Lektorate werden "outgesourced", d. h. an Freelancer vergeben, die oftmals so schlecht bezahlt werden, dass sie die Sorgfalt und Genauigkeit, die man früher mit dem Begriff "Lektorat" verband, nicht mehr walten lassen können oder wollen. Auch von vielen Lektoren, die noch in Festanstellung in Verlagen arbeiten, hört man vom Kostendruck, unter dem die Qualität der Bücher letztlich leidet. Sorgfalt und Genauigkeit (ich weiß, ich wiederhole mich) kosten Zeit, Zeit ist (scheinbar) Geld, und Geld gibt die Verlagsleitung ungern aus.
Und das ist nicht nur hier so. Das ist anscheinend überall so, wie ich einem ganz ausgezeichneten Artikel aus dem "Guardian" entnehmen muss.

14.1.11

Giganten

Gespräch zwischen Ian Fleming und Raymond Chandler aus dem Jahr 1958:


Ian Fleming Talks to Raymond Chandler 1958 from 33hirtz on Vimeo.
Zwei absolute Großmeister des Thrillers bzw. des Krimminalromans tauschen ihre "tools of the trade" aus, absolut faszinierend. Hier (ab Seite 30 des PDF) findet sich ein Transskript des Gesprächs. Besonders schön, wie Chandler Fleming auf Ideen bringt:
RC: Why do you always have to have a torture scene?
IF: Well . . . do I always? Yes, let me think now . . . maybe you’re right.
RC: Well, every one that I’ve read.
IF: Really? I suppose I was brought up on Dr Fu Manchu and thrillers of that kind and somehow always, even in Bulldog Drummond and so on, the hero at the end gets in the grips of the villain and he suffers, either he’s drugged or something happens to him . . .
RC: Well, next time, try brainwashing. Probably worse than torture. 
Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass dieses Gespräch Fleming zum Anfang von "The Man with the Golden Gun" inspiriert hat, in dem ein gehirngewaschener Bond versucht, M umzubringen.