23.12.10

Keine Vorleser mehr

Das ZDF hat seine Literatursendung "Die Vorleser" mit sofortiger Wirkung eingestellt. Normalerweise müsste ich als lesender und erzählender Mensch jetzt auf die Barrikaden steigen, Zeter und Mordio schreien und den Untergang des Abendlandes ausrufen. Ich tu es aber nicht.
Ich will nicht sagen, dass es ein Segen ist, dass diese Sendung abgesetzt wurde, aber... es wäre vielleicht ein guter Schachzug, Menschen vor die Kamera zu setzen, die sich mit Leidenschaft für oder gegen das ein oder andere Buch engagieren. Diese zwei Faktoren waren es m. E., die den Erfolg des "Literarischen Quartetts" ausgemacht haben (nicht Reich-Ranickis sinnfreies Geboller): die Leidenschaft und die offen ausgetragene Kontroverse um ein Buch.
Leidenschaft konnte auch Elke Heidenreich liefern, aber schon da mangelte es an der Kontroverse: sie konnte (und wollte) ja nicht mit sich selbst streiten. Das ist es aber, was ich als Fernsehzuschauer sehen und als Bücherleser lesen will: Konflikte, wie immer. Wenn es kein Konflikt ist, braucht man nicht davon zu erzählen, Eiapopeia ist langweilig, Streit ist spannend.
Und Gestalten wie Amelie Fried und der Typ von der Zeit, dessen Namen (Ijoma Mangold) ich immer nachschlagen muss, die freundlich in die Kamera gucken und säuselnd Leseempfehlungen aussprechen, wer braucht die denn? Das hör ich mir an, gucke genervt und hab das Zeugs, was sie mir aufdrängen wollen, schon auf dem Weg in die Buchhandlung vergessen, wo ich mir einen Schwung Thriller hole, in denen die Post abgeht.
Das ZDF ist - wie man hört - auf der Suche nach einem neuen Format und einer neuen Besetzung für eine Literatursendung. Ich will nicht sagen, dass Bruce Darnell das machen soll, aber ein bißchen Drama wäre nicht schlecht, Baby!

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