18.12.10

Drei Anmerkungen zur Adaptierei in deutschen Theatern

Auf SpOn lese ich den Vorbericht zu einer Berliner Theaterpremiere: "Früchte des Zorns" nach dem Romanvon John Steinbeck, bearbeitet von Armin Petras. Roman-Adaptionen sind derzeit groß in Mode an deutschsprachigen Bühnen, und das hat einen simplen Grund: die sind mit Textmarker und Filzstift relativ schnelr hergestellt, und der Bearbeiter dieser Fassung kann - zusätzlich zum Intendanten-, Regie- oder Dramaturgengehalt - noch eine nette Tantieme einstreichen. Mit der Klärung dieses Sachverhalts könnte man die Thematik eigentlich ad acta legen, trotzdem reizt es mich, drei kurze, spontane Anmerkungen zur Problematik zu machen.

  1.  Derartige Bearbeitungen sind in 99% der Fälle kompletter Schwachsinn. Schriftsteller, die ihr Metier beherrschen, verstehen vom Handwerk des Geschichtenerzählen meistens wesentlich mehr als Regisseure oder Dramaturgen.. Sie haben sich vorher ziemlich genau überlegt, warum sie diesen oder jenen Stoff eben als Roman und nicht als Drehbuch, Theaterstück, Hörspiel oder wasweißichdenn realisiert haben. Eine derartige Bearbeitung läuft also fast immer den ursprünglichen Intentionen des Autors entgegen. Einige Theatermacher und -kritiker bezeichnen das gern als "spannend". Mir fallen andere Worte ein.
  2. Laut SpOn fand Petras es am schwierigsten, sich zu entscheiden, "welche Figuren nimmt man sich raus, welche Geschichten sind die wichtigen". Nun ja, das war ja zu erwarten. Gute Romane unterscheiden sich von schlechten Romanen u a. dadurch, dass es in ihnen keine unwichtigen Figuren und/oder Nebenhandlungen gibt. 
  3. Am Schluss des Artikels zitiert SpOn noch einmal Petras: "Man muss eine Idee haben, wie man den Stoff umformatieren kann in ein anderes Medium." und meint abschließend "Dann kann auch John Steinbeck zu einem Autor des 21. Jahrhunderts werden." Äh, ja. Ist das wirklich erstrebenswert?

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