7.11.10

Im Angesicht des Verbrechens - ein Quotenflop

"Im Angesicht des Verbrechens" ist meiner bescheidenen Meinung nach eine der besten Serien, die je in Deutschland produziert wurde. Trotzdem scheinen nur - relativ - wenige Menschen diese Serie sehen zu wollen. Nur jeweils zwei Millionen haben sich die ersten Folgen angeschaut, bei der ARD hat man - wie man liest - mit doppelt so viel Zuschauern gerechnet.
Ich jedenfalls habe schon eine bestimmte Sorte Redakteur/Dramaturg im Ohr: "Das war doch klar, dass das nicht läuft. Viel zu kompliziert, viel zu anspruchsvoll, das wollen die Zuschauer nicht. Klare, einfach strukturierte Geschichten, überschaubar, ohne Überraschungen, was anderes kommt in Deutschland nicht an."
Was natürlich Quatsch ist. Selbstverständlich gibt es hierzulande ein großes Publikum für moderne, komplex erzählte Geschichten. Bei "Im Angesichts des Verbrechens" hat die ARD m. E. das eigene Produkt durch die Auswahl des Sendeplatzes massiv beschädigt. Man strahlt die Serie am Freitag abend ab 21 Uhr 45 aus, auf einem Programmplatz, an dem normalerweise Tatort-Wiederholungen laufen, die tatsächlich i. d. R. doppelt so viel Zuschauer ziehen wie die Mafia-Saga. Und hier liegt auch der Hase im Pfeffer: das potenzielle Publikum für eine Serie wie "Im Angesicht des Verbrechens" erwartet auf diesem Sendeplatz nichts, was interessant sein könnte, bzw. hat den Freitag Abend für andere Aktivitäten reserviert, weil "da sowieso nur die ollen Tatorte kommen". Und die eingefleischten Tatort-Fans, die sich freitags vor die Glotze hocken, um zum xten Mal Manfred Krug und Charles Brauer singen zu hören, haben mit der düsteren Atmosphäre von "Im Angesicht des Verbrechens" vermutlich so wenig am Hut, dass sie verstört wegzappen.
Verdammt schade um die Serie. Bleibt nur die Hoffnung, dass die Quoten sich dank Mundreklame dramatisch verbessern. Und/oder dass die DVD-Verkäufe einigermaßen respektabel ausfallen. Damit das große Publikum für anspruchsvolle Unterhaltung, dass es in Deutschland gibt, nicht von den üblichen Sprücheklopfern in den Redaktionen weggeredet werden kann.

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