27.9.10

Aus Follett's Werkstatt

Ganz, ganz tolles Interview mit Ken Follett in der Welt am Sonntag, von dem auch der Nochnicht-Bestsellerautor profitieren kann. Insbesondere die "elf eisernen Regeln" gehören hinter den Spiegel eines jeden Autors gesteckt. Besonders erwähnt werden soll Regel 6: 
Schriftsteller sind keine gesegneten Stenografen, die ein göttliches Diktat empfangen. Deshalb musst du so lange recherchieren, bis du mit dem Stoff vertraut bist, intim wie Haut auf Haut.
Erstens predige ich das auch immer (Follett gibt mir recht!) und zweitens beschreibt er ziemlich anschaulich, wie intensiv er selber für seine Bücher recherchiert. Okay, kaum ein Autor hat die finanziellen Mittel Follett's zur Verfügung und kann sich Rechercheure mit 1.000 Dollar Tagesgage leisten oder mal kurz zwanzig Historiker antanzen lassen, um ein Manuskript zu checken, trotzdem war Recherchieren noch nie so einfach (Google Earth! Benutzt auch Follett!) und so preiswert wie heute. Nach wie vor erstaunlich, wie wenig viele Menschen, die Autor werden wollen, recherchieren.

23.9.10

Geht's noch, Renate? Noch alles frisch, Antje?

Ich kann nicht sagen, dass ich Kurt Westergaard für einen brillanten Karikaturisten halte. Dazu sind mir die Zeichnungen, die ich von ihm kenne, ein bisschen zu grobschlächtig, ein bisschen zu eindeutig, aber das ist wurschtegal, ich bewundere diesen Mann, für den das Wort "unbeugsam" hätte erfunden werden müssen, wenn es das nicht schon gegeben hätte. Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Freiheit der Kunst... dafür steht Kurt Westergaard ein, und sein Name ist mittlerweile ein Synonym für diese Tugenden. Wer "Freiheit" sagt, meint Kurt Westergaard. Punkt. Keine Diskussion.
Auch Frau Merkel halte ich durchaus nicht für eine brillante Kanzlerin. Eher  im Gegenteil. Aber die Worte, die sie fand, als sie bei der Verleihung eines Preises für Westergaard sprach, die... haben mir keine Bewunderung abgenötigt, nein, die waren eigentlich viel zu selbstverständlich für Bewunderung, aber ich habe "Gut gemacht, Frau Merkel!" gedacht, als ich gelesen habe, was sie gesagt hat. Was ich nicht allzu oft gedacht habe, seit sie Kanzlerin ist, aber das nur nebenbei.
Ganz andere Dinge denke ich hingegen, wenn ich lese, was Renate Künast zu Frau Merkels Worten zu sagen hat: 
Auf Skepsis stößt Merkels Auftritt auch bei den Grünen. "Ich hätte es nicht gemacht", sagte Bundesfraktionschefin Renate Künast am Rand der Grünen-Fraktionsklausur in Mainz. Zwar herrsche Meinungsfreiheit auch in der Karikatur. "Aber wenn eine Bundeskanzlerin auch noch eine Rede dazu hält, verschärft sie den Ton."
Der Beitrag von Antje Vollmer zum gleichen Thema treibt meinen Blutdruck ebenfalls in die Höhe:
"Ich halte es für unklug. Für eine Staatsfrau halte ich es für sehr unklug"
Liebe Antje, liebe Renate, diese von einem für mich unfassbaren Opportunismus befeuerte Ahnungslosigkeit, mit der ihr einen jahrhundertelangen Kampf für etwas, das sich seinerzeit "Aufklärung" nannte, wegwischt, um nur ja nicht bei irgendwelchen islamistischen Hinterwäldlern anzuecken... 
Kurz und knapp: ihr seid für Menschen, die mit Worten, Gedanken und Öffentlichkeit umgehen und auch ansonsten ihre fünf Sinne beisammen haben, nicht mehr wählbar. Das einzig Positive, was ich dem Quatsch, den ihr in diesem Zusammenhang erzählt, abgewinnen kann, ist: Mir ist dabei soviel Galle hochgekommen, dass ich nicht mehr Kotzen kann. Ist doch auch ein Erfolg.