25.8.10

Verirren geht auch nicht mehr

Vor ein paar Jahren (Herrgott,wie die Zeit vergeht) veröffentlichte ich hier einen kleinen Beitrag darüber, wie der technische Fortschritt das Erzählen verändert hat. Insbesondere das Mobiltelefon hat die Dramaturgie zahlreicher klassischer Story-Strukturen und Plots nachhaltig verändert.
Mit den mittlerweile flächendeckend eingeführten Navigationsgeräten bzw. den Handys, mit denen man Google Maps u.ä. empfangen kann, haben wir die nächste plot-technische  Veränderung erreicht: in einem zeitgenössischen Stoff muss man mittlerweile ganz schöne Klimmzüge machen, damit sich eine Figur verirren kann.
Andererseits bietet dieses GPS-Zeugs natürlich auch erzählerische Chancen: ein Ausfall der GPS-Satelliten könnte ein ganzes Land ins Chaos stürzen. Schöne Idee für einen Katastrophen-Thriller.

Wirklich "Die Wand"?

Welche deutschen (besser gesagt) deutschsprachigen Bücher sind im Ausland am beliebtesten? Das wollte das Goethe-Institut wissen und fragte Menschen in aller Welt nach ihren Lieblingsbüchern. Unter anderem auf Welt Online kann man das Ergebnis nachlesen.
Wirklich überraschend ist das zunächst nicht, auf den vorderen Plätzen tummeln sich die üblichen Verdächtigen: Thomas Mann, Michael Ende, Bernhard Schlink, Goethe mit dem Faust... Auf Platz 8 allerdings findet Man Marlen Haushofers Roman "Die Wand". Nichts gegen dieses Buch, aber ob es wirklich zu den weltweit beliebtesten gehört? Wenn ich in aller Eile richtig recherchiert habe, liegt die letzte Auflage diese Buchs in den USA 11 Jahre zurück, bei Amazon-USA ist es nur über andere Anbieter erhältlich... Nuja, da werden die Haushofer-Fans wohl ein  bißchen nachgeholfen haben, Schwamm drüber.
Wirklich ärgerlich jedoch: einige Leser-Kommentare zum Artikel in der Welt. Stolz auf das eigene Banausentum sollte sich eigentlich mit der 50er-Jahre-Wirtschaftswunder-Komödie erledigt haben.