16.10.09

Ick koof Herta gratis bei Lehmann oder auch nicht


Eigentlich eine tolle Idee: Heute kann man sich "Atemschaukel", den aktuellen Roman von Herta Müller als E-Book kostenlos herunterladen - von libreka, dem E-Book-Portal der deutschen Verlage. Könnte man, denn statt libreka bekommt man zur Zeit die nebenstehende Fehlermeldung. Augenscheinlich ist der libreka-Server unter der Vielzahl der Anfragen zusammengebrochen.
Da staune ich sehr. Hatte tatsächlich bei libreka niemand mit einem solchen Ansturm gerechnet? "Och, olle Herta? Det will eh keiner lesen!" Nun ja, wenn man das neue Buch einer frischgekürten Nobelpreisträgerin verschenkt, das im Laden 19,90 € kostet, hätte man schon mit dem einen oder anderen Interessenten rechnen können.
Aber heute früh habe ich noch mehr gestaunt. Da liefen die Server noch, und ich konnte mir "Atemschaukel" herunterladen. Nach einem kleinen Hindernislauf. Und eigentlich hab ich den Roman gar nicht heruntergeladen, sondern... ach, der Reihe nach.
Die Downloadmöglichkeit war nicht schwer zu finden, aber um Herta Müllers Buch in den libreka-Warenkorb legen zu können, musste man sich erstmal registrieren. Okay, hab ich Verständnis für, kein Problem. Also Formular ausgefüllt und endlich den Roman... immer noch nicht heruntergeladen. Ich sollte mir erst eine Buchhandlung an meinem Wohnort aussuchen, bei der ich das Gratis-E-Book kaufe (kein Scherz!). Verwirrt suchte ich nach der Dorotheenstädtischen Buchhandlung (die ist beim Büro um die Ecke, vielleicht sind da die Datenleitungen kürzer), doch libreka kannte die Dorotheenstädtische nicht. Also einigten sich das System und ich auf Lehmanns Buchhandlung in der Hardenbergstr., da muss ich heute abend sowieso vorbei, ich bin um die Ecke verabredet. Vielleicht kann ich dann dort meinen Download... mitnehmen. Oder so.
Nein. Brauchte ich nicht. Plötzlich kam Bewegung in die Sache. Fa. Lehmann offerierte mir eine finanzamtskompatible Rechnung über 0,00 €, ich lehnte dankend ab und meine Kooperationsbereitschaft wurde mit einem Downloadlink belohnt. Hinter diesem Link verbarg sich aber nicht das E-Book, sondern eine 1,5 KB große Datei mit kryptischer Endung. Langsam begriff ich das ganze als sportliche Herausforderung, suchte nach der Hilfe (wenn jemand zu libreka durchkommt: auf "drm" klicken!) und fand schließlich eine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Um den libreka-Link in eine Art E-Book zu verwandeln, musste ich erst Fa. Adobe aufsuchen und etwas namens "Adobe Digital Editions" installieren. Mit dieser Digital Editions konnte ich dann... das E-Book nicht direkt herunterladen, aber es immerhin lesen. Wenn ich das, was auf der Adobe-Seite steht, richtig verstanden habe, lädt Digital Editions wohl eigentlich nxi herunter, sondern öffnet eine auf dem Adobe-Server befindliche Kopie. Um auszuprobieren, ob ich "Atemschaukel" auch offline lesen könnte, fehlte mir die Zeit: die ganze Operation hatte soviel Zeit in Anspruch genommen, dass ich mich beeilen musste, um ins Büro zu kommen. Und ab dann war libreka offline. Nu ja.
Liebe libreka-Verleger, wenn ihr euren Kunden ein neues Produkt wie das E-Book schmackhaft machen wollt, dann müsst ihr die Sache so einfach wie möglich machen. Wenn ihr stattdessen einen derartigen Hindernisparcours aufbaut, an dem Menschen, die weniger geduldig bzw. frustrationstolerant sind als ich zwangsläufig scheitern müssen, dann werdet ihr kein Geschäft mit E-Books machen.
Dann macht das eben wer anders.

1 Kommentar:

Foodfreak hat gesagt…

ich bin noch am überlegen drüber zu schreiben, weil mich diese ganze DRM-Sache rasend macht... ich will meine eBooks eben *nicht* mit Adobe hassenichgesehen-registriert lesen müssen... das ist einfach von vorn bis hinten verkehrt. Es macht eBooks kompliziert und nervig statt einfach, kein Wunder dass keiner das Zeug haben will..