23.10.09

Napoleone


Diese Woche hat unser Autorenverlag ein neues Buch an den Start gebracht: "Napoleone" von Manfred M. Bergner.
Kenner des Zirkus und des Varieté werden bei diesem Namen eventuell hellhörig. Ist das nicht Manfred Tornado? Genau der ist es, der langjähriger Chef der Tornados, dessen dreifacher Salto rückwärts auf dem Schleuderbrett zur Legende geworden ist.
Vor ein paar Jahren hat Bergner sich von Bühne und Manege verabschiedet und mit dem Schreiben begonnen.
Und wir freuen uns ganz besonders, dass er seinen ersten Roman bei uns veröffentlicht. "Napoleone" ist eine augenzwinkernd-humorvoll erzählte Hundegeschichte, gleichzeitig aber auch eine lebenskluge Parabel über Macht, Herrschaft und Rassismus.
Eine kurze Leseprobe:
Er bemerkte den Geruch von Fleisch aus einem Topf auf dem
Herd in seinem Näschen. „Aha, da bereitet Frauchen sicher
mein Abendbrot!“ schloss Napoleone messerscharf. Frauchen
nahm den Topf vom Herd.
„Achtung, es geht los. Erst muss ich bedient werden. Danach
kann der Altrüde die Reste aufsammeln, wenn überhaupt!“,
knurrte der neue Leithund.
Frauchen nahm das Fleisch aus dem Topf. Sie schnippelte daran
herum und pustete drauf, so dass es erkaltete und der Kleine
es essen konnte, ohne sich sein Mäulchen zu verbrennen. Napoleone
beobachtete alles ganz genau und war sehr zufrieden
mit Frauchen.
Das Rudel aß gemeinsam zu Abend, und nur Napoleone hatte
Fleisch auf seinem Tellerchen. Herrchen bekam die Fleischbrühe.
Darüber beschwerte er sich heftig.
„Du wolltest doch immer Brühe mit Ei zum Abendbrot. Dir kann
man auch nichts recht machen!“, sagte Frauchen. „Da serviere
ich dir leckere Brühe, und dann ist es auch wieder nicht richtig.“
„Ich möchte auch Fleisch haben!“
„Das geht nicht!“
„Warum nicht?“
„Weil das Fleisch nur für Napoleone gedacht ist.“
Am 12. Dezember um 16 Uhr wird Manfred M. Bergner in Berlin aus seinem Buch lesen, und zwar um 16 Uhr im Hotel Gates. Der Eintritt ist frei.
Die Presse ist jetzt schon auf Bergner und sein Buch aufmerksam geworden.
Napoleone, erschienen im MyStory Verlag Chris Kurbjuhn, Paperback, 160 Seiten, ISBN 978-3-938399-31-6, 12,90 €, ab sofort im Buchhandel erhältlich.

16.10.09

Ick koof Herta gratis bei Lehmann oder auch nicht


Eigentlich eine tolle Idee: Heute kann man sich "Atemschaukel", den aktuellen Roman von Herta Müller als E-Book kostenlos herunterladen - von libreka, dem E-Book-Portal der deutschen Verlage. Könnte man, denn statt libreka bekommt man zur Zeit die nebenstehende Fehlermeldung. Augenscheinlich ist der libreka-Server unter der Vielzahl der Anfragen zusammengebrochen.
Da staune ich sehr. Hatte tatsächlich bei libreka niemand mit einem solchen Ansturm gerechnet? "Och, olle Herta? Det will eh keiner lesen!" Nun ja, wenn man das neue Buch einer frischgekürten Nobelpreisträgerin verschenkt, das im Laden 19,90 € kostet, hätte man schon mit dem einen oder anderen Interessenten rechnen können.
Aber heute früh habe ich noch mehr gestaunt. Da liefen die Server noch, und ich konnte mir "Atemschaukel" herunterladen. Nach einem kleinen Hindernislauf. Und eigentlich hab ich den Roman gar nicht heruntergeladen, sondern... ach, der Reihe nach.
Die Downloadmöglichkeit war nicht schwer zu finden, aber um Herta Müllers Buch in den libreka-Warenkorb legen zu können, musste man sich erstmal registrieren. Okay, hab ich Verständnis für, kein Problem. Also Formular ausgefüllt und endlich den Roman... immer noch nicht heruntergeladen. Ich sollte mir erst eine Buchhandlung an meinem Wohnort aussuchen, bei der ich das Gratis-E-Book kaufe (kein Scherz!). Verwirrt suchte ich nach der Dorotheenstädtischen Buchhandlung (die ist beim Büro um die Ecke, vielleicht sind da die Datenleitungen kürzer), doch libreka kannte die Dorotheenstädtische nicht. Also einigten sich das System und ich auf Lehmanns Buchhandlung in der Hardenbergstr., da muss ich heute abend sowieso vorbei, ich bin um die Ecke verabredet. Vielleicht kann ich dann dort meinen Download... mitnehmen. Oder so.
Nein. Brauchte ich nicht. Plötzlich kam Bewegung in die Sache. Fa. Lehmann offerierte mir eine finanzamtskompatible Rechnung über 0,00 €, ich lehnte dankend ab und meine Kooperationsbereitschaft wurde mit einem Downloadlink belohnt. Hinter diesem Link verbarg sich aber nicht das E-Book, sondern eine 1,5 KB große Datei mit kryptischer Endung. Langsam begriff ich das ganze als sportliche Herausforderung, suchte nach der Hilfe (wenn jemand zu libreka durchkommt: auf "drm" klicken!) und fand schließlich eine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Um den libreka-Link in eine Art E-Book zu verwandeln, musste ich erst Fa. Adobe aufsuchen und etwas namens "Adobe Digital Editions" installieren. Mit dieser Digital Editions konnte ich dann... das E-Book nicht direkt herunterladen, aber es immerhin lesen. Wenn ich das, was auf der Adobe-Seite steht, richtig verstanden habe, lädt Digital Editions wohl eigentlich nxi herunter, sondern öffnet eine auf dem Adobe-Server befindliche Kopie. Um auszuprobieren, ob ich "Atemschaukel" auch offline lesen könnte, fehlte mir die Zeit: die ganze Operation hatte soviel Zeit in Anspruch genommen, dass ich mich beeilen musste, um ins Büro zu kommen. Und ab dann war libreka offline. Nu ja.
Liebe libreka-Verleger, wenn ihr euren Kunden ein neues Produkt wie das E-Book schmackhaft machen wollt, dann müsst ihr die Sache so einfach wie möglich machen. Wenn ihr stattdessen einen derartigen Hindernisparcours aufbaut, an dem Menschen, die weniger geduldig bzw. frustrationstolerant sind als ich zwangsläufig scheitern müssen, dann werdet ihr kein Geschäft mit E-Books machen.
Dann macht das eben wer anders.

14.10.09

Eine Verkettung wenig glücklicher Umstände

Wer etwas darüber erfahren möchte, wie der Buchmarkt funktioniert, wie Bücher in großen Buchhandlungen positioniert und vermarktet werden, wird bei der Süddeutschen fündig. Vorsicht, Illusionsverlust!

12.10.09

Kindle? So doch nicht!

Endlich ist es soweit: amazons Kindle, für mich der erste ernst zu nehmende E-Book-Reader, kommt nach Deutschland. Man kann ihn jetzt schon über amazon.com ordern, die ersten Exemplare werden ab 19. Oktober ausgeliefert.
Ich als traditioneller "early adopter" hatte mir fest vorgenommen, den Kindle sofort zu bestellen, wenn er hierzulande erhältlich ist. Von diesem Vorhaben habe ich Abstand genommen, als ich mich über den Lesestoff informierte, der zunächst für den Kindle erhältlich sein wird. Man wird zunächst beinahe ausschließlich englische E-Books kaufen können, und das Angebot abonnierbarer deutschsprachiger Zeitungen und Zeitschriften beschränkt sich auf FAZ, Handelsblatt und Wirtschaftswoche.
Ähm... dafür soll ich 279$ plus Versandkosten plus Steuer (laut SpOn insgesamt 251 €) auf den Tisch legen? Äh, nö. Ich zumindest kauf mir doch keinen E-Book-Reader, weil das so ein schickes Gerät ist, ich kauf ihn mir wegen der Bücher, die ich damit lesen kann. Und so lange da das Angebot nicht stimmt (nicht nur amazon ist hier gefordert, hier müssen auch die deutschen Groß-Verlage endlich aus ihrem Tiefschlaf erwachen), investier ich die 250 € lieber in analogen Lesestoff.
Überhaupt 250 €: machen wir uns nix vor, wenn der Reader soviel kosten wird, wird das hierzulande auf Länge nix mit E-Books. Der E-Book-Markt wird funktionieren wie der für DVDs. Das Abspielgerät muss äußerst preiswert sein, das eigentliche Geschäft wird mit den Medien für dieses Gerät gemacht. Will man dem Lesepublikum einen E-Book-Reader schmackhaft machen, dann muss der Reader einen Preis haben, der die Leute dazu bringt, zu sagen "Das probier ich mal aus." Wenn ich für dieses Ausprobieren den Gegenwert von ca. 30 Taschenbüchern berappen muss, probier ich nix aus und kauf mir erstmal die 30 Taschenbücher.
Bleibt für mich die Frage, warum amazon seinen Kunden ein solch unfertiges Angebot überhaupt andient? Resignation gegenüber dem "Abwarte-Beton" der deutschen Verlage? Ist schon ein neuer, besserer Kindle in der Pipeline, so dass das Lager geräumt werden muss? Oder will man vor einem möglichen starken Konkurrenten (Apple?) auf dem Markt sein?

9.10.09

Typisch Autor!



Und ganz im Gegenteil aber leider hierzulande "typisch Drehbuchautor" diese Bestandsaufnahme von Tilmann P. Gangloff im Rheinischen Merkur.

Herta wer?

"Hand aufs Herz - wer kennt Herta Müller?" Diese bzw. ähnliche Fragen tauchten gestern öfters auf Twitter, Facebook und sonstwo in sozialen Sonstwo-Netzen auf, und die Antworten waren ebenso einhellig wie vorhersehbar: "Nie gehört." - "Kenne nur Hertha BSC." etc. Nicht mal die Vermutung "Ist das vielleicht die Frau von Heiner Müller?" gönnte man der frischgebackenen Literaturnobelpreisträgerin, dazu ist Heiner Müller wohl schon zu lange tot, denn kennt auch keiner (mehr).
Da staunt die "digtale Bohême", dass die Stockholmer jemand, der ihnen vollkommen unbekannt ist, mit dem wichtigsten Literaturpreis der Welt bedenken. Wenn's ein Japaner wie Kenzaburō Ōe oder ein franzüsischer Chinese wie Gao Xingjian ist, ist das ja verzeihlich, aber jemanden aus dem eigenen Land zu ehren, denn man nicht kennt? Schon merkwürdig, diese Stockholmer.
Natürlich ist es kein Wunder, dass Herta Müller hierzulande nicht in der vordersten Liga der Literatur-Promis mitspielt: ihr Thema ist Rumänien (in diesem Land hat sie bis vor zwanzig Jahren gelebt), ihr Thema ist die Unterdrückung der Menschen dieses Landes durch das totalitäre Regime, das dort jahrzehntelang geherrscht hat. Wie soll jemand, der sich ein Leben lang an diesem Thema abarbeitet, hierzulande zu Ruhm kommen?
"Hast du mal was zu lesen?" - "Ja, hier, hab ich gerade durch, was über Menschenrechtsverletzungen in Rumänien." - "Ach."
Durch die Verleihung des Literaturnobelpreises wird jetzt die Aufmerksamkeit auf Herta Müller, ihre Bücher und ihr Thema gelenkt. Und das ist gut, das ist richtig und das ist wichtig, denn es ist letztlich nicht wichtig, ob das Publikum hierzulande Literaturpreisträger ABC oder Literaturpreisträger XYZ kennt. Wichtig ist, dass unbequeme Themen in die öffentliche Diskussion kommen, die sich nicht an den persönlichen Befindlichkeiten des Großfeuilletons orientieren.
Irgendwie schade, dass es des Nobelpreises bedarf, um einer mutigen, hartnäckigen und fähigen Autorin wie Herta Müller die verdiente Aufmerksamkeit in dem Land, in dem sie lebt, zu verschaffen. Und in sofern hat die Stockholmer Kommission eine sehr, sehr gute Wahl getroffen, denn sie ist vom Stifter des Preises ausdrücklich auf den Idealismus des Autors bzw. seines Werks verpflichtet worden.
Da hat's die richtige getroffen, auch und gerade weil sie bis gestern hierzulande nicht jeder kannte.
Und nächstes Jahr dann endlich Philip Roth, nicht wahr? Stockholm?

8.10.09

Literatur-Nobelpreis an Herta Müller

Soeben sehe ich, dass der Nobelpreis für Literatur in diesem Jahr an Herta Müller geht.
Sicherlich ist gerade ihr dieser Preis aus vollem Herzen zu gönnen, aber ich kann nicht umhin, gebetsmühlenartig das zu wiederholen, was ich jedes Jahr anlässlich der Nobelpreisverleihung zu sagen habe: Die Hartnäckigkeit, mir der die Stockholmer Philip Roth übergehen, empfinde ich mittlerweile als bösartig.