4.9.09

Trainer Baade und die Kunst

In den letzten Tagen hat es gewaltig gerumpelt in der deutschen Blogossphäre. Ein auch von mir sehr geschätzter Fußball-Blogger, Trainer Baade, war von einer Anwaltskanzlei im Namen des Sportartikelherstellers Jako abgemahnt worden, weil er das neue Logo dieses Herstellers in einem eindeutig satirischen Beitrag deftig verrissen hatte. Über den Ablauf der ganzen Affäre kann man sich bei allesaußersport informieren, probek hat die Reaktionen gesammelt, ich muss das also hier nicht nochmal aufdröseln. Mittlerweile scheint Bewegung in die Sache zu kommen, eine Presseerklärung von Jako gibt Hoffnung, dass Frank Baade unbeschadet aus der Sache herauskommen wird.
Was mir als Autor an dieser Geschichte (und an einigen anderen, ähnlich gelagerten) sauer aufstößt, ist die geistige Grundhaltung mit der Unternehmen und Anwaltskanzlei Frank Baade angegangen sind. Baades Text (er hat ihn mittlerweile gelöscht) war eindeutig satirisch. Nicht gerade ein Meilenstein in der Geschichte des Humors, eher ein schnell hingehauener Moment-Einfall, aber ganz eindeutig eine Satire. Trotzdem glaubten ein Unternehmen und eine Anwaltskanzlei, hier einen Autor zur Raison bringen zu dürfen. Meinungsfreiheit? Schtonk! Freiheit der Kunst? Schtonk!
Kein Politiker kommt (mehr) auf die Idee, einen Kabarettisten juristisch anzugehen, der ihn satirisch ins Visier genommen hat. Wieso glaubt ein Wirtschaftsunternehmen, die Freiheit der Kunst gelte nicht, wenn es um die eigenen Marken und Produkte geht?
Langsam aber sicher macht sich in diesem Land ein besonders widerlicher Grundkonsens breit: das wirtschaftliche Interessen höher zu bewerten sind als alles andere. "Ja, mein Gott, da muss man doch Verständnis haben, dass die ihre Interessen schützen wollen." Nein. Muss man nicht. Nicht, wenn es um die künstlerische Freiheit geht.
Ich habe fertig.

1 Kommentar:

Trainer Baade hat gesagt…

Schtonk!