12.9.09

Angst bei der Arbeit

Der Fall Doris Heinze geistert immer noch durch die Blätter. Die Frankfurter Rundschau hat die Sache zum Anlass genommen, einen Artikel über die Situation der von dieser Angelegenheit Hauptbetroffenen, die Drehbuchautoren, zu veröffentlichen. Sehr lesenswert. Und leider entspricht das dort Geschriebene hundertprozentig den Tatsachen.

10.9.09

Bestandsaufnahme.

Für den Tagesspiegel von heute hat Peter von Becker anläßlich des Beginns der Theatersaision eine umfang- und kenntnisreiche Bestandsaufnahme der derzeitigen Situation geschrieben.
Ich liste dann mal die Autoren auf, die von Becker in seinem gut eine Zeitungsseite langen Artikel erwähnt: Anton Tschechow, Daniel Kehlmann, Bertolt Brecht, Euripides, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich von Schiller, Elfriede Jelinek, Georg Büchner, Heiner Müller, Peter Handke, William Shakespeare. Maxim Gorki zähle ich mal nicht, da er nur als Namensgeber des Maxim-Gorki-Theaters herhalten muss. Das macht dann insgesamt 11 Autoren, von denen immerhin drei noch am Leben sind. Von diesen dreien schreibt Kehlmann gar nicht fürs Theater, Frau Jelinek erzeugt keine Theaterstücke sondern Textkonvolute, die von Schauspielern auf Bühnen interpretiert werden, aber wenigstens Peter Handke schreibt gelegentlich noch Theaterstücke. Wenn er ein Fettnäpfchen findet, in das er hineintreten kann.
Anderthalb von elf. Ah, ja. Ich finde, diese kleine Statistik sagt mehr über die derzeitige Situation des Theaters und die Sichtweise des Groß-Feuilletons als von Beckers ellenlanger Text.

8.9.09

Einladung zur Buchparty "Nach Süden"

Vor ein paar Tagen ist in unserem Verlag "Nach Süden" erschienen, ein Band mit Reiseerzählungen von Meinhard Schröder. Am Sonnabend, dem 12. 9. 2009 um 16 Uhr findet die Buchpremierenparty im Hotel Gates, Knesebeckstr. 8-9, 10623 Berlin, zu der wir herzlich einladen.
Meinhard Schröder wird - natürlich - aus seinem Buch lesen, Leonie Kauer sorgt für die musikalische Begleitung, ein Gewinnspiel wird veranstaltet und selbstverständlich gibt es für unsere Gäste auch eine kleine Erfrischung. Und natürlich ist der Eintritt frei!
Damit wir wissen, mit wieviel Gästen wir ungefähr zu rechnen haben, wären wir für eine Anmeldung dankbar, entweder telefonisch unter 030 33772835 oder per Email an info@mystory-verlag.de.

7.9.09

Die Causa Heinze in der SZ

Zum Fall der ehemaligen NDR-Redakteurin Doris Heinze hat die Süddeutsche einen ganz ausgezeichneten Artikel mit dem treffenden Titel "Mittelmaß und Wahn" veröffentlicht. Bitte auch die Kommentare lesen, da findet sich so manches aufschlußreiche Detail (die Einbrüche letzte Woche bei der AllMedia usw.).
Gleichzeitig zieht der SZ-Artikel auch die richtigen Schlußfolgerungen. Das hermetische, viel zu gut vernetzte und damit letztendlich einen kreativen Konkurrenzkampf verhindernde ARD-System ist Schuld daran, dass unsere Fernsehfilme so dröge und bräsig sind, gerade so, als wären sie vor dreißig Jahren gedreht worden. Auch wenn Heinze und ein Teil ihrer Mit- und Zuarbeiter jetzt aufgeflogen sind: ich fürchte, am grundlegenden System wird sich durch diesen Skandal nicht das geringste ändern. Und damit bleibt die Situation Job für Drehbuchautoren hierzulande schwierig. Und wird von Jahr zu Jahr schwieriger.
Nachtrag: Gerade habe ich einen eebnfalls ausgezeichneten Artikel bei der FAZ entdeckt. Genauso lesenswert.

5.9.09

Fry über Schreiben

Stephen Fry hat seine Deadline geschafft und feiert dieses Ereignis mit einem sehr, sehr schönen Blog-Eintrag (mit einem Thomas-Mann-Zitat, das ich noch nicht kannte!) darüber, wie schwierig Schreiben ist. Dringende Leseempfehlung.

4.9.09

Trainer Baade und die Kunst

In den letzten Tagen hat es gewaltig gerumpelt in der deutschen Blogossphäre. Ein auch von mir sehr geschätzter Fußball-Blogger, Trainer Baade, war von einer Anwaltskanzlei im Namen des Sportartikelherstellers Jako abgemahnt worden, weil er das neue Logo dieses Herstellers in einem eindeutig satirischen Beitrag deftig verrissen hatte. Über den Ablauf der ganzen Affäre kann man sich bei allesaußersport informieren, probek hat die Reaktionen gesammelt, ich muss das also hier nicht nochmal aufdröseln. Mittlerweile scheint Bewegung in die Sache zu kommen, eine Presseerklärung von Jako gibt Hoffnung, dass Frank Baade unbeschadet aus der Sache herauskommen wird.
Was mir als Autor an dieser Geschichte (und an einigen anderen, ähnlich gelagerten) sauer aufstößt, ist die geistige Grundhaltung mit der Unternehmen und Anwaltskanzlei Frank Baade angegangen sind. Baades Text (er hat ihn mittlerweile gelöscht) war eindeutig satirisch. Nicht gerade ein Meilenstein in der Geschichte des Humors, eher ein schnell hingehauener Moment-Einfall, aber ganz eindeutig eine Satire. Trotzdem glaubten ein Unternehmen und eine Anwaltskanzlei, hier einen Autor zur Raison bringen zu dürfen. Meinungsfreiheit? Schtonk! Freiheit der Kunst? Schtonk!
Kein Politiker kommt (mehr) auf die Idee, einen Kabarettisten juristisch anzugehen, der ihn satirisch ins Visier genommen hat. Wieso glaubt ein Wirtschaftsunternehmen, die Freiheit der Kunst gelte nicht, wenn es um die eigenen Marken und Produkte geht?
Langsam aber sicher macht sich in diesem Land ein besonders widerlicher Grundkonsens breit: das wirtschaftliche Interessen höher zu bewerten sind als alles andere. "Ja, mein Gott, da muss man doch Verständnis haben, dass die ihre Interessen schützen wollen." Nein. Muss man nicht. Nicht, wenn es um die künstlerische Freiheit geht.
Ich habe fertig.