10.8.09

E-Books - In China scheint's loszugehen...

Einen hochinteressanten Artikel über den boomenden E-Book-Markt in China habe ich im Jetzt-Magazin der SZ gefunden. Dort scheinen sich E-Books bei einer völlig neuen Generation von Lesern, den Computerspielern (!) einer schönen Akzeptanz zu erfreuen und über diesen Umweg auf dem Weg in den Mainstream zu sein.
Sicherlich kann man den chinesischen Markt auf Grund seiner schieren Größe (ein Nischen-Erfolg spielt dort schon richtig Geld in die Kasse) nur schwer mit dem hiesigen vergleichen, doch einige Details scheinen mir bemerkenswert.
Zum ersten sind dort E-Books wesentlich preiswerter als ihre gedruckten Pendants (wenn gedruckte Pendants überhaupt existieren). Das ist eine Grundvoraussetzung für den Erfolg von E-Books. Jedem Leser und potenziellen E-Book-Käufer ist klar, dass eine Datei wesentlich preiswerter herzustellen ist als ein gedrucktes Buch, und diesen Preisvorteil muss man an den Leser weitergeben, sonst kommt er sich veräppelt und ausgenommen vor. Das ist eine Tatsache, auch wenn hierzulande einige Verlage mit Marketing-Gesülze versuchen, die Realität zu leugnen.
Zum zweiten, dass dort E-Books für einen speziellen Markt geschrieben und kapitelweise publiziert und vermarktet werden. Offenbar hat die im Artikel genannte Firma "Shanda" das iTunes-Prinzip ("Du musst kein ganzes Album kaufen, du darfst ruhig nur einen Titel des Albums kaufen!") auf E-Books übertragen und bei den Lesern offene Türen eingerannt. Das ist wenig verwunderlich, wenn man sich eine Statistik ins Gedächtnis ruft, die vor ca. einem Jahr Gesprächsthema war: Nämlich dass viele Menschen die Bücher, die sie sich anschaffen, nicht auslesen. Eine unglaublich hohe Zahl von Lesern hört vor dem Schluss auf, sogar bei Whodunits und - unglaublich! - bei Harry Potter. Solchen Menschen kommt die kapitelweise Vermarktung eines Buchs natürlich sehr entgegen.
Und hier sehe ich riesige Möglichkeiten für Autoren und Verlage. Denn ein derartiges Geschäftsmodell schreit natürlich geradezu nach einem Comeback des Fortsetzungsromans. Eine wirklich spannende Geschichte, von der jede Woche eine neue Folge erscheint, die auf einen Höhepunkt hin geschrieben ist und mit einem Cliffhanger endet, der den Leser 7 Tage lang rätseln lässt, wie die Sache wohl weitergeht... das sollte doch mit dem Teufel zugehen, wenn so eine Story nicht eine große und treue Lesergemeinde finden würde.
Und das wird erst der Anfang sein. Wer jetzt Zeit und Ressourcen frei hat, ein paar derartige Geschichten zu entwickeln, wird einen großen Vorteil haben, wenn hierzulande die Verlage die Zeichen der Zeit erkennen. In China sind diese Zeichen schon deutlich zu sehen.

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