18.8.09

Crash bei Crashpoint

Wegen einer nachgerade hymnischen Vorabkritik auf SpOn habe ich mir gestern den Pro7-Flugzeug-Desaster-Movie "Crashpoint" angetan. Die Begeisterung des SPIEGEL-Kritikers konnte ich - besonders vom drehbuchandwerklichen Standpunkt aus - überhaupt nicht teilen.
Wie Flugzeug-Desaster-Movies funktionieren wissen wir spätestens seit der Mutter aller Fischvergiftungen, dem unvergesslichen "Flug in Gefahr" aus 1964. Grundvorraussetzung dafür, dass man mit den Menschen mitfiebert, die in einem maroden Flugzeug durch die Lüfte schlingert, ist, dass man sie mag. Um die Passagiere einer Unglücksmaschine mögen zu können, muss man etwas Zeit haben, sie kennenzulernen. Und selbst wenn man das Flugzeug mit einem Haufen Klischee-Figuren bevölkert, die wie alle schon zigmal in der Airport-Serie gesehen haben, wir möchten trotzdem auch diese Figuren kennenlernen. Deshalb vertragen solche Filme nicht nur eine breit angelegte Exposition, sie müssen sie sogar haben. Je mehr dem Zuschauer diese Figuren ans Herz wachsen, desto mehr Empathie empfindet er angesichts der Bedrohung, in die diese Menschen geraten.
Was geschah jedoch in "Crashpoint"? Die Passagiere werden kurz mit zwei, drei Sätzen charakterisiert, ins Flugzeug geschickt, und das ist noch nicht mal halb in der Luft, als das Schicksal schon zuschlägt. Der restliche Film ging mir - und vielen anderen Zuschauern, wie ich den einschlägigen Foren entnehme - trotz stellenweise hohen Schauwerten ziemlich am Arsch vorbei. Weil mir die Passagiere vollkommen wurschtegal waren. Ich kannte sie ja nicht.
James Cameron hat die "Titanic" in Echtzeit untergehen lassen, der Untergang des Schiffs dauerte im Kino genau so lang wie in der Realität. Damit das Wirkung machte, hat er sich vorher eine Exposition gegönnt, die noch einmal so lang war. Hätte er mit dem Untergang der Titanic angefangen, wäre der Film vermutlich niemals ins Kino gekommen, sondern wäre an irgendeinem Montag abend bei Pro7 gelaufen.

Kommentare:

r|ob hat gesagt…

... sicher fallen jetzt noch B-Movie-Adaptionen ein: Tornados, Erdbeben, Hochwasser etc. - dabei ist die filmische Umsetzung die eigentliche Katastrophe...

Chris Kurbjuhn hat gesagt…

Das war ja das ärgerliche gestern abend: Die Umsetzung war gar nicht so übel, ein paar Tricks waren beinahe auf "Lost"-Niveau. Aber das Buch, die Dramaturgie...