28.8.09

21.8.09

Kuriose Preis-Titel

Dieser schöne Preis war mir bisher doch glatt entgangen: der für den kuriosesten Buchtitel des Jahres, der von Schotts Sammelsurium und dem Buchmarkt vergeben wird. Auf http://www.kuriosesterbuchtitel.de konnte man Vorschläge machen, jetzt wurde die Longlist ausgewählt und veröffentlicht.
Mein Favorit ist "Wie man mit einem Schokoriegel die Lichtgeschwindigkeit misst und andere nützliche Experimente für den Hausgebrauch".

18.8.09

Des einen Leid, des anderen...

Kaum glaublich, aber wahr: Während man hierzulande gegen das Deppenapostroph (Schnulli's Schlemmerecke, Brockhau's Lexikon) wie gegen Windmühlenflügel kämpft, beklagen die Briten den Apostroph-Schwund im Englischen.

via Textguerilla

Nach Süden

Soeben hab ich wieder etwas ins Verzeichnis lieferbarer Bücher reingeschrieben. Das bedeutet meistens, dass wir ein neues Buch herausgebracht haben. Heute ist das ein Band mit schönen, humorvollen Reiseerzählungen von Meinhard Schröder.
Der Klappentext:
Bei der Geburt wurde dem in Berlin lebenden Autor Meinhard Schröder keineswegs eine Zukunft als Reiseschriftsteller gesungen. Aber seine Mutter urteilte schon bald wegen seiner vielen Fahrradausflüge in die schöne Umgebung seiner Heimatstadt Schwerin: "Du bist ein Wandervogel - wie dein Großvater".
Sie sollte Recht behalten.
Ein Zitat:
"Man mag es glauben oder nicht: Wanderführerin ist auf Teneriffa ein gefährlicher Beruf. Und das nicht ewa wegen der Gefahr, in einer Schlucht abzustürzen. Nein, gegen solche Widrigkeiten ist die Wanderführerin durch Ausbildung und Erfahrung gewappnet. Die eigentliche Gefahr droht ihr von den Wanderern."
Wie immer haben wir auch auf der Verlagswebsite eine Seite für dieses Buch eingerichtet, wo man es auch bestellen kann.
Und natürlich wird es auch für dieses Buch eine party mit Lesung und (vorraussichtlich) musikalischer Begleitung geben. Sowie Termin und Ort feststehen, poste ich hier eine Einladung.

Crash bei Crashpoint

Wegen einer nachgerade hymnischen Vorabkritik auf SpOn habe ich mir gestern den Pro7-Flugzeug-Desaster-Movie "Crashpoint" angetan. Die Begeisterung des SPIEGEL-Kritikers konnte ich - besonders vom drehbuchandwerklichen Standpunkt aus - überhaupt nicht teilen.
Wie Flugzeug-Desaster-Movies funktionieren wissen wir spätestens seit der Mutter aller Fischvergiftungen, dem unvergesslichen "Flug in Gefahr" aus 1964. Grundvorraussetzung dafür, dass man mit den Menschen mitfiebert, die in einem maroden Flugzeug durch die Lüfte schlingert, ist, dass man sie mag. Um die Passagiere einer Unglücksmaschine mögen zu können, muss man etwas Zeit haben, sie kennenzulernen. Und selbst wenn man das Flugzeug mit einem Haufen Klischee-Figuren bevölkert, die wie alle schon zigmal in der Airport-Serie gesehen haben, wir möchten trotzdem auch diese Figuren kennenlernen. Deshalb vertragen solche Filme nicht nur eine breit angelegte Exposition, sie müssen sie sogar haben. Je mehr dem Zuschauer diese Figuren ans Herz wachsen, desto mehr Empathie empfindet er angesichts der Bedrohung, in die diese Menschen geraten.
Was geschah jedoch in "Crashpoint"? Die Passagiere werden kurz mit zwei, drei Sätzen charakterisiert, ins Flugzeug geschickt, und das ist noch nicht mal halb in der Luft, als das Schicksal schon zuschlägt. Der restliche Film ging mir - und vielen anderen Zuschauern, wie ich den einschlägigen Foren entnehme - trotz stellenweise hohen Schauwerten ziemlich am Arsch vorbei. Weil mir die Passagiere vollkommen wurschtegal waren. Ich kannte sie ja nicht.
James Cameron hat die "Titanic" in Echtzeit untergehen lassen, der Untergang des Schiffs dauerte im Kino genau so lang wie in der Realität. Damit das Wirkung machte, hat er sich vorher eine Exposition gegönnt, die noch einmal so lang war. Hätte er mit dem Untergang der Titanic angefangen, wäre der Film vermutlich niemals ins Kino gekommen, sondern wäre an irgendeinem Montag abend bei Pro7 gelaufen.

17.8.09

Leseempfehlung: Hecht in Hollywood

Einer meiner All-Time-Lieblingsautoren ist Ben Hecht. "Ben Wer?" fragt man hierzulande häufig, denn der Autor zahlreicher klassischer Drehbücher ist hierzulande nur Kennern der Hollywood-Geschichte bzw. Benutzern der deutschen bzw. der (in diesem Falle empfohlenen) englischen Wikipedia bekannt.
Mit "A Child of the Century" hat Hecht eine der besten, gehaltvollsten, ideen- und sprachmächtigsten Autobiographien aller Zeiten geschrieben. Leider ist dieses Meisterwerk nur in einer stark gekürzten Fassung in Deutschland erschienen (in den achtziger Jahren, wenn ich mich recht entsinne). Seit einiger Zeit bemüht sich der Berenberg Verlag darum, Ben Hecht deutschen Lesern schmackhaft zu machen. 2006 erschien "Revolution im Wasserglas", eine Sammlung von Reprotagen aus dem Nachkriegsdeutschland des 1. Weltkriegs.
Und dieser Tage erscheint "Von Chicago nach Hollywood", Hechts Erinnerungen an seine Zeit als Drehbuchautor. Wenn ich richtig informiert bin, handelt es sich bei diesem Buch um eine auf Hechts Hollywood-Erlebnisse eingedampfte Kurzausgabe von "Child of the Century". Beim Perlentaucher kann man sich eine Leseprobe zu Gemüte führen. Ich lege allen Menschen, die hier vorbeikommen, Ben Hecht ans Herz. Ein grandioser Autor, ein absoluter Meister des Schreibhandwerks.

12.8.09

Überarbeitungsweisheit

Diese Weisheit ist nicht auf meinem Mist gewachsen, ich hab keine Ahnung von wem sie stammt, aber ich beherzige sie immer, wenn ich etwas zu lektorieren oder zu überarbeiten habe: "Man kann jeden Text um 100 Prozent besser machen, in dem man mindestens 50 Prozent der Adjektive und Adverbien streicht."

10.8.09

E-Books - In China scheint's loszugehen...

Einen hochinteressanten Artikel über den boomenden E-Book-Markt in China habe ich im Jetzt-Magazin der SZ gefunden. Dort scheinen sich E-Books bei einer völlig neuen Generation von Lesern, den Computerspielern (!) einer schönen Akzeptanz zu erfreuen und über diesen Umweg auf dem Weg in den Mainstream zu sein.
Sicherlich kann man den chinesischen Markt auf Grund seiner schieren Größe (ein Nischen-Erfolg spielt dort schon richtig Geld in die Kasse) nur schwer mit dem hiesigen vergleichen, doch einige Details scheinen mir bemerkenswert.
Zum ersten sind dort E-Books wesentlich preiswerter als ihre gedruckten Pendants (wenn gedruckte Pendants überhaupt existieren). Das ist eine Grundvoraussetzung für den Erfolg von E-Books. Jedem Leser und potenziellen E-Book-Käufer ist klar, dass eine Datei wesentlich preiswerter herzustellen ist als ein gedrucktes Buch, und diesen Preisvorteil muss man an den Leser weitergeben, sonst kommt er sich veräppelt und ausgenommen vor. Das ist eine Tatsache, auch wenn hierzulande einige Verlage mit Marketing-Gesülze versuchen, die Realität zu leugnen.
Zum zweiten, dass dort E-Books für einen speziellen Markt geschrieben und kapitelweise publiziert und vermarktet werden. Offenbar hat die im Artikel genannte Firma "Shanda" das iTunes-Prinzip ("Du musst kein ganzes Album kaufen, du darfst ruhig nur einen Titel des Albums kaufen!") auf E-Books übertragen und bei den Lesern offene Türen eingerannt. Das ist wenig verwunderlich, wenn man sich eine Statistik ins Gedächtnis ruft, die vor ca. einem Jahr Gesprächsthema war: Nämlich dass viele Menschen die Bücher, die sie sich anschaffen, nicht auslesen. Eine unglaublich hohe Zahl von Lesern hört vor dem Schluss auf, sogar bei Whodunits und - unglaublich! - bei Harry Potter. Solchen Menschen kommt die kapitelweise Vermarktung eines Buchs natürlich sehr entgegen.
Und hier sehe ich riesige Möglichkeiten für Autoren und Verlage. Denn ein derartiges Geschäftsmodell schreit natürlich geradezu nach einem Comeback des Fortsetzungsromans. Eine wirklich spannende Geschichte, von der jede Woche eine neue Folge erscheint, die auf einen Höhepunkt hin geschrieben ist und mit einem Cliffhanger endet, der den Leser 7 Tage lang rätseln lässt, wie die Sache wohl weitergeht... das sollte doch mit dem Teufel zugehen, wenn so eine Story nicht eine große und treue Lesergemeinde finden würde.
Und das wird erst der Anfang sein. Wer jetzt Zeit und Ressourcen frei hat, ein paar derartige Geschichten zu entwickeln, wird einen großen Vorteil haben, wenn hierzulande die Verlage die Zeichen der Zeit erkennen. In China sind diese Zeichen schon deutlich zu sehen.

4.8.09

Total-Buyout rechtswidrig

Drei Gerichte haben im letzten halben Jahr Total-Buyout-Verträge, in denen Freie Autoren sämtliche Rechte an ihren Texten an Verlage abtreten müssen, für rechstwidrig erklärt. Ausführlicher steht's hier.
Gleiches müsste dann doch eigentlich für die Buyout-Verträge für Drehbücher gelten, oder?

Ein Leben im "Kulturbetrieb"

Fantastischer Nachruf in der "Achse des Guten". Ja, so ein Leben, das kennt man, genauso läuft's doch beim Dings... und beim... und bei...

3.8.09

Lenz im Interview

Sie haben fast alle bedeutenden Ehrungen erhalten, die man als Autor bekommen kann, aber auch ein paar eigenartige wie Ehren-Alster-Schleusenwärter in Hamburg oder Ehren-Konditor. Ziehen Sie solche Ehrungen an?

Siegfried Lenz:
Zur dänischen Konditor-Ehre bin ich gekommen, weil ich in einer Fernsehsendung einmal gefragt worden bin, ob ich eine Ehrung vermisse. Da habe ich geantwortet: Ja. Ich möchte gerne Ehren-Konditor der dänischen Konditoren-Gesellschaft werden.

Mögen Sie Süßes?

Lenz:
Nein.

Wunderbares Interview mit Siegfried Lenz auf Welt-Online.


Neues Blog: Mehringdamm

Heute durch Zufall entdeckt und gleich in die Blogroll gesteckt: Ekehard Knörers Mehringdamm, hinter dem eine einfache, aber bestechende Idee steckt:
"Über die Straße ist ein Buch-Antiquariat. In einem Regal an der Hauswand werden Bücher umsonst offeriert. Ich nehme eins mit, lese es, so weit ich Lust habe, schreibe hier auf, was mir dazu einfällt, und bringe das Buch dann zurück. Dann kommt das nächste."

Von meiner Wohnung bis zu diesem Antiquariat sind es nur ein paar hundert Meter. Vielleicht bediene ich mich auch mal dort.