13.7.09

Hat mal jemand Feuer?

Vor einiger Zeit habe ich hier schon mal was über Schreiben und Rauchen geschrieben. Da ging es um rauchende Autoren und den Arbeitsrhythmus, den einem die Zigarette vorgeben kann. Wie ist es aber mit rauchenden Figuren?
Früher war es durchaus Geschmackssache, ob man eine seiner Figuren rauchen ließ oder nicht. Rauchen war eine gesellschaftlich vollkommen akzeptable Freizeitbeschäftigung, zu einer gefährlichen Sucht, mit der der Raucher sich und andere gefährdet, ist es erst in den letzten Jahren geworden.
Und so beginnt sich auch das Bild des in Geschichten beschriebenen Rauchers bzw. der Raucherin zu wandeln. Früher griff der Privatdetektiv ganz selbst verständlich zur Zigarette, wenn er die lose herumhängenden Enden seines aktuellen Falls gedanklich verknüpfen wollte. Heute rühren die Detektive in ihrem Café Latte herum, denn die Zigarette ist kein männlich-lässiges Accessoire mehr, sondern signalisiert - möglicherweise - einen schwachen Charakter, der nicht in der Lage ist, sich aus einer Nikotinabhängigkeit zu befreien.
Ähnlich ist es mit den Raucherinnen in Romanen und Kurzgeschichten. Die pflegten sich früher auf Barhockern zu räkeln und pflegten eine Bekanntschaft mit der scheinbar belanglos-üblichen Bitte um Feuer einzuleiten. Ein kurzer Blick in die Augen des Feuerzeug-Besitzers, eine lasziv ausgeblasene Rauchwolke, und zack! hatte der Autor die Situation mit einem vielversprechenden zwischenmenschlich-erotischen Subtext aufgeladen. Heute fragt sich der geplagte Autor, ob seine Leser den Geruch eines Nikotin-Atems tatsächlich als erotisierend empfinden könnten. Und woher sein Protagonist ein Feuerzeug haben soll, weil der sich doch gerade das Rauchen abgewöhnt hat...
Tatsächlich wird - meiner subjektiven Einschätzung nach - in Büchern und Drehbüchern deutlich weniger geraucht als noch vor wenigen Jahren. Ein Humphrey Bogart, der die Zigarette über mehrere Filme hinweg nicht ausgehen ließ, ist heutzutage vollkommen undenkbar bzw. unschreibbar geworden.
Und ich finde das verdammt schade. Denn diesen ganzen politisch korrekten Nichtrauchern, die jetzt die Geschichten bevölkern (von den trockenen Alkoholikern ganz zu schweigen), fehlen oftmals gerade die unkorrekten Ecken und Kanten, aus denen spannende Figuren und Situationen entstehen. Wo bleibt der nikotinabhängige Privatermittler, der nicht nur nach der Lösung seines Falls sondern auch nach Orten sucht, an denen er ungestört rauchen darf? Wo ist die selbstbewusste Femme Fatale, die diesen Namen auch verdient und sich von niemandem das Laster verbieten lässt?

Kommentare:

lokalreporter hat gesagt…

zwischenmenschlich aufgeladener subtext ~/~ sehr schön.. :-)

Achim hat gesagt…

An Peter Falk zu erinnern, Inspektor Columbo, ist nicht unbedingt notwendig, denn den qualmenden Ermittler zeigt SUPER-RTL gerade So - Mo ab 22 Uhr. Schön ist immer, wenn ein Streichholz in Flammen aufgeht. In Erinnerung an Dean Martin, der in Rio Bravo aufgrund zitternder Hände (Alkoholentzug) der Tabak aus dem Blättchen krümelt.

Die heutigen Plastikfeuerzeuge taugen wenig für den Film und würden im Zweifelsfall eine um Feuer bittende Frau vermutlich nicht von der Exklusivität des duch Tabak- und Alkoholkonsums Geschwächten überzeugen.