27.7.09

Was ist komisch?

Vor ca. 15 Jahren habe ich an einem überaus unterhaltsamen und lehrreichen Sitcom-Workshop bei der mittlerweile verstorbenen TV-Comedy-Legende Danny Simon teilgenommen. Danny Simon hatte eine ganz einfache Antwort auf die Frage, wie man eine komische Szene kreiert: "Something must go wrong."



Danny Simon hatte recht.

Im Netz gefunden: Waiblinger über Hölderlin

Der Name Wilhelm Waiblinger sagt sicher nicht jedem etwas. Die Wikipedia immerhin kennt ihn, beginnt den Artikel über Waiblinger jedoch gleich mit einer Art Warnung, dass es wohl dessen herausragendste Leistung war, mit Eduard Mörike und Friedrich Hölderlin befreundet gewesen zu sein.
Seit heute glaube ich, dass man Waiblinger bitter unrecht tut. Durch einen Zufall bin ich auf einen Text im Netz gestoßen, den Waiblinger über Hölderlin verfasst hat, der mich auf Anhieb dermaßen begeistert hat, dass ich ihn sofort komplett verschlungen habe.
"Friedrich Hölderlins Leben, Dichtung und Wahnsinn" sei hiermit nachdrücklich zur Lektüre empfohlen.


Pons.eu

Der Pons-Verlag hat heute ein Online-Wörterbuch gestartet. Die Aufregung im Blätterwald ist groß, von einem Generalangriff auf den Duden ist die Rede. Weil man bei Pons die Rechtschreibung einzelner Wörter gratis überprüfen kann (Pons hofft auf Werbe-Einnahmen), wohingegen der Duden sich die Online-Rechtschreib-Expertise bezahlen lassen will.
Von irgendwelchen Angriffen auf den Duden zu reden ist natürlich hirnrissiger Quatsch. Diese Angriffe wurden vor zwanzig Jahren gefahren, als die Softwarehäuser begannen, ihren Textverarbeitungen immer leistungsfähigere, ausbaubare Rechtschreibprüfungen beizulegen. Ob die Zahl der Menschen, die online einzelne Wörter nachschlagen, tatsächlich so groß ist, dass man mit Werbung oder Bezahl-Systemen Geld verdienen kann, weiß ich nicht. Ich selbst tue das nur in Augenblicken großer Verwirrung oder fortgeschrittener Trunkenheit.
Immerhin, wenn man doch mal schnell nachschlagen will, mit wieviel "f" sich "Schifffahrt" denn nun schreibt, kann man das Pons-Portal durchaus benutzen. Weil es ja tatsächlich nichts kostet. Außerdem findet man auf pons.eu zur Zeit eine Online-Übersetzung in diverse Sprachen (Angriff auf Google?), ein paar weitere - zum Teil noch deutlich im Beta-Stadium befindliche - Anwendungen (Bildwörterbuch, Kalender mit Sprachübungen) und ein Blog zum Thema Fehler in Sprache und Rechtschreibung.
Wenn man den heutigen Blogeintrag verlinkt, wird die Rechtschreibung des eigenen Beitrags geprüft und man kann etwas gewinnen. Aber wohl nur, wenn man unter 1000 Zeichen bleibt. Ich bin schon drüber. Mist.

22.7.09

Einladung zur Buchparty "Eine Kindheit im Weddinger Hinterhof"

Seit ein paar Wochen steht das in unserem Verlag erschienene Erinnerungsbuch "Eine Kindheit im Weddinger Hinterhof" von Eberhard Beetz im Verzeichnis lieferbarer Bücher und ist in den Buchhandlungen erhältlich.
Jetzt wollen wir dieses Buch auch "offiziell" auf den Weg bringen und laden herzlich zu einer Buchparty ein.
Am Sonnabend, dem 25. Juli um 16 Uhr liest der Autor im Hotel Gates, Knesebeckstr. 8-9, 10623 Berlin, einige Passagen aus seinem humorvollen, gelegentlich sarkastischen Memoiren. Anschließend signiert er seine Bücher. Eine kleine Erfrischung steht für die Gäste unserer Buchparty ebenfalls bereit. Der Eintritt ist frei.

20.7.09

Lesung in Berlin: Weites, fernes Land

Am kommenden Donnerstag, dem 23. Juli, um 19 Uhr liest Ursula Gesche, eine Autorin, die in unserem Verlag veröffentlicht, im "Evergreen - Kaufhaus für Lebensweise" in Berlin-Friedenau, Südwestkorso 70, aus ihrem Reisebuch "Weites, fernes Land".
In diesem Buch erzählt die zweiundachtzigjährige Frau Gesche von einer Reise nach Kanada und Alaska. "Weites, fernes Land" ist das zweite Buch, das sie geschrieben hat. Auch ihr erstes Buch, ihre Lebenserinnerungen mit dem Titel "Überwiegend Schönes", ist in unserem Verlag erschienen. Und in einigen Wochen werden wir ihr drittes Werk, einen Roman mit dem Titel "Seines Glückes Schmied" herausbringen.
Frau Gesche und wir freuen uns auf zahlreiche Besucher der Lesung aus "Weites, fernes Land". Der Eintritt ist frei.

Buzz's Buch

Heute vor vierzig Jahren haben die Astronauten der Apollo-11-Mission als erste Menschen den Mond betreten. Statt die Menschen, die dieses Blog lesen, mit irgendwelchen Reminiszenzen zu belästigen, wie ich als zwölfjähriger Junge halb verschlafen mit offenem Mund vorm Fernseher hockte, oder zum hundertfünfzigsten Mal den Mr. Gorsky-Witz, der ein Fake ist, zu erzählen, möchte ich .
"Begegnung mit Tiber" ist ein Science-Fiction-Roman von John Barnes und Buzz Aldrin, ja, genau, dem Buzz Aldrin, der als zweiter Mensch nach Neil Armstrong den Mond betreten hat. Und es handelt sich bei diesem Buch nicht um eine der üblichen Mit-einem-prominenten-Namen-Abzockereien, "Tiber" ist ein richtig spannend geschriebener Erst-Kontakt-Roman, der auf jeder seiner 900 Seiten die Begeisterung für die Raumfahrt förmlich atmet. Grandioses Lesevergnügen, ich hab das dicke Brikett vor zehn Jahren auf einen Hau durchgelesen. Bis morgens um vier. War dann genauso müde wie bei der ersten Mondlandung.
Das Buch gibt's zur Zeit leider nur antiquarisch.

16.7.09

Fauser 65 if...

„Schreiben war gut. Besser als die Gemeinschaft mit Menschen war, über sie zu schreiben, und dann nicht an ihnen haften zu bleiben, sondern weiterzuhüpfen wie die Kugel im Roulettekessel.“ (Jörg Fauser: „Die Tournee“, letzte Seite; 1987)
Heute wäre Jörg Fauser 65 Jahre alt geworden. Über diesen Ausnahmeautor steht einiges im Netz, hier sei erstmal nur auf Matthias Penzels ganz ausgezeichneten Text hingewiesen, sowie auf einen kurzen Fauser-Originalton und einen ebenso kurzen wie wunderschönen Text.

Die letzten Rosen


In den nächsten Stunden taucht ein neues Buch unseres Verlags im Verzeichnis lieferbarer Bücher auf, im Lauf der nächsten Woche sollte man es in jeder Buchhandlung bestellen können. Direkt beim Verlag kann man es natürlich jetzt schon vorbestellen.
"Die letzten Rosen" ist eine Kurzgeschichtensammlung. Renate Loewenberg erzählt von Atze, dem Fuchs, von einem Mann, der eine Schallplatte als Kopfbedeckung trägt, von Notbremsungen und von Keksbüchsen mit ganz besonderem Inhalt: Alltagsgeschichten, die alles andere als alltäglich sind.
Natürlich haben wir, wie immer, für dieses Buch eine eigene Seite auf der Verlags-Website eingerichtet.

14.7.09

Buchempfehlungen zum Thema Schreiben

In "More Intelligent Life" finde ich heute eine Empfehlung für drei Bücher, die Kreatives Schreiben lehren: Stephen King "On Writing", Anne Lamott "Bird by Bird" und Natalie Goldberg "Writing Down the Bones".
Mit der King-Empfehlung gehe ich hundertprozentig konform, meiner Meinung nach ein ausgezeichnetes, hilfreiches Buch. "Bird By Bird" kenne ich nicht und mit den Büchern von Mrs. Goldberg habe ich... gelegentlich gewisse Schwierigkeiten.
Auf meiner Liste hätten noch Larry Beinhart "Crime - Kriminalromane und Thriller Schreiben" und - natürlich - Patricia Highsmith "Suspense oder wie man einen Thriller schreibt" gestanden, beides enorm unterhaltsame und lehrreiche Bücher, die weit über das Spannungs-Genre hinaus reichen.

13.7.09

Hat mal jemand Feuer?

Vor einiger Zeit habe ich hier schon mal was über Schreiben und Rauchen geschrieben. Da ging es um rauchende Autoren und den Arbeitsrhythmus, den einem die Zigarette vorgeben kann. Wie ist es aber mit rauchenden Figuren?
Früher war es durchaus Geschmackssache, ob man eine seiner Figuren rauchen ließ oder nicht. Rauchen war eine gesellschaftlich vollkommen akzeptable Freizeitbeschäftigung, zu einer gefährlichen Sucht, mit der der Raucher sich und andere gefährdet, ist es erst in den letzten Jahren geworden.
Und so beginnt sich auch das Bild des in Geschichten beschriebenen Rauchers bzw. der Raucherin zu wandeln. Früher griff der Privatdetektiv ganz selbst verständlich zur Zigarette, wenn er die lose herumhängenden Enden seines aktuellen Falls gedanklich verknüpfen wollte. Heute rühren die Detektive in ihrem Café Latte herum, denn die Zigarette ist kein männlich-lässiges Accessoire mehr, sondern signalisiert - möglicherweise - einen schwachen Charakter, der nicht in der Lage ist, sich aus einer Nikotinabhängigkeit zu befreien.
Ähnlich ist es mit den Raucherinnen in Romanen und Kurzgeschichten. Die pflegten sich früher auf Barhockern zu räkeln und pflegten eine Bekanntschaft mit der scheinbar belanglos-üblichen Bitte um Feuer einzuleiten. Ein kurzer Blick in die Augen des Feuerzeug-Besitzers, eine lasziv ausgeblasene Rauchwolke, und zack! hatte der Autor die Situation mit einem vielversprechenden zwischenmenschlich-erotischen Subtext aufgeladen. Heute fragt sich der geplagte Autor, ob seine Leser den Geruch eines Nikotin-Atems tatsächlich als erotisierend empfinden könnten. Und woher sein Protagonist ein Feuerzeug haben soll, weil der sich doch gerade das Rauchen abgewöhnt hat...
Tatsächlich wird - meiner subjektiven Einschätzung nach - in Büchern und Drehbüchern deutlich weniger geraucht als noch vor wenigen Jahren. Ein Humphrey Bogart, der die Zigarette über mehrere Filme hinweg nicht ausgehen ließ, ist heutzutage vollkommen undenkbar bzw. unschreibbar geworden.
Und ich finde das verdammt schade. Denn diesen ganzen politisch korrekten Nichtrauchern, die jetzt die Geschichten bevölkern (von den trockenen Alkoholikern ganz zu schweigen), fehlen oftmals gerade die unkorrekten Ecken und Kanten, aus denen spannende Figuren und Situationen entstehen. Wo bleibt der nikotinabhängige Privatermittler, der nicht nur nach der Lösung seines Falls sondern auch nach Orten sucht, an denen er ungestört rauchen darf? Wo ist die selbstbewusste Femme Fatale, die diesen Namen auch verdient und sich von niemandem das Laster verbieten lässt?

6.7.09

Wo bleibt das E-Book?

Soeben im Perlentaucher-Blog entdeckt: ein schöner, lesenswerter Artikel über E-Books und die Zukunft von Büchern im Internet. Ein Artikel, der mir aus der Seele spricht, denn ich kann es gar nicht abwarten, bis endlich(!) hierzulande ernstzunehmende E-Book-Angebote auf dem Markt erscheinen werden.
Natürlich habe ich nichts gegen "richtige" Bücher. Im Gegenteil, ich freue mich jedesmal, wenn ich ein neues Buch in die Hand nehme, das Knistern von Seiten höre, die zum ersten Mal umgeblättert werden, den verheißungsvollen Geruch, den das "frische" Papier verströmt.
Nur: das muss ich nicht bei jedem Buch haben, das ich lese. Dieses Posting zum Beispiel schreib ich aus dem Urlaub heraus. Und ein gelungener Urlaubstag ist für mich erst einer, an dem ich zwei-, drei-, vierhundert Seiten möglichst aktuellen Reißer/Thriller/Krimi-Lesestoff verschlungen hab. Kiloweise schleppen wir diese Bücher immer mit in den Urlaub, und lassen sie dann in der Leseecke des jeweiligen Hotels wieder stehen. Und dieses Jahr durften wir uns nicht nur mit den Bücherkilos abschleppen, wir mussten sogar der Lufthansa Übergepäck-Gebühr in den gierigen Rachen werfen. Wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte, statt einem halben Koffer voller schwerer Bücher ein kleines Kästchen mit gut lesbarem Display mitzunehmen, das ein paar tausend Seiten speichern kann... Ja, ich wäre doch bescheuert, wenn ich das nicht tun würde. Bzw. tun möchte, denn hierzulande gibt es nach wie vor kein Ernst zu nehmendes E-Book-Angebot.
Das müsste aus einem preiswerten (!) E-Book-Reader bestehen, und aus einem möglichst umfassenden Angebot von Lektüre, die preislich deutlich unter den anderen Print-Varianten liegt, denn natürlich lassen sich E-Books deutlich preiswerter herstellen und vertreiben als gedruckte Bücher, egal, was für einen Schwachsinn etablierte Verlage zu diesem Thema heraustrompeten. Ja, und natürlich möchte ich neue E-Books direkt auf den Reader runterladen und mit irgendeinem gescheiten E-Payment-System bezahlen können. Zusätzlich zum E-Book-Reader noch einen Notebook herumtragen und den Reader wegen jedem Pipifax daran anschließen müssen ist einfach bloß lästig.
Und auch proprietäre Formate wie die, die auf dem Kindle von Amazon laufen, können nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Ich möchte die E-Books kaufen, die mich interessieren, und nicht die, die ein bestimmter Anbieter für mich bereithält.
Okay, in ein paar Tagen ist mein Urlaub vorbei. Dieses Jahr hat kein E-Book-Anbieter mit mir ein Geschäft gemacht. Darf ich hoffen, dass ich nächstes Jahr mit leichterem Gepäck reisen kann? Oder wenigstens übernächstes?


4.7.09

Und am Anfang... auf keinen Fall das Wetter!

"Heftig prasselte der Regen auf die Straße, dass die Tropfen in den Pfützen tanzten..."
"Es war der heißeste Tag des Jahres. Kein Lufthauch regte sich..."
"Der Himmel war von makellosem Blau. Weit entfernt, am Horizont, konnte man allerdings einige erste dunkle Wolken ausmachen..."
So fangen viele Texte an, die als unverlangt eingesandte Manuskripte im Posteingang von Verlagen landen. Und alle diese Texte, die mit einer knappen Schilderung der aktuellen Wetterlage anfangen, haben eines gemeinsam: Sie landen sofort im Postausgang (wenn ein frankierter Rückumschlag beigelegt wurde) oder im Papierkorb (wenn besagter Rückumschlag nicht beiliegt). Wenn ein Text mit einem Wetterbericht anfängt, ist dass für einen Lektor ein beinahe hundertprozentig sicheres Zeichen dafür, dass der Text von einem Anfänger stammt, der das schreiberische Handwerk (noch?) nicht beherrscht.
Die Aufgabe des Textanfangs ist es, den Leser möglichst schnell in die Story hineinzuziehen, ihn zu fesseln, zum Weiterlesen zu bewegen. Dafür eignet sich ein Wetterbericht nun gar nicht. Was als unverbindliche Smalltalk-Eröffnung hervorragend funktioniert, funktioniert auf Buchseiten überhaupt nicht. Was ist an einer vergangenen bzw. fiktiven Wetterlage spannend? Was könnte einen Leser an Schäfchenwolken vor blauem Himmel so faszinieren, dass er fieberhaft die Seite umblättert? Nichts.
Gut. Sicher gibt es - wenige - Ausnahmen. Aber meistens zeigt der Wetterbericht dem Lektor, dass hier ein Autor am Werk ist, der sich nicht hundertprozentig sicher ist, wovon sein Text handelt und deshalb versucht, sich über Smalltalk in seine Story hineinzuschwafeln. Und schon ist klar: Ein Text, der so anfängt, ist nicht ausgereift. Und solche Texte braucht man gar nicht erst einzuschicken.
Ein guter Text fällt mit der Tür ins Haus. Mit dem, was wichtig ist. Mit dem, was den Leser begeistern soll. Und das ist in 99,999999% der Fälle nicht das Wetter.

2.7.09

"Die Vorleser" nebst 4. Neuzugang in der Blogroll "Literaturcafé"

Im Literaturcafé stehen neue Informationen über die Heidenreich-Nachfolge-Literatursendung im ZDF: "Die Vorleser".
Obwohl ich mir denken kann, wie's gemeint ist, finde ich den Titel mehr als unglücklich: meine erste Assoziation bei "Vorleser" ist "Aha, es geht um Hörbücher!", meine zweite ist das Buch von Bernhard Schlink. Na gut, sollte der Titel alles sein, was ich an der Sendung zu meckern haben werde, dann dürfte das ZDF mit "Die Vorleser" einen Erfolg landen. Trotz des Titels.
Und, wo ich gerade dabei bin, tu ich das Literaturcafé noch schnell in die Blogroll. Eine streitbare, lesenswerte Website rund ums Lesen und Schreiben.

Genres, Regeln und Regelverstöße

Wenn man sich entscheidet, in einem bestimmten Genre zu schreiben, entscheidet man sich zunächst einmal dafür, die Regeln dieses Genres zu akzeptieren. In Science-Fiction-Romanen wird nicht gezaubert, in Fantasy-Romanen landen keine Aliens und in klassischen Whodunits, die auf dem Land in England spielen, finden keine brutalen Feuergefechte rivalsierender Gangstergruppen statt.
Diese Regeln, die es für jedes Genre gibt, sind nicht von irgendeiner Kommission aufgestellt worden, sondern ergeben sich aus den Erwartungen der Leser dieser Genres und Sub-Genres. Ein Beispiel: Ein mir sehr nahestehendes Familienmitglied ist süchtig nach Whodunits, in denen altjüngferliche Hobby-Ermittlerinnen mit (gern vor historischem Hintergrund) komplizierte Mordfälle aufdecken. Jeder kennt diese Romane, in denen es mehr um die Schrullen der beteiligten Personen als um den eigentlichen Kriminalfall geht. Das mir nahestehende Familienmitglied ist sehr streng, was die Einhaltung der Regeln dieses Genres betrifft. Vor allen Dingen darf nicht zu viel Blut fließen und die liebgewonnenen Heldinnen dürfen keiner allzu akuten Bedrohung ausgesetzt werden. Wagt ein Autor (bzw. in diesem Genre meist eine Autorin) sich zu sehr in den action- und spannungsorientierten Grenzbereich, klappt das mir nahestehende Familienmitglied das Buch zu und kauft kein weiteres dieser Autorin. Punkt. Genre-Fans sind streng. Und sie wissen, wo sie Autoren am empfindlichsten treffen können: an der Brieftasche.
Und doch machen sie hin und wieder einmal Ausnamen (ausser das mir sehr nahe stehende Familienmitglied). Ich z. B. bin Thriller-Fan und schätze besonders die stilreinen Romane dieses Genres, also die, die sich an der klassischen Thrillerdefinition "Der Protagonist wird Opfer einer Verschwörung und deckt dieselbe auf" orientieren.
Was in diesem Genre normalerweise gar nicht funktioniert, ist die Arbeit mit mehreren Protagonisten. Wenn mehrere Leute sich an der Aufdeckung einer Verschwörung beteiligen, ist der Reiz des "against all odds" weg, wie ihn zum Beispiel Robert Ludlum in der "Bourne Identität" meisterhaft benutzt: Am Anfang der Geschichte fängt der Protagonist buchstäblich bei Null an. Er wird nackt und verwundet aus dem Meer gezogen, sogar sein Gedächtnis hat er verloren, und am Ende triumphiert er über einige der mächtigsten Organisationen der Welt: ganz großes Popcorn-Buch. Und je weniger Hilfe der Protagonist in so einer Story bekommt, um so befriedigender ist die Lektüre, wenn er es schließlich doch schafft.
Dass es mit mehreren Protagonisten (und mit weiteren Regelverstößen) doch sehr gut funktionieren kann, habe ich jetzt bei der Lektüre von "Das Imperium der Wölfe" von Jean-Christophe Grangé gelernt. Grangé wechselt nicht nur zwischen mehreren Protagonisten mehrfach hin und her, er lässt sie - Thriller-Todsünde! - auch ziemlich grausame Tode sterben und überlässt die endgültige Auflösung der (Rache-) Geschichte einer Nebenfigur... Grangé lässt also von der klassischen Thriller-Formel praktisch nichts mehr übrig, und trotzdem funktioniert seine Geschichte auch und gerade als Thriller ausgezeichnet: weil er die Regeln mit Grund und nicht aus einer Laune heraus bricht. Weil er einen stimmigen Plot konstruiert hat, der es zwingend (logisch und moralisch) erfordert, dass am Ende keiner der Protagonisten und Antagonisten mehr am Leben ist (Der Roman hat übrigens ein anderes Ende als die Verfilmung).
Beim ersten Protagonistenwechsel hab ich die Nase gerümpft, am Schluss war ich begeistert. Eine erstklassige Thriller-Geschichte, die gerade durch raffinierten Regelbruch Thriller-Geschichte geschrieben hat.

Keine Fänger-Fortsetzung

Vor ein paar Wochen habe ich über die Klage geschrieben, die J. D. Salinger gegen eine Fortsetzung seines Klassikers "Der Fänger im Roggen" angestrengt hat. Mittlerweile ist der Fall verhandelt worden, ein New Yorker Gericht hat die Fortsetzung untersagt.
Mein Mitgefühl mit dem Autor der abgewürgten Fortsetzung hält sich in Grenzen.

1.7.09

Blogroll - 3. Neuzugang: Immy and the City

Gerade beim Surfen entdeckt: "Immy and the City - das traurigste Doku-Blog der Welt". Ein Blog über die - wen wundert's - schwierige Suche nach einem Verlag für eine Graphic Novel.
Ein äußerst lesenswertes, durchaus emotional geschriebenes Blog über eine frustrierende Verlagssuche, das eben nicht mit dem weinerlichen Ton des angeblich unverstandenen Künstlers daher kommt. Hier hat jemand ein hochprofessionelles Package (sieht man mal vom ohne Zoom sehr schwer zu lesenden Text der Leseprobe ab), geht die richtigen Wege, holt sich erwartbar die blutige Nase und... macht weiter, bemüht sich, noch professioneller zu werden. Tolles Projekt, tolles Blog, willkommen in meiner Blogroll!
Ich drücke beide Daumen, fürchte aber, dass es schwierig bleiben wird. Ein Verlag müsste unbekanntes Terrain beschreiten, um dieses - auf den ersten Blick faszinierende - Projekt zu realisieren. Und damit tut sich hierzulande kein Verlag leicht.