5.6.09

Der Kläger im Roggen

Es stand in allen Zeitungen: J. D. Salinger hat einen anderen Autor verklagt, der für ein eigenes Buch Holden Caulfield benutzt hat, den Protagonisten aus "Der Fänger im Roggen", nachlesen kann man die Details u. a. hier.
Als ich davon las, dachte ich unwillkürlich: "Wie engstirnig!" Para-Literatur ist hunderte von Jahren alt, da ist doch nichts dabei, wenn man eine Figur eines Kollegen nimmt und mit der ein wenig vor sich hinfantasiert...
Aber dann dachte ich "Was wäre eigentlich, wenn das jemand mit einer deiner Figuren macht? Vor allen Dingen, wenn das jemand täte, den du nicht leiden kannst oder für einen miesen Schriftsteller hältst?" Auf dieseselbstgestellte Frage konnte ich dann nicht anders als "Natürlich würde ich das mit allen Mitteln zu verhindern versuchen."
Zumindest bei den Figuren, die ich mit "heißem Herzen" geschrieben habe. Was aus den Gestalten wird, die durch die eher ungeliebten Auftragsarbeiten geisterten, ist mir einigermaßen Mumpe, aber wenn sich jemand an Pachowiak vergriffe? An Addi undFritze? An Prinz und Charlie? Würde irgendjemand seine Kinder mit einem Fremden, den er kaum oder gar nicht kennt, auf eine Reise ins Unbekannte schicken? Nee. Das geht gar nicht.
Wenn ich mich für ein eigenes Projekt beim Werk eines lebenden Autors bedienen möchte, dann habe ich denjenigen selbstverständlich um Erlaubnis zu fragen. Und wenn er mir die nicht erteilt, dann muss ich mein Projekt in die Tonne treten, so schwer mir das möglicherweise auch fällt.
Das Urheberrecht schützt den Autor. Auch vor seinen Kollegen.

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