28.6.09

Zettelkasten

Vor zwei Jahren habe ich hier ein Posting reingeschrieben, in dem es um die Organisation meiner Notizen ging. Darin bekannte ich mich - trotz Computern, Datenbanken, Creative-Writing-Programmen usw. - zum guten alten Zettelkasten. Und in den zwei Jahren, die seitdem verstrichen sind, hab ich nichts gefunden, was bei der Arbeit unkomplizierter und schneller funktionieren würde, als meine Zettelkästen.
Heute hat mich ein Freund via Facebook auf ein hochinteressantes youtube-Video zum Thema Zettelkasten aufmerksam gemacht. Das möchte ich den hier mitlesenden Notizenmachern und -sortierern nicht vorenthalten.

26.6.09

Blogroll - 2. Neuzugang: More Intelligent Life

Seit Jahrzehnten schlage ich die Zeitungen, die ich regelmäßig lese zuerst beim Feuilleton auf, denn dort steht immer das, was mich in der Zeitung am meisten interessiert: im Idealfall eine bunte, aktuelle Mischung aus den Bereichen Kultur und Artverwandtes. Was ich vom Feuilleton erwarte: Es soll mich überraschen, mir Anreize bieten, über meinen eigenen Tellerrand zu gucken und mit dem Gedanken "Das ist ja interessant!" anzufangen, Artikel über Dinge zu lesen, die mich bis dato gar nicht interessiert haben.
Diese Eigenschaft des Bunten, Vielfältigen, Überraschenden ist den Feuilletons vieler deutscher - und internationaler - Zeitungen in den letzten Jahren abhanden gekommen. Oftallzuoft finde ich im Feuilleton eine vorhersehbare Mixtur aus Rezensionen, Meinungen und Besinnungsaufsätzen, in denen Redakteure wie Brummkreisel um die eigenen, eingefahrenen Denkmuster kreiseln. Schade, denke ich dann, und wende mich den anderen Ressorts zu.
Ein Feuilleton aber ragt turmhoch über alle anderen hinaus. Das ist das programmatisch betitelte "Intelligent Life", ein vierteljährlich erscheinendes Magazin des Economist. Hier finde ich haargenau diese Mischung von Themen, die einen kulturell interessierten Menschen interessieren könnten.
Und "Intelligent Life" steht als "More Intelligent Life" im Internet. Hier werden peu á peu die Artikel der jeweils aktuellen Ausgabe veröffentlicht, hier erscheinen aber auch zahlreiche Beiträge exklusiv online. Und beinahe jeder lohnt das Lesen. Wie zum Beispiel der, der gerade eben meine Gehirnzellen in Bewegung gebracht hat: "Warum wir alle Autoren geworden sind"

23.6.09

Blogroll - 1. Neuzugang New York Times Book Review

Ab heute fang ich an, eine vernünftige Blogroll zum Thema Schreiben/Lesen/Veröffentlichen anzulegen. Ich liste nur die Blogs, die ich regelmäßig mit Genuß lese. Wer meint, dass ich ihn überlese, kann mir eine Mail schicken.
Der erste Platz in der neugeschaffenen Blogroll (rechts in der Sidebar, unter den Links zu meinen anderen Seiten) gebührt dem in jeder Hinsicht schönsten Blog zum Thema Buch, das ich kenne: der Book Design Review von der New York Times. Vordergründig geht es hier um Buchcover. In Wirklichkeit geht es um Ideen und ihre Vermittlung. Also um das, was Bücher sein sollten.
Ich freue mich auf jedes neue Posting.

18.6.09

Dialoge wie Rennwagen

Gute Filmdialoge sind wie Rennwagen: sie werden auf Gewicht optimiert, d.h. sie werden soweit abgespeckt und verknappt, bis nur noch soviel übrig ist, um über die Ziellinie zu kommen. Ein wunderbares Beispiel für die durch äußerste Verknappung entstehende Lakonie findet sich im gerade eben anlaufenden Thriller "State of Play". Ein Journalist spricht einen Polizisten an:

"I heard a young woman was murdered".
"Who told you that?"
"You just did."

Hier der ganze Trailer. Scheint ein sehr guter Film zu sein.

16.6.09

Wer soll das alles lesen?

Und gleich noch ein Lesetipp: Über die Mengen an Text, die uns täglich scheinbar überfluten, hat Peter Glaser für die Berliner Zeitung einen sehr schönen, kenntnisreichen (!) Artikel geschrieben.

Die Zwei

Was für eine tolle Idee: Giesbert Damaschke hat einen Blog aufgesetzt, in dem er den Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe in Echtzeit (!) wiederveröffentlicht. Am 13. Juni hat er begonnen, den letzten Brief können wir also Ende 2020 erwarten (für die ungeduldigeren Fans der Klassiker gibt es ja diverse Ausgaben der Briefe).
Interessant an Damaschkes Projekt ist für mich, dass man die Kommunikation zwischen den beiden Literatur-Helden auf einer für unsere Verhältnisse total entschleunigten Zeitlinie miterleben kann: damals war es normal, z. T. wochenlang auf Antwort zu warten. Wenn man diese Antwort las, hatte man also selbst die diskutierten Themen schon längst weitergedacht, hatte neue Dinge erlebt, den eigenen Standpunkt revidiert... ein solcher Briefwechsel muss also auch Gelegenheit geboten bzw. gefordert haben, den eigenen Standpunkt des öfteren zu hinterfragen, neu zu überdenken oder gar zu revidieren. Das verspricht ein Leseerlebnis, auf dass ich sehr gespannt bin.
Hier geht's zum Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe.

14.6.09

Scheckbücher und Tagesspiegel

Alle paar Wochen gibt es einen sehr guten Grund, in die Sonntagsausgabe des Tagesspiegel zu schauen. An den Sonntagen, an denen zu sehr später Stunde (Schande über dich, ARD!) Denis Schecks Literatursendung "druckfrisch!" zu sehen ist, ist Scheck auch im Kulturteil des Tagesspiegel zu lesen. Dort nimmt er sich unter dem Titel "Aufgeschlagen Zugeschlagen" die jeweiligen Nummern 1 bis 10 der aktuellen Bestsellerliste (Belletristik und Sachbücher im Wechsel) vor, und das ist jedesmal eine bereichernde Lektüre. Bücher, die Scheck empfiehlt, kann man meiner Erfahrung nach unbesehen kaufen, wenn man sich denn für das Thema interessiert, und Bücher von denen er abrät... die kauft man natürlich nicht, aber Schecks Kurzverrisse in dieser Kolumne kommen so herrlich bösartig auf den Punkt, dass ich in der U-Bahn schon mehrmals durch lautes Lachen aufgefallen bin, wenn mich eine Scheck'sche Pointe erwischte.
Und, wo wir beim Tagesspiegel sind: Liebe Leute, einmal in der Woche, am Sonntag, macht ihr eine (!) Literaturseite. Heute rezensiert ihr gerade mal drei (!) Bücher und ein paar Zeitschriften. Das ist ziemlich arm. Trotz der zehn Scheckbücher.

11.6.09

Lesung in Berlin: Das Kamel in meinem Garten

Am 20. Juni liest der Berliner Autor Meinhard Schröder liest an den Kamelhaaren herbei gezogene Geschichten, Gedichte und Gerüchte – über sich und seine Vorfahren, über die Frauen, due Kinder die Mäuse, den goldenen Gartenzwerg und die Welt. Dabei wird er von Leonie Kauer am Akkordeon begleitet.
Die Texte, die Schröder liest, stammen aus "Das Kamel in meinem Garten", einem Buch, das in unserem Autorenverlag erschienen ist.
Textprobe: „Das gemeinsame Waschen schmutziger Wäsche markiert nach den Soziologen Kaufmann und Kaufmann die eigentliche Paarbildung. Weit verbreitet ist der Glaube, dass zur Trennung eines Paares das Waschen schmutziger Wäsche gehört. Genau genommen ist das falsch. Soziologisch beginnt die Trennung erst mit der Trennung der schmutzigen Wäsche. Nur die Benutzung der noch gemeinsamen Waschmaschine durch die beiden Teile des zerstrittenen Paares ist erlaubt. Würden sich aber deren Wäschestücke in der Trommel berühren, so wäre die Anerkennung des Trennungsjahres in Gefahr.“
Die Lesung findet in der Historischen Dorfaue, Alt-Heiligensee 67, 13509 Berlin statt. Der Eintritt beträgt 10,– (ermäßigt 7,–) €.
Info & Reservierung unter Tel.: 030/43 66 27 07 oder per Mail info(at)kulturfrosch.de

10.6.09

NaNoWriMo 09: Wie ein Weltmeister

Vor ein paar Tagen hab ich noch geschrieben, dass ich noch nicht wüsste, was ich dieses Jahr beim "National Novel Writing Month" (Jedes Jahr im November versuchen Autoren rund um den Globus, in 30 Tagen einen Roman von mindetens 50.000 Zeichen zu schreiben, näheres auf der NaNoWriMo-Website), und im letzten Jahr hab ich mich ja auch erst 3 Wochen vor dem Startschuss für eine Hardboiled-Private-Eye-Story entschieden, aus der dann "Der Fänger im Beton" wurde. Wie das Schicksal so spielt: vorgestern schob ich ein paar Story-Ideen in meinem Hinterkopf hin und her, wühlte in ein paar unordentlich aufbewahrten Zeitungsausschnitten und fand einen Artikel über ein Entführungsopfer, das sich hartnäckig weigerte, zu sagen, wer es wohin entführt hatte, während ich gleichzeitig ein Schachproblem zu lösen versuchte, und plötzlich passten all die disparaten Teile in meinem Kopf zusammen und formten sich zu einem neuen Fall für Bruno Pachowiak.
Wieder wird ein junger Mensch in existenzieller Not sein, wieder wird Bruno Pachowiak auf einen rücksichtslosen, scheinbar übermäßigen Gegner treffen und natürlich wird Bruno seinem Motto: "Warum umständlich Türen benutzen, wenn man auch direkt durch die Wand gehen kann?" nicht untreu werden.
Natürlich stehe ich noch am Anfang der Story-Entwicklung, aber die Grundstruktur steht bereits. Der Herausforderer des Schachweltmeisters, ein 14jähriges Wunderkind namens Wassili, wird während des Matches entführt, taucht aber nach zwei Tagen unbeschadet wieder auf. Der Junge weigert sich zu sagen, was während der Entführung geschehen ist, nimmt das Match wieder auf und beginnt, zu verlieren. Wassilis Vater engagiert Pachowiak, der es zunächst nicht schafft, Wassilis Vertrauen zu gewinnen und den Fall von einer anderen Richtung aufrollen muss.
Der Arbeitstitel des Romans ist "Wie ein Weltmeister".
Das Thema der Geschichte ist das Streben nach Erfolg.
Die (derzeitige) Logline der Story: Bruno Pachowiak, ein hartnäckiger, gewalttätiger Privatdetektiv verhindert einen Wettbetrug bei einer Schachweltmeisterschaft und hilft einem 14jährigen Wunderkind bei seinen ersten Schritten im Erwachsenenleben.
Während ich diese paar Zeilen geschrieben habe, sind mir schon wieder ein paar Figuren und Szenen eingefallen. Ich glaube, die Geschichte wird vielen Leuten Spaß machen, mir, Pachowiak und allen, die sie lesen werden. Ich freu mich jetzt schon auf den November.

9.6.09

Eine Kindheit im Weddinger Hinterhof


Heute haben wir ein schönes neues Buch auf den Weg gebracht: "Eine Kindheit im Weddinger Hinterhof" von Eberhard Beetz. Die Druckdateien sind hochgeladen, die Einträge im Verzeichns lieferbarer Bücher sind vorgenommen und auf der Verlagsseite haben wir die übliche Buchseite eingerichtet. In wenigen Tagen sollte das Buch in jeder Buchhandlung bestellbar sein. direkt beim Verlag kann man es natürlich jetzt schon vorbestellen.

Der Klappentext:
Der Berliner Autor Eberhard Beetz veröffentlicht mit dem vorliegenden Band seine Kindheitserinnerungen. Beetz erzählt mit großem Einfühlungsvermögen und prallem Humor. Dabei spannt er den Bogen von der Nazi-Zeit und den Schrecken des 2. Weltkriegs über die Berliner Trümmerjahre bis zu den Kindertagen der deutschen Demokratie. Ihm ist ein Geschichtsbuch voller Menschlichkeit und Wärme gelungen, das den Leser in seinen Bann ziehen wird.
Ein Zitat:
Es war der 1. Juli 1945. Die Sonne schien schon am frühen Morgen klar vom blauen Himmel, als wir mit Hilfe von Herrn Graf den kleinen Wagen, auf dem sich unsere gesamte Habe befand, aus der Scheune zogen und ihn auf der Dorfstraße abstellten. Herr Graf und seine Frau begleiteten uns nach draußen und beide hatten sie Tränen in den Augen. Schließlich erschien Major Dimitri in voller Uniform. Er trat auf jeden von uns zu und umarmte uns fest. Dann sagte er: „Wenn mir jemals einer gesagt hätte, ich würde einen Deutschen umarmen, ich hätte ihn für verrückt erklärt.“
Demnächst wird es natürlich noch eine Buchpräsentation in Berlin geben. Ich sag rechtzeitig Bescheid.

Nirvana

Eben zufällig entdeckt: Begeisternde Miniatur von Ben Hecht. Ursprünglich war die Story ein Beitrag für Hechts legendäre Kolumne "1001 Afternoons in Chicago". Nirvana hat man in fünf bis zehn Minuten gelesen. Der Text und vor allen Dingen der wunderschön komponierte Schluss hallen jedoch ganz schön lange nach.

8.6.09

Autoren müssen bezahlt werden

Harlan Ellison ist ein brillanter Autor, der sich vehement dafür einsetzt, dass professionelle (!) Autoren für ihre Arbeit adäquat bezahlt werden.



Selbstverständlich bin ich der gleichen Ansicht wie Mr. Ellison und bitte um Beachtung für die Protextbewegung, deren Banner sich ab sofort in der Sidebar dieses Blogs befindet.

7.6.09

Personal Update 07.06.09

Da ich ja nicht nur Allgemeinplätze über das Handwerk des Schreibens vor mich hinonkle, sondern dieses Handwerk auch recht aktiv betreibe, werde ich ab sofort in unregelmäßigen Abständen einen knappen Überblick über meine derzeit aktuellen Projekte und Pläne geben. Vielleicht interessiert es ja jemanden.
  • Ich arbeite an der Rohfassung eines Musical-Librettos mit dem Arbeitstitel "2012".
  • Ein weiteres Theaterprojekt für die Mindener Museumsbahn (auf der im letzten Jahr der "Mörderexpress" gespielt wurde) existiert als Exposé und wird im September zur Aufführung kommen. In den nächsten Tagen beginne ich mit einem ausführlicheren Treatment.
  • Auf dieser Schiene (Wortspiel! Ha! Ha!) habe ich noch ein weiteres Exposé in der Pipeline, das eventuell im nächsten Jahr realisiert werden soll. Die Finanzierung ist allerdings noch ungewiss, ich gebe dem Exposé gerade den letzten Schliff.
  • In der nächsten Woche muss ich noch eine Filmkritik über den neuen Chabrol zu Papier bringen.
  • Im November will ich - wenn meine Zeit es erlaubt - wieder am National Novel Writing Month teilnehmen. Ich fange an, mir Gedanken zu machen, was für einen Roman ich schreiben werde: eine neue Bruno-Pachowiak-Geschichte, oder doch lieber eines von den seit langem im Hinterstübchen gehegten Projekten?
  • Nebenbei und nur zum Spaßvergnügen schreibe ich in drei Blogs herum: hier, in meiner Netzecke und im Exyl.

5.6.09

Ken Follett 60

Ken Follett, der grandiose Handwerker, der den Thriller genauso perfekt schreibt wie den historischen Roman, wird heute sechzig. In der FAZ steht eine schöne Würdigung.
Wer schreibt oder sich für das Autorenhandwerk interessiert, sollte zur Feier des Tages vielleicht "Eisfieber" zur Hand nehmen. Im Prinzip müsste jeder Lektor, der sein Gehalt wirklich verdient, wie ein Aasfresser über dieses Buch herfallen: an den Haaren herbeigezogene, zufallsgesteuerte Handlung, kurioser Genre-Mix aus Thriller, Familiengeschichte, Lovestory und noch ein paar zerquetschten, zum Teil komplett unglaubwürdige "cardboard characters" (Daisy!) ... diese hanebüchene Story ist ganz eindeutig ein totgeborenes Kind!Es sei denn, ein Meister wie Follett schreibt sie, jemand, der die Regeln so gut beherrscht, dass er sie nach Belieben brechen kann. Chapeau, Mr. Follett. Und... wo bleibt das nächste Buch?

Der Kläger im Roggen

Es stand in allen Zeitungen: J. D. Salinger hat einen anderen Autor verklagt, der für ein eigenes Buch Holden Caulfield benutzt hat, den Protagonisten aus "Der Fänger im Roggen", nachlesen kann man die Details u. a. hier.
Als ich davon las, dachte ich unwillkürlich: "Wie engstirnig!" Para-Literatur ist hunderte von Jahren alt, da ist doch nichts dabei, wenn man eine Figur eines Kollegen nimmt und mit der ein wenig vor sich hinfantasiert...
Aber dann dachte ich "Was wäre eigentlich, wenn das jemand mit einer deiner Figuren macht? Vor allen Dingen, wenn das jemand täte, den du nicht leiden kannst oder für einen miesen Schriftsteller hältst?" Auf dieseselbstgestellte Frage konnte ich dann nicht anders als "Natürlich würde ich das mit allen Mitteln zu verhindern versuchen."
Zumindest bei den Figuren, die ich mit "heißem Herzen" geschrieben habe. Was aus den Gestalten wird, die durch die eher ungeliebten Auftragsarbeiten geisterten, ist mir einigermaßen Mumpe, aber wenn sich jemand an Pachowiak vergriffe? An Addi undFritze? An Prinz und Charlie? Würde irgendjemand seine Kinder mit einem Fremden, den er kaum oder gar nicht kennt, auf eine Reise ins Unbekannte schicken? Nee. Das geht gar nicht.
Wenn ich mich für ein eigenes Projekt beim Werk eines lebenden Autors bedienen möchte, dann habe ich denjenigen selbstverständlich um Erlaubnis zu fragen. Und wenn er mir die nicht erteilt, dann muss ich mein Projekt in die Tonne treten, so schwer mir das möglicherweise auch fällt.
Das Urheberrecht schützt den Autor. Auch vor seinen Kollegen.