2.2.09

Im Turm auf halber Treppe umgekehrt

Gestern abend war es soweit. Ich hatte Seite vierhundertpaarundfuffzich von Uwe Tellkamps "Der Turm" gelesen und wollte gerade umblättern, da fragte ich mich: "Wirklich nochmal soviel?" (Ja, is 'ne dicke Schwarte), und da ich gerade in Selbstgesprächen Fragen ungern im Raum stehen lasse, antwortete ich "Nö. Muss nicht sein.", klappte den Wälzer zu und warf ihn in die Ecke legte ihn auf den Nachtisch.
Und ich bin kein bißchen traurig darüber, dass ich diesen Meilenstein der Nachkriegsliteratur vorläufig nicht durchgelesen haben werde. Nicht, weil es schlecht wäre, um Himmelswillen, im Gegenteil! "Der Turm" ist - jedenfalls wenn er ab Seite vierhundertpaarundfuffzich so weitergeht - sicherlich ein Meisterwerk der Erzählkunst, hat mit Meno Rohde eine der interessantesten Figuren, die mir je auf Buchseiten begegnet sind und sicherlich gibt es sehr, sehr wenige Autoren, die mit Sprache so umgehen können wie Uwe Tellkamp.
Trotzdem ist dieses Buch beinahe vollkommen unlesbar. Tellkamp scheißt einen zu mit Einzelheiten. Da steht kein Farn am Wegesrand, der nicht genau beschrieben wird. Keine Schramme findet sich auf irgendeinem nebensächlichen Holzkistlein, deren Details nicht liebevoll ausgemalt wird. Und jeder verdammte zerschlissene Aktentasche, die einmal auf tausend Seiten am Leser vorbeigetragen wird, hat irgendeine eingeprägte Aufschrift, die getreulich rapportiert werden muss.
Irgendwann hat Tellkamp einen dann mit diesem Feuilleton-Beeindruckungs-Stil weichgekocht. Mich - wie gesagt - auf halber Strecke. Lag sicher an mir. Ich steh halt mehr auf Autoren, die das Unwichtige weglassen.