24.1.08

Wunder gibt's nicht

Gestern startete mal wieder eine neue Staffel von "Deutschland sucht den Superstar", und jetzt fragen sich die gelgentlichen Leser dieses gelegentlichen Blogs sicherlich, was DSDS in einer Sammlung von Texten über Kreatives Schreiben zu suchen hat.
Nun, was den Bereich "Fehleinschätzung" angeht, ist DSDS nachgerade exemplarisch für viele angehende Autoren. Wenn man dem Sänger-Casting zuschaut, kann man nicht umhin, sich zu wundern, warum manche Leute sich überhaupt dorthin getraut haben. Menschen, die keinen Ton treffen, sich nicht bewegen können und die Ausstrahlung eines ausgeblichenen, verkrumpelten T-Shirts haben. Hat denn denen wirklich niemand gesagt: "Bleib weg, du kannst nicht singen, du machst dich lächerlich!"
Ich bin mir ziemlich sicher, dass das diesen Bemitleidenswerten Menschen gesagt wurde, vermutlich sogar mehrfach. Trotzdem sind sie zum Casting gegangen, weil sie gehofft haben, dass ein Wunder passiert. Dass sie plötzlich die Töne treffen, dass ihr Schwerpunkt sich verlagert, dass sie plötzlich Arme und Beine kontrollieren und so etwas wie halbwegs elegante Bewegungen hinbekommen. Natürlich passiert so ein Wunder nicht. Solche Wunder gibt es nicht. Die Nerds quaken los, werden von Bohlen abgekanzelt und verlassen weinend den Ort der Schande. Ohne Wunder.
Mit der gleichen Hoffnung auf ein ähnliches Wunder schicken viele Menschen, die begonnen haben, zu schreiben - Autoren mag ich die noch nicht nennen - ihre Texte in die Welt. Sie wissen, dass das, was sie da in die Umschläge eintüten, vor Rechtschreib- und Grammatikfehlern strotzt, noch nicht einmal annähernd den Umfang eines Buchs hat und auch nicht bescheidensten Ansprüchen genügt. "Ich habe ja selber mit meinem Text nichts anfangen können, aber ich dachte, vielleicht entdeckt ja wer anders was darin..." hat mir einmal so ein Mensch sein Tun mit entwaffnender Naivität erklärt.
Also auch hier die gleiche Wunderhoffnung: "Vielleicht passiert im Umschlag auf dem Postweg zum Verlag oder zur Redaktion etwas ganz tolles mit meinem Text. Vielleicht gibt ihm jemand Struktur, ein Thema, Spannung, Humor, am Besten von allem etwas... Dann werden sie begeistert von meinem Text sein und ihn veröffentlichen."
Ein weiteres Wunder, dass nicht eintreten wird, weil es nicht eintreten kann. Es gibt beim Schreiben - wie beim Singen - keine Wunder. Es gibt nur Fleiß, Handwerk und vor allen Dingen die Beharrlichkeit, einen Text so lange zu überarbeiten, bis er so ist, wie der Autor sich ihn vorgestellt hat, als er begonnen hat, ihn zu schreiben.

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