30.1.08

Lesetipp: Kehlmann

Gerade entdeckt: Ein äußerst lesenswertes Interview mit Daniel Kehlmann. Kostprobe:

Ja. Das größte Theatererlebnis meines Lebens war „The Coast of Utopia“ von Tom Stoppard letztes Jahr im New Yorker Lincoln Center. Zwölf Stunden, trotzdem ging niemand weg! Stoppards deutscher Verleger erzählte mir dann, dass dieses Stück im deutschen Sprachraum unaufführbar ist, weil Stoppard keine verfremdenden Aufführungen duldet, eben kein Regietheater. Ich weiß noch, ich kam völlig überwältigt hierher zurück, traf einen Dramaturgen, der inzwischen in Wien ein Theater leitet, erzählte dem, ich hab in Amerika viel am Theater gesehen, und er sagte ohne Zögern: „Das ist doch alles furchtbar altmodisch.“ Warum? Ich finde am Prinzip textgetreuer Aufführungen lebender Autoren nichts Konservatives. Dass es als modern gilt, alte Stücke zu verfremden, ist eine willkürliche Zuschreibung, in der Musik gilt besondere Werktreue als innovativ. Das Thema ist seltsam ideologisch überfrachtet. Warum Kritik am Regietheater hier so ein Tabu ist, habe ich noch nicht durchschaut. Der Rest der Welt schaut jedenfalls mit Verwunderung auf dieses Phänomen.
Dem ist nichts hinzuzufügen.

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