8.1.08

Einfach Q10

Wenn ich diesen Artikel veröffentliche, denken vermutliche viele Menschen, die meine Blogs verfolgen, dass ich endgültig wahnsinnig geworden bin. Warum empfiehlt Chris Kurbjuhn, der König der Software-Nerds, der ehemalige Wordperfect- und jetzige OpenOffice-Writer-Tuner mit seinen 150 selbstgebastelten Makros jetzt ein archaische Stück Software wie den Editor Q10? Vorzeitige Altersdemenz? Zuviel Bass geübt? Daraus folgend Drogenmissbrauch?
None of the above. Q10 macht Spaß, gerade weil er die Schreiberei aufs wesentliche reduziert. Weil es bei Q10 nur noch zwei Dinge gibt, die wichtig sind: den Autor und seinen Text.
Doch der Reihe nach. Q10 ist Freeware, man kann sich diesen Editor in mehreren Versionen runterladen, gezippt, sofort installierbar oder als "Portable App", die man auf einen mobilen Datenträger installieren kann.
Q10 startet in Bruchteilen von Sekunden, und dann sieht man... einen leeren Bildschirm. Da ist nix, und da kommt auch nix, es sei denn, man fängt an zu tippen. Dann kommt Text.
Q10 ist ein Text-Editor in archaischer Form. Mit F1 kann man eine sehr einfache Hilfeseite aufrufen, die einen über die Funktionen des Programms informiert. Mit Ctrl-P kann man ein paar Sachen (Zeilenbreite, Hintergrundfarbe, eine SEHR einfache Autorkorrektur und noch 'n bißchen Gedöns) einstellen, und das war's. Ansonsten kann man Text schreiben. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.
Und Himmelherrgott, schreiben mit Q10 macht richtig Spaß. Eine Paolo-Conte-CD in den Player geworfen, Q10 gestartet und schnell ein Kapitelchen runtergehackt, ohne sich um Formatierungen und ähnlichen Quatsch zu kümmern, einfach nur schreiben, im Erzählfluss bleiben, ab geht die Lucie. Sehr okay. Wirklich. Gefällt.
Nachteile? Jede Menge. Q10 eignet sich wirklich nicht für jede Aufgabe. Man kann nicht mehrere Dokumente gleichzeitig bearbeiten - was ein Segen ist, wenn man einen Text fertig schreiben will, aber ein Fluch, wenn man z.B. mehrere Texte zu einem zusammenfassen muss u.ä. Man kann mit Q10 Romankapitel schreiben, aber keinen Roman. Zwar kann man mit Hilfe von sogenanntem "Schnelltext" auch in einem größeren Manuskript manövrieren, aber ab einer Dokumentgröße von mehr als 10 Seiten ziehe ich doch eine "richtige" Textverarbeitung vor, dann ist Q10s Stärke, der leere Bildschirm ohne Scroll-Balken eine Schwäche.
Ansonsten ist Q10 ein hinreißendes Stück Software, dass ich zur Zeit mindestens einmal pro Tag benutze, um einen Text zu schreiben. Obwohl oder weil es so einfach ist.

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