23.12.08

Hörbefehl!

Ein absolut genialer... ja, wie soll man das nennen? Vortrag? Gesprochener Essay? Okay, es ist ein Podcast. Auf Englisch. Stephen Fry über Sprache. Freude. Ekstase. Viel Spaß!

22.12.08

Der Huby

Gestern ist Felix Huby 70 geworden. Im Fernsehlexikon steht eine Zusammenfassung seiner "seriellen Werke" (über die alberne Behauptung, Huby sei hurmorlos, einfach mal weglesen), und wer mehr über Hubys Bücher wissen will, kann ja mal auf seiner Homepage nachschlagen. Die ist ein wenig chaotisch organisiert (Wen wundert's? "Indernet? Was is jetzat des? Erscht mol abwarte!"), deshalb sind die Perlen dieser Seite, eine Handvoll kenntnisreicher und ironischer Artikel über das Schreiben von Drehbüchern, ziemlich gut versteckt. Aber ich hab sie gefunden. Dringend zur Lektüre empfohlen (alles PDF-Dateien):

5.12.08

Quillp

Gestern wurde ich auf ein neues, noch im Beta-Stadium befindliches Buchportal aufmerksam: Quillp. Diese Buchleser-Community wendet sich an Leser UND Autoren. Der Leser-Teil ist jetzt schon recht gelungen. Wenn man sich angemeldet hat, muss man eine Reihe von Büchern (meist moderne Klassiker und aktuelle Bestsellerliste, die "Feuchtgebiete" waren - natürlich - auch dabei) bewerten und bekommt dann, nach erfolgreichem Abschluss der Aktion, eine Liste von anderen Quillp-Mitgliedern mit ähnlichem Buchgeschmack präsentiert. Mit denen kann man dann das übliche Social-Network-Gedöns machen, also Gruppen gründen und denen beitreten, Messages austauschen, in Foren hineinposten. Außerdem kann man ein "Online-Verzeichnis" seiner Bücher erstellen. "So hast Du stets einen Überblick darüber, was Du schon gelesen hast, noch lesen willst und was Deine Freunde lesen.", meinen die Quillper. Nuja. Ich verschlinge seit ca. 46 Jahren Bücher. Da sind ein paar laufende Meter zusammengekommen, da würde ich wohl doch ein ganzes Weilchen brauchen, um die dort einzutragen. Ich glaub, das lass ich lieber.
Ansonsten gibt es noch eine "Magazin" betitelte Newsecke, wo noch relativ wenig zu lesen ist. Jedoch hat gestern Don Dahlmann angekündigt, mit diesem Magazin einige interessante Dinge vorzuhaben. Vielleicht wächst da ja wirklich etwas interessantes heran.
Etwas sauer stoßen mir jedoch einige Aspekte der "Autorenecke" von Quillp auf. Die Quillper wollen AutorInnen ermutigen, Ihre Texte dort hochzuladen und von den anderen Usern bewerten zu lassen. Ist ja im Prinzip 'ne feine Sache, bloß dass Quillp des öfteren insinuiert, dass man auf diese Weise Verlage auf sich aufmerksam machen kann... Sorry, mir ist kein einziger Agent oder Lektor bekannt, der Social Networks nach Talenten durchstöbert. Quillp hat ein paar gute Ideen und ein ganz schickes Interface. Auf derartigen Bauernfänger-Quatsch sollte man verzichten.

2.12.08

Wie es weitergeht

Gestern, auf der TGIO-Party der Glühwürmchen, wurde öfters die Frage gestellt, wie es jetzt weitergeht mit den 50.000+ Wörtern, die man im November bei NaNoWriMo geschrieben hat. Zumindest für mich und den "Fänger im Beton" kann ich die Frage beantworten.
Zur Zeit ist das Manuskript eine "echte" Rohfassung, es müssen zahlreiche Korrekturen angebracht und viele Übergänge neu geschrieben werden, da ich im November nur "vorwärts" geschrieben und nichts überarbeitet habe. Zur Zeit bin ich vermutlich der einzige Mensch auf Erden, der eine Chance hat, mein Manuskript zu verstehen. Auch ein schönes Gefühl.
Ich werde das Buch also jetzt mindestens bis Weihnachten liegen lassen und mich dann an eine erste Überarbeitung machen, die zunächst nur das Ziel hat, die Geschichte für andere lesbar zu machen. Dann werde ich es ausdrucken und einigen Freunde und Kollegen zum Lesen geben und mir deren Meinungen anhören. Und dann werde ich entscheiden, ob Pachowiaks Weg an die Öffentlichkeit oder in den Papierkorb führt.
Sollte ich mich tatsächlich für eine Veröffentlichung entscheiden, wird (mindestens) eine weitere komplette Überarbeitung fällig, bei der ich sicherlich noch einige zusätzliche Szenen werde einbauen müssen. Aber das ist Zukunftsmusik. Momentan ruht Pachowiak sich in der Schubalde aus. Das hat er sich auch verdient.

südwestpassage kultour

Die "südwestpassage kultour" ist ein Kulturrundgang durch den Berliner Ortsteil Friedenau, wo auch die Biographen und der MyStory Verlag zu Hause sind. Über 35 Künstler, Galeristen, Literaten, Musiker und Buchhändler öffnen am 6. (16 bis 22 Uhr) und 7. (12 bis 18 Uhr) Dezember ihre Ateliers, Studios, Schreibstuben und Geschäfte. Der "kulturelle Spaziergänger" kann Ausstellungen, Lesungen, literarische Führungen und musikalische Ereignisse erleben.
Nähere Informationen unter http://www.suedwestpassage.de.
Die Autoren vom MyStory Verlag sind natürlich auch dabei. Am Sonnabend ab 19 Uhr lesen Ursula Gesche und Gerd Borchert, am Sonntag ab 15 Uhr Regina Fischer und Meinhard Schröder. Eintritt ist frei.

7 x 50.000+




Glühwürmchen & Gäste. Alles NaNoWriMo-Winner.

1.12.08

Meine Buddies





Ich hab ganz tolle Writing Buddies bei NaNoWrimo... :) Tatsächlich hat jeder (!) meiner Buddies die 50.000er Grenze geknackt. Und nachher treffen wir uns zum Feiern im Glühwurm am Südwestkorso 69a, 12161 Berlin. Wenn jemand Lust hat (mindestens) 7 Romanciers kennenzulernen...

27.11.08

Tag 28 - die vier magischen Buchstaben


Da stehen die vier magischen Buchstaben E-n-d-e. Um 17 Uhr 40 hab ich sie getippt, 51.547 Wörter sind es geworden, seit ich am 1. 11. morgens um 6 Uhr angefangen habe, die Geschichte des Menschenfängers Bruno Pachowiak in die Tastatur zu tippen. Ich will jetzt nicht pathetisch werden, laufe aber - wegen Euphorie-Überschuss - Gefahr, haargenau das zu tun, deshalb fasse ich mich kurz: es hat großen, ganz großen Spaß gemacht.
Ich ruh mich jetzt ein paar Tage aus, dann geht es - auch in diesem Blog und in der Netzecke - weiter.
Andererseits... drei Tage läuft NaNoWriMo ja noch. Das wären 16.670 Buchstaben pro Tag... Das ist viel, aber mittlerweile halte ich das für machbar. Vielleicht sollte ich...
Nee. Sollte ich nicht. War nur Spaß.

26.11.08

Tag 24-26 - Auf der Zielgeraden

Ich bin jetzt auf der Zielgeraden. Das ist ein ziemlich gutes Gefühl, es macht einen aber auch nervös. Ich versuche gerade, die letzte Szene vor dem großen Showdown zwischen Pachowiak und dem einsamen Leutnant fertig zu schreiben. Im Prinzip eine einfache Aufgabe, denn ich muss Pachowiak nur in die Nähe seiner Wohnung lotsen. Er will aber nicht. Oder - besser gesagt - ich scheine nicht zu wollen. Der Showdown bedeutet: Schluß mit Pachowiak, Schluss mit NaNoWriMo-Spaß, und das versuch ich gerade, ein wenig vor mir her zu schieben.
Es hilft aber alles nicht, morgen ist der Showdown fällig, und danach der Schluss. Vor dem hab ich Manschetten. Der Schluss wird Pachowiak ziemlich weh tun, und das möchte ich eigentlich nicht. Ich mag Pachowiak mittlerweile. Aber der Schluss ist gut, so wie er ist. Mehr noch: Er ist richtig. Armer Pachowiak. Ich möchte ihm das eigentlich nicht mehr antun.

Das letzte Hurra der Berliner Nano-Glühwürmchen

Die Glühwürmchen (und natürlich jeder, der dazu stoßen möchte) treffen sich zur Abschlussparty am Montag, dem 1. 12. 08 um 18 Uhr natürlich im Glühwurm (http://www.gluehwurm-restaurant.de), Südwestkorso 69A, 12161 Berlin (Nähe U-/S-Bahn Bundesplatz). Wer mag, bringt eine Hardcopy seines Manuskripts mit, damit er sie beim Gruppenfoto ins Bild halten kann.:)

24.11.08

Pachowiaks Musikgeschmack

Was mir sehr peinlich ist: Mein Protagonist, Bruno Pachowiak, hat ein Eigenleben entwickelt. Selbst ich, der ihn erfunden hat, bin nicht mehr in der Lage, ihn unter Kontrolle zu halten. Besonders peinlich wird das, wenn Bruno seinen Musikgeschmack durchsetzt. Ich wollte ihm eigentlich eine Cool-Jazz-Affinität andichten, das ist ihm aber nichts. Springsteen mag er. Und - unglaublicherweise - Guns n' Roses. Ausgerechnet.

23.11.08

Glühwürmchen-Reminder

Ich hab's ja erst vor ein paar Tagen geschrieben, aber der Post ist schon ein bißchen runtergerutscht, deshalb hier noch einmal zur Erinnerung: die Berliner NaNoWriMo-Glühwürmchen treffen sich morgen, Montag, 24. 11. 08 ab 18 Uhr im Friedenauer Glühwurm, Südwestkorso 69A, nicht weit vom U- und S-Bahnhof Bundesplatz.
& Tage vor Schluss noch mal Mut machen, Erfahrungen austauschen, hören, wie's den Writing Buddies und ihren Figuren geht... Ich freu mich drauf.

Tag 23 - Pachowiak drückt aufs Tempo

ICh bin heute nicht ins Büro gegangen und habe den Tag am Laptop verbracht. So konnte ich mich ein gutes Stück vor den geforderten Tagesschnitt schreiben. Wenn ich dieses Tempo beibehalte, werde ich spätestens Freitag fertig werden (dreimal auf Holz geklopft). Soviel Spaß das Schreiben auch macht, ich fange an, mich auf den magischen Moment zu freuen, an dem ich das Wort "Ende" tippen kann. NaNpWriMo hat doch meine freie Zeit arg dominiert, ich freue mich jetzt darauf, endlich mal wieder einfach dasitzen und ein Buch lesen zu können. Seit dem 1. November gehört jede freie Minute dem Schreiben am "Fänger", und ich merke jetzt, dass ich einige Dinge doch vermisse.
Egal, erstmal geht's jetzt weiter. Ich bin immer noch im improvisatorischen Freiflug, merke aber - durchaus erleichtert - dass die Figuren Kurs auf den Showdown nehmen. Noch zwei oder drei Kapitel, dann werden Improvisation und Plan zueinander finden. Hoffe ich.
Was bemerkenswert ist: Ich hatte für die Geschichte ein wesentlich gemächlicheres Tempo vorgesehen, als das, was gerade entsteht. Pachowiak ist gerade mit der Beschaffung einer DVD befasst. Der einsame Leutnant hat ihm dafür 24 Stunden Zeit gegeben. aber Pachowiak hat dermaßen auf die Tube gedrückt, dass er die DVD in spätestens drei Stunden in Händen halten wird. Also werde ich das Ultimatum des einsamen Leutnants ändern und ihm nur ein paar Stunden Zeit geben. Erstaunlich, wie sowas sich entwickelt. Im ursprünglichen Konzept hätte die Geschichte während einer Woche gespielt. Jetzt spielt sich der gleiche Plot in zwei Tagen ab. Ich bin zwar ein großer Verfechter des Tempo-Hochhaltens, aber mittlerweile staune ich selber. Und bekomme Manschetten. Das ist schon eine ziemlich abgefahrene Räuberpistole, die ich da in die Tastatur hacke.
Okay, eine Stunde noch. Heute. Paar hundert Wörter sind noch drin.

22.11.08

Tag 21 und 22 - Meine große Klappe

Wie war das? Vorgestern habe ich noch großkotzig geschrieben, dass ich die restlichen Kapitel bis zum Schluss durchgeplottet habe, zitiere wörtlich: "Was auch bitter nötig war, um meine Charaktere endlich an die Kandare legen zu können und dem Improvisieren ein Ende zu bereiten."
Nuja. Gestern sollte Pachowiak straight ins Hyatt fahren, um den Lügengeschichten seines Klienten ein Ende zu bereiten und zu beginnen, die Wahrheit ans Licht zu zerren. Plötzlich wurde er jedoch von einem unbekannten verfolgt und landete schließlich im Lindenbräu am Sony-Center, wo März mit einer Oberpropellerin des russischen organiserten Verbrechen und ihren zwei Gorillas (von Pachowiak liebevoll "Mucki" und "Moskau" getauft), am Wodka saufen war. Statt sich in aller Ruhe mit März zu unterhalten, hat Pachowiak lieber dieMafia-Chefin als Nutte beschimpft, ihrem zwei Gorillas den Schädel eingeschlagen und hat den Geschäftsführer des Lindenbräu ins Gläserspülbecken gesetzt. Zur Stunde fährt Pachowiak mit dem Porsche seines Klienten durch die Nacht, März sitzt weinend neben ihm und nuckelt an der Wodka-Flasche, und ich habe den Eindruck, dass das, was meine Figuren mir da vorimprovisiert haben, viel besser ist, als dass, was ich dahergeplottet habe. Zumindest steuert auch diese neue Handlung auf ein blutiges Ende zu, und sie ist zumindest mutiger asl das, was ich ursprünglich vorhatte. Ich wollte doch in den konventionellen Krimi zurückfallen, aber Pachowiak hatte andere Pläne: "Ich will Action". Okay, er hat sie bekommen. Bin mal gespannt, wie's weitergeht.

20.11.08

Tag 19 und 20 - der Validator Schock

Vorgestern hatte ich mir ein Polster erarbeitet, so dass ich es gestern ruhig angehen konnte. Ich hab nur ein paar hundert Wörter geschrieben und die letzten 11 Kapitel bis zum Schluss durchgeplottet. Was auch bitter nötig war, um meine Charaktere endlich an die Kandare legen zu können und dem Improvisieren ein Ende zu bereiten. Das mag ja von Zeit zu Zeit ganz witzig sein, aber Struktur ist und bleibt die halbe bis dreiviertel Miete bei der Schreiberei, und jetzt, wo's beim "Fängerim Beton" audfs Ende zu geht, ist eine funktionierende Struktur das Licht in der Finsternis, das Geländer, an dem man sich entlang hangeln kann, der Stadtplan, der einem den Weg zeigt. Und weil alles prima lief, hatte ich beste Laune, und deshalb gönnte ich mir einen Stadionbesuch, um meine Laune wieder auf Normalmaß zurück zu bringen.
Frohgemut tippte ich also heute früh um sechs meine 1600 plus irgendwas Wörter und ging heute mittag auf die NaNoWriMo-Website, um meinen Wordcount zu aktualisieren. Dort stellte ich erfreut fest, dass der "Validator", mit dem man die Anzahl seiner Wörter überprüfen lassen kann, berets zu testzwecken freigeschaltet war. Natürlich lud ich sofort mein Manuskript hoch, wartete ein paar Sekunden (die Website läuft mittlerweile recht zügig) und setzte mich auf den Hosenboden. Der Validator zählte 1000 (tausend!) Wörter weniger als Open Office Writer 3.0. Ich hab daraufhin Firma Googel bemüht, ein wenig mit einer älteren Word-Version herumgefummelt, die noch auf einem meiner Rechner war, ein paar Editoren bemüht, und ich kam schließlich zu dem Schluss: Der NaNoWriMo-Validator hat recht, die "Wörter zählen"-Funktion von Open Office hat anscheinend einen Bug.
Nach dem ersten Ärger fiel mir ein Stein vom Herzen, dass ich das jetzt, zehn Tage vor Schluss gemerkt habe. Wenn mir, sagen wir mal, am 30. November aufgefallen wäre, dass mein Open Office Writer meint, ich hätte 50.500 Wörter, der Validator jedoch auf 48.000 bestanden hätte... Okay, dieser Kelch geht an mir vorüber. Ich habe heute abend eine kleine Sonderschicht eingelegt, und spätestens nach der morgigen Früh-Session sollte ich wieder im Plan liegen. Allerdings... bei der Zusatzsession heute abend habe ich wieder ein wenig improvisiert. Ich kann ja nicht einfach 1000 Zeichen Quatsch in meine Geschichte reinschreiben. Also hab ich noch einen kleinen Schlenker dazu erfunden. Ich kann nur hoffen, dass das nicht wieder ausartet. Ach, bei NaNoWriMo ist doch immer was los. Ich freu mich auf morgen.

18.11.08

Die Glühwürmchen wieder

Heute haben sich die Berliner NaNoWriMo-Glühwürmchen wieder getroffen, und es hat großen Spaß gemacht, wie eigentlich immer, wenn man sich vom Schreibtisch erheben und sich mit Kollegen austauschen darf, die vor ähnlichen Aufgaben und Problemen stehen wie einer selbst, sie jedoch meist auf völlig andere Art und Weise lösen. Wir haben viel gelacht heute abend, über eigensinnige Charaktere, die gegen den Willen des Autors den Plot in neue Richtungen treiben, über minutiöse Vorbereitungen, die man nach ein paar Stunden Schreiben komplett in die Tonne kloppt und über die Kapriolen, mit denen ein Roman seinen Autor immer wieder überraschen kann.
Ich hätt wirklich nicht gedacht, dass diese 50.000-Wörter-in-einem-Monat-Aktion so viel Spaß machen kann. Ist das cool!:)
Nächstes Glühwürmchen-Treffen schon am kommenden Montag, den 24. 11. 08, wieder um 18 Uhr im Glühwurm, Südwestkorso 69a, 12161 Berlin (Nähe U-/S-Bahnhof Bundesplatz).

Tag 18

Heute war ein guter Tag. Ich hatte etwas Zeit, es lief gut und ich habe das Pensum von zwei Tagen geschafft. Das ist auch nötig, falls es morgen nicht läuft. Ich hab tagsüber viel zu tun, und abends bin ich... anderweitig beschäftigt. :) Mal sehen, wieviel ich morgen in der Nano-Frühschicht schaffe, es ist auf alle Fälle ein gutes Gefühl, morgen ohne Druck arbeiten zu können.
Bisher habe ich mich ehern an den Grundsatz "Show, don't tell" gehalten und Pachowiak, meinen Protagonisten, nur über seine Handlungen definiert. In den Texten, die ich heute geschrieben habe, die im fertigen Roman knapp hinter Halbzeit zu lesen sein werden, habe ich angefangen, ein paar Rückblenden in Pachowiaks Vergangenheit einzubauen. Ich glaube, an dieser Stelle, unmittelbar hinter der tiefsten Höhle passt das ganz gut, die Figur gewinnt an Tiefe und es retardiert nicht allzu sehr. Nuja, überarbeiten kann ich immer noch.
Morgen muss ich konkrete Entsccheidungen treffen, wie mein Plot weitergehen soll. Durch die Improvisationen, die ich mir in den letzten Tagen gestattet habe, funktioniert mein ursprünglicher Weg aufs Ende zu nicht mehr. Und jetzt kann ich nicht mehr fröhlich in die Gegend hinein improvisieren, ich muss das Ende anvisieren und bewusst darauf zu schreiben. Ich weiß ja, wie's ausgeht, aber wie komm ich da hin? Sieht wie ein lösbares Problem aus, aber eine richtig gute Idee habe ich noch nicht.
Erstaunlich ist, wieviel Spaß die Sache mittlerweile macht. Würde ich an einem professionellen Projekt schreiben, wäre ich sicherlich längst von Panik-Attacken geschüttelt, angesichts meiner relativen Ratlosigkeit, wie es weitergehen könnte. Hier bin ich amüsiert und neugierig, wie es weitergehen könnte. Ich hoffe, es gelingt mir, diese Haltung nach dem 30. November beizubehalten, wenn ich andere Projekte angehen werde.

One-Liner

Manchmal gelingt einem ein richtig schöner One-Liner. Heute war ich mal dran.
"Pachowiak, Sie sind ein glasharter Solipsist."
"Sie irren sich. Ich spiele kein Instrument."

17.11.08

Termine

Morgen, am Dienstag, dem 18. 11. ist es wieder soweit. Berliner NaNo-Writer treffen sich ab 18 Uhr im Friedenauer Glühwurm, Südwestkorso 69A, 12161 Berlin (Nähe S- und U-Bahnhof Bundesplatz) zum Wordcount- und Gedankenaustausch. Gäste sind natürlich herzlich willkommen!
Und am Mittwoch, dem 19. 11. sendet Inforadio Berlin um 15 Uhr 55 und um 17 Uhr 55 einen Bericht über ein paar Berliner NaNoWriMo-Teilnehmer. Marianne Mielcke hat Gerd Borchert, Gaby Sikorski und mich interviewt. Es war ein tolles Gespräch, das allen Beteiligten sehr viel Spaß gemacht hat. Ich hoffe, dass das im Radio auch so gut gelaunt rüber kommt.

Tag 13-17 - Die tiefste Höhle

5 ereignisreiche Schreibtage liegen hinter mir. Ich habe die gefürchtete zweite NaNoWriMo-Woche weitgehend unbeschadet überstanden (was man nicht von allen Figuren meiner Geschichte sagen kann), die Hälfte der Wordcount-Strecke liegt seit vorgestern hinter mir und den eigentlichen "Mittelpunkt" meines Romans habe ich gerade eben geschrieben, nach 28.352 Wörtern muss Pachowiak, mein Protagonist sich neu sortieren. Er hat die "tiefste Höhle" hinter sich.
Vermutlich wissen erstmal nur Campbell-Anhänger, bzw. Menschen, die sich mal auf meinen Seminaren von mir haben vollquatschen lassen, was mit der tiefsten Höhle gemeint ist, deshalb eien kurze Erklärung: Die "tiefste Höhle" markiert auf dem "Weg des Helden" (siehe Campbell) eine ernsthafte große Konfrontation zwischen Protagonist und Antagonist, die der Protagonist erfolgreich besteht. Ein Teil der Aufgabe des Protagonisten ist damit gelöst, aber der eigentliche - und meist schwierigere - Teil der Aufgabe liegt noch vor ihm. Meist hat der Protagonist sein äußeres Ziel erreicht, jetzt muss er sich auf den Weg machen, sein inneres Ziel zu erreichen bzw. herausfinden, was sein inneres Ziel überhaupt ist. Idealerweise sollte diese Station in etwa in der Mitte der Geschichte sein, und das hab ich immerhin hingekriegt.
Wie Pachowiak in diese Höhle gekommen ist, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Ich wollte ihn eigentlich ganz anders dorthin lotsen, aber vor drei Tagen haben meine Figuren das Heft der Geschichte in die Hand genommen und mich davon überzeugt, dass sie für eine Weile (wieder) ihre eigenen Wege gehen wollen. Plötzlich wollte Pachowiak eine veritable Straßenschlacht anzetteln und mit einem skrupellosen Drogenhändler Pizza essen gehen. Dann gesellte sich Herr Fröhlich von der Kripo zu den beiden, und - wo sie gerade mal dabei waren, weigerten sie sich, auf meine sorgfältig im Voraus konzipierte "tiefste Höhle" zuzusteuern und suchten sich eine eigene.
Gottseidank habe ich sie gewähren lassen, denn jetzt, unmittelbar nachdem ich's geschrieben habe, kommt mir die neue "tiefste Höhle" viel besser vor als die ursprüngliche, in der Pachowiak in einem verzweifelten Rennen gegen die Zeit den Kreuzberg erklimmen sollte.
Ich hatte große Bedenken, ob der Showdown am Schluss, der ursprünglich auf dem verlassenen Flughafen Tempelhof stattfinden sollte, gegen dieses Bergrennen anstinken konnte, und dieser Sorge bin ich nun enthoben. Pachowiak wird (fast) zum Schluss auf den Kreuzberg rennen. Wo eine fürchterliche Überraschung auf ihn wartet.
Ich mute dem Kerl ganz schön was zu. Und er tut mir das gleiche an. Wir können das aber ab, wir zwei.

12.11.08

Der Duke

Ich hör zum ersten Mal seit Jahrzehnten Musik beim Schreiben. Merkwürdig. Ansonsten arbeite ich am liebsten, wenn's ruhig ist. Beim "Fänger im Beton" ist das anders. Pachowiak möchte andauernd Bruce Springsteen hören.

Tag 12 - wieder in der Spur

Kurz nach Mittag, und das Tagespensum ist geschafft. Die 20.000-Wörter-Grenze habe ich überwunden, bis 25.000 und damit Halbzeit ist nicht mehr allzu weit. Die Aufgabe gewinnt etwas an Überschaubarkeit.
Auch sonst hat das Schreiben heute Spaß gemacht und ging flüssig von der Hand. Das lag sicher am meisten daran, dass ich heute fast gar nicht improvisieren musste und mich wieder an meiner Vorbereitung orientieren konnte. Und daran, dass Cem, der einsame Leutnant, wieder im Plot aufgetaucht ist. Das hat Pachowiak zu einigen coolen Sprüchen inspiriert, und - was noch viel wichtiger ist - es gibt Konflikte und zahlreiche Anlässe zu handeln. Ein neuerlicher Beweis für die alte These, dass ein starker Antagonist immer das beste aus einem Protagonisten heraus holt. Und Cem hat ja gerade erst angefangen. Ich blicke wieder optimistischer in die Zukunft. Mal sehen, was morgen ist.

11.11.08

Tag 11 - olle Edwin ist raus

Immer noch im Schnitt. Es lief nicht allzu gut heute, ich wollte eigentlich mein Pensum am frühen Morgen schaffen, aber als ich ins Büro musste, hatte ich gerade mal 500 Wörter geschafft. Den rest hab ich dann scheibchenweise zwischendurch erledigt.
Dabei ist mir etwas passiert, was ich noch nie erlebt hat: Eine Figur hat eine andere Figur aus der Story gedrängt. Mir war gar nicht bewusst gewesen, dass ich zwei Computer-Spezialisten in der Story hatte, einmal den durchgeknallten, Kette rauchenden Rentner "olle Edwin" (ich wollte nicht immer über 14jährige, übergewichtige Hacker schreiben) und Verena Koslowski aus Lucias WG. Verena Koslowski hat richtiggehend für die Rolle "vorgesprochen" und bei ihrem ersten Auftritt überzeugend nachgewiesen, dass sie alles, was verlangt ist, mindestens genauso gut tun kann wie "olle Edwin", aber besser in die Story zu intrigieren ist. Okay, olle Edwin ist raus. Tut mir zwar ein bißchen leid um ihn, aber vielleicht kann ich ihn in einer anderen Geschichte mal verwenden.
Und ich muss beinahe gar nichts von dem umschreiben, was ich bereits geschrieben habe .Lediglich ein Telefonat zwischen Pachowiak und ihm mussich streichen. Macht nix. Geht Pachowiak eben schweigend spazieren.

10.11.08

Tag 10

Vom Word Count her bin ich zufrieden, ansonsten... Ich habe in den letzten Tagen ein wenig improvisiert, und die Sache ist mir - fürchte ich - sehr dialoglastig geraten. Ich muss ab morgen wieder schleunigst Kurs auf die Action-Ebene nehmen, sonst verkommt mir Pachowiak zu einem selbstzufriedenen Labersack. Das bedeutet natürlich neuerliches Improvisieren... Wenn man einmal damit angefangen hat... Ich hätte es besser wissen müssen. Aber um jetzt drei Kapitel zurück zu gehen und die andere Richtung einzuschlagen, ist einfach nicht drin.
Aufalle Fälle: Pachowiak hat die WG durchschnüffelt und einiges entdeckt, auf dass er sich keinen Reim machen kann. Er sitzt gerade mit einer smarten Hackerin bei Schweinske am Ernst-Reuter-Salat und plaudert. Pachowiak hat's gut.

9.11.08

NaNoWriMo-Treffen am 7. 11. 08

Am 7. November haben sich ein paar Berliner NaNoWriMo-Schreiber im Glühwurm getroffen. Ein paar, die beim ersten Treffen ein Wiederkommen angekündigt hatten, sind leider nicht erschienen, aber das musste man wohl erwarten. Unter denen, die gekommen waren, herrschte auf alle Fälle aufgeräumteste Stimmung. Bisschen fachsimpeln, von den eigenen Erfahrungen erzählen, bestätigt werden oder staunend zu erfahren, dass es anderen bei NaNoWriMo ganz anders geht... das macht Spaß, das inspiriert und ist ein prima Mittel gegen den Tunnelblick, der sich nur auf das eigene Projekt richtet.
Ich freue mich jedenfalls schon auf das nächste Treffen, ein leicht verspätetes Bergfest am 18. 11. 08 , natürlich wieder im Glühwurm!

Tag 6, 7, 8 und 9

Ich lebe noch. Und ich schreibe noch. In den letzten Tagen war soviel los, dass ich zwar meinen NaNoWriMo-Schnitt von ca. 1700 Wörtern am Tag geschafft habe, aber dieses Arbeitsjournal musste ich vernachlässigen, sorry.
Pachowiak hat das Friedhofskapitel hinter sich gebracht, ist zu Fuß durch den Grunewald gelatscht, hat seinem Rentner-Hacker "olle Erwin" Recherche-Aufträge erteilt, hat Kitty beim Frühsport auf der Dachterrasse ausgefragt, ist einem Gespräch mit Connychen ausgewichen, hat einen jungen, schwulen Schauspieler aus dem Fenster gehängt und hat einiges über Lucais Wohngemeinschaft erfahren. Das meiste wird - nach entsprechender Überarbeitung - funktionieren, bei den letzten beiden Kapiteln bin ich mir nicht ganz sicher. Da bin ich - durch den Zeitdruck - ein wenig zu schnell über ein paar logische Unebenheiten hinweg, kann sein, dass ich mir hier einige Fußangeln gestellt habe.
Das werde ich sehen. Ich habe aber in den letzten beiden Kapiteln auch angefangen, ein wenig zu improvisieren, was Lucias WG-Genossen angeht. Das Ergebnis ist - wie ich glaube - zwar ziemlich gut und bietet mir jede Möglichkeiten, aber jetzt muss ich ein paar Kapitel lang die Geschichte nicht nur niederschreiben, sondern muss parallel dazu einige Dinge hinzuerfinden. Das liegt mit eigentlich gar nicht, aber es geht jetzt eben nicht anders.
Ich schreibe jetzt in der zweiten Woche NaNoWriMo, und die Experten sagen, dass das die schwerste ist. Kann gut sein. Man wird sehen.

5.11.08

Tag 4 und 5

So, gerade die letzten Worte von Kapitel 5 getippt und mich halbwegs zurück in den Plan geschrieben. Kapitel 5 ist leider ziemlich schwach geworden, ich hab zuerst versucht, zuviel Fakten unterzubringen und erst zu spät realisiert, das diese Fakten vollkommen unwichtig sind und für den Leser die Auseinandersetzung zwischen Pachowiak und März vermutlich viel interessanter ist. Normalerweise würde ich morgen zurück gehen, die 5 überarbeiten und dann weiterschreiben, aber da jetzt schon (!) die Deadline des 30. November droht, verschiebe ich die Überarbeitung erst mal, vermutlich auf Dezember.
Kapitel 4 ist ziemlich gut geworden, jetzt freu ich mich auf Kapitel 6, das morgen dran ist. Da geht's auf den Friedhof Grunewald-Forst, eine Berliner Sehenswürdigkeit vom Allerfeinsten. Gestern war ich da und hab ein paar Fotos gemacht.
Pachowiak wird den Ort allerdings im Dunkeln aufsuchen.

3.11.08

Tag 3

Heute hab ich ordentlich was weggepackt, bin aktuell bei 6664 Wörtern, habe also schon ein kleines Polster angeschrieben. Das fühlt sich gut an, das macht sicher.
Zu sicher vielleicht, denn ich bin heute spontan einer Eingebung gefolgt und habe eine neue Figur und einen neuen Handlungs-Schlenker eingebaut. Ein Drogen-Dealer taucht überraschend bei Pachowiak auf und setzt ihn unter Druck, fordert ihn auf, Kitty auszuliefern. Das Auftauchen des Dealers logisch und eigentlich zwangsläufig, ich wundere mich ein bißchen über mich selbst, dass mir das beim Plotten nicht eingefallen ist. Also, es war eine logische Idee, es schien vernünftig es zu tun, also hab ich den Dealer und seine Unterhandlung reingeschrieben. Morgen werde ich seine Charakteristik nachtragen und in aller Ruhe seine Handlung zu Ende denken und notieren. Es sollte klappen.
Noch kann ich mir einbilden, den Überblick zu haben.
ICh fürchte, ich schreib einen ziemlichen Schwachsinn in dieses Blog. Sorry. Bin müde.

NaNoWriMo-Website

Ich werde das Gefühl nicht los, das es schneller geht, tausend Wörter zu schreiben als die NaNoWriMo-Homepage zu besuchen.

2.11.08

Tag 2

Heute ging's zäh. Trotzdem das zweite Kapitel geschafft, ich liege noch im Soll, auch von der Wortanzahl her. Das zweite Kapitel ist ganz okay, ich muss mich bei den Dialogen sehr zusammenreißen, damit es nicht zu Screwball-mäßig wird. Vielleicht reiß ich heute abend noch ein paar Seiten runter.
Nachtrag: Hab mich nach 22 Uhr noch mal dran gesetzt und den Word Count über die 4000er Marke gebracht. Bin jetzt mitten im dritten Kapitel. Pachowiak lehnt seinen Auftrag ab.

1.11.08

Tag 1

Das NaNoWriMo-Widget in der Sidebar funktioniert endlich: 1988 Wörter habe ich heute geschafft. Ich liege also im Plan.
Das erste Kapitel von "Der Fänger im Beton" ist fertig, Bruno Pachowiak hat sich in die Welt geprügelt. Obwohl ich weiß, dass ich dieses Kapitel (nach dem 30. November) noch ein oder mehrmals überarbeiten muss, bin ich recht zufrieden. Ich habe einen eigenen Ton für den Ich-Erzähler Pachwoiak gefunden, das wird. Perfekt wird es erst ab Kapitel vier oder fünf, und das ist okay.
Für die 8 Normseiten, die mein erstes Kapitel umfasst, habe ich ca. 3 Stunden gebraucht, von sieben bis zehn Uhr morgens. Für den Anfang ist das auch okay. Eigentlich wollte ich heute nachmittag noch ein paar Seiten schreiben, hat leider nicht geklappt. Dann eben morgen. Da wird Pachowiak sich zum ersten Mal mit Kitty unterhalten. Ich freu mich drauf. Macht spaß.

31.10.08

Fünf vor 12

Okay, in ein paar Stunden geht NaNoWriMo los. Ich werde nicht - wie viele Kollegen - reinschreiben, ich bin schon seit ein paar Jahren kein Nachtarbeiter mehr. Ich werde morgen zeitig aufstehen und versuchen, das Tagespensum zu erledigen, bevor es richtig hell ist. Mal sehen, wie ich mich dann reinschreibe.
Eigentlich habe ich meine Vorbereitung vorgestern mehr oder weniger abgeschlossen, aber dann ist mir heute mittag in der U-Bahn noch eine dermaßen fetzige Figur eingefallen ... Ich bin jetzt echt in Versuchung, den Typen noch einzubauen. Allzuviel verändern müsste ich ja nicht. Andererseits, warum sollte ich ein funktionierendes Konzept verändern? Ich hab ein bißchen Sorge, dass der Typ einiges umschmeißt, wenn ich ihn auf meinen Plot loslasse. Aber es ist wirklich eine starke Figur...
Okay, morgen ist auch noch ein Tag. Morgen geht's los. Morgen weiß ich mehr.

29.10.08

So weit, so gut...

Okay, dreißig Kapitel sind konzipiert. Mein Plot steht. Ein oder zwei Übergänge scheinen mir noch etwas problematisch zu sein, das ganze ist eine mächtig-gewaltige Räuberpistole, aber die Dramaturgie stimmt (ich kenne meinen Chandler) und es sollte einen ziemlichen Spaß machen, die Geschichte zu schreiben. Ob es auch Spaß machen wird, sie zu lesen, werde ich dann ab Dezember erfahren, immer vorausgesetzt, ich traue mich dann, meinen Output irgendjemandem zu Lesen zu geben.
Am Sonnabend geht's los, was ist noch zu tun? Ein paar Locations muss ich noch aussuchen bzw. besuchen (ich hab extra eine Szene auf den Friedhof Grunewald-Forst gelegt, weil ich mir den schon immer mal anschauen wollte:)), bei ein paar Figuren steht wenig mehr als das Skelett, da muss noch Fleisch darauf gepackt werden, aber Protagonist und Antagonist stehen, scharren mit den Hufen und warten darauf, dass ich sie am Sonnabend aufeinander loslasse. Ich freue mich richtiggehend darauf.

Mal nachsehen

Ungefähr in der Mitte des "Fänger im Beton" muss der Protagonist der Geschichte, Bruno Pachowiak, in stockfinsterer Nacht den Kreuzberg zum Denkmal hinauf rennen, um - hoffentlich - ein Menschenleben zu retten und eine grauenhafte Entdeckung zu machen. Nu könnte man sich mit Stift und Papier in den Sessel setzen, den Kopf in den Nacken legen, an die Decke stieren und sich ausdenken, was Pachowiak dabei alles passieren kann.
Viel mehr Spaß macht es allerdings, selber mit der Digiknipse in finsterer Nacht zum Kreuzberg zu gehen.

"Boah, geht ja direkt runter in die Hölle, obwohl es Berg aufgeht!" denkt man schon am Eingang, den auch Pachowiak nehmen wird. Wenig später steht man dann an einer Wand.


"Mensch, an der Wand könnte ja was stehen, irgendeine Nachricht für Pachwoiak, die noch mehr Dramatik in die Wagschale wirft. Dann müsste er aber eine Taschenlampe oder irgendeine Lichtquelle dabei haben, und das wäre nicht gut. Hmm. Überleg ich noch."

Es ist immer noch zu hell. Der Antagonist muss die Laternen sabotiert haben, sonst funktioniert die ganze Szene nicht.

Und das ist saugut. Wenn Pachowiak am Denkmal angekommen ist, kann er gar nicht sehen, was oben geschieht. Er muss mit letzter Kraft die Stufen hochklettern, muss um die Ecke biegen, ohne zu wissen, was ihn erwartet und sieht dann erst...
Gut. Das wird gut.
Eine halbe Stunde Spaziergang im Dunkeln ersetzt stundenlanges "Ausdenken".


21.10.08

Stand der Dinge 21. 10. 08

Es geht voran. Heute habe ich überrascht festgestellt, dass ich schon über die Hälfte der Kapitel konzipiert habe. Ich dachte, ich müsste noch reichlich Handlung ausarbeiten, dabei sieht's jetzt so aus, als würde ich Schwierigkeiten bekommen, alle Szenen, die mir im Kopf rumschwirren, überhaupt unterzubringen. Besser so als andersrum, 19 von 30 Kapiteln sind angelegt.
Zur Karte habe ich heute ein paar Locations hinzugefügt, u. a. den Selbstmörderfriedhof. Hier werden Pachowiak und Cem ihre erste große Auseinandersetzung haben. Lucias Vater habe ich erstmal im Grand Hyatt untergebracht, ich bin mir noch nicht sicher, ob das die richtige Location für das sechste Kapitel ist, aber es passt erst mal. Dann habe ich die Mokkabar als Brunos Hauptquartier gestrichen und durch den Bierexpress am Mehringdamm ersetzt. Der Bierexpress passt besser zu Brunos schräger Persönlichkeit, er fühlt sich dort wohler. Wenn ein Loner wie Bruno sich überhaupt irgendwo wohlfühlen kann.
Daher musste ich auch den Wirt der Mokkabar in die Tonne treten, Brunos "Connection" und Sekretärin ist jetzt die Zapferin vom Bierexpress.
Und da ich einiges werde verknappen müssen, habe ich einen Computer-Spezialisten eingeführt, der für Bruno im Internet recherchiert. Da ich keinen pickligen 14jährigen nehmen wollte, bin ich auf einen kettenrauchenden Rentner verfallen, der 20 Stunden am Tag online ist und die Berliner Tageszeitungen mit querulatorischen E-Mails unter Dauerfeuer nimmt.
Ich komme voran.

aktualisierte Liste der handelnde Figuren
  • Bruno Pachowiak
  • Kitty
  • Lucia
  • Edith März, Lucias Mutter
  • Konrad März, Kittys (Stief)vater
  • Connie Schenk, Zapferin im Bierexpress, Pachowiaks "Sekretärin"
  • Erwin Lotrée, Rentner, Computer-Spezialist
  • Harald Fröhlich von der Kripo
  • Valentin, Sportstudent, WG-Mitglied
  • Cem, der "einsame Leutnant"
  • Alfred K. Bohl, Gerichtsmediziner, Pachowiaks U-Boot
aktualisierte To-Do-Liste
  • Charaktere weiter ausarbeiten
  • Karteikarten schreiben
  • fehlende Szenen ausarbeiten
  • Handlungsorte anschauen
  • Notizen machen: Redewendungen, Pointen, Beschreibungen

19.10.08

Gestrichenes kann nicht durchfallen / Stand der Dinge 19.10.08

5 Tage habe ich mich jetzt mit logischen Löchern rumgeschlagen, bis ich - eher durch Zufall als durch systematisches Nachdenken - auf die Idee gekommen bin, dass alle meine Probleme sich in Luft auflösen, wenn ich die Mutter der Antagonistin weglasse. Also denn, arrivederci Frau März, es geht besser ohne sie. Sie hätten eh nur eine gute Szene gehabt, die allerdings ein Kracher gewesen wäre.
Auf der Fahrt zu einem Familientreffen habe ich dann auch den mittleren Höhepunkt (für Campbell-Fans: die "tiefste Höhle") ausgearbeitet, es stehen jetzt also die ersten sechs Kapitel (für Campbell-Fans: bis zur Schwelle), der mittlere Höhepunkt und - in Ansätzen - der Showdown. 10 Tage habe ich noch Zeit, ich liege im Plan.
Morgen kann ich endlich mit der Karteikarten-Arbeit beginnen, eine Phase, auf die ich mich regelrecht freue. Die Karteikarten sind die Bauklötzchen des Schreibers, man kann sie wunderbar umsortieren, Szenenfolgen ausprobieren, Effekte vorbereiten... Ich freue mich auf morgen!

aktualisierte Liste der handelnde Figuren
  • Bruno Pachowiak
  • Kitty
  • Lucia
  • Edith März, Lucias Mutter
  • Konrad März, Kittys (Stief)vater
  • Ede "Konnekschen", Wirt von Pachowiaks Stamm-Café
  • Harald Fröhlich von der Kripo
  • Valentin, Sportstudent, WG-Mitglied
  • Cem, der "einsame Leutnant"
  • Alfred K. Bohl, Gerichtsmediziner, Pachowiaks U-Boot
aktualisierte To-Do-Liste
  • Charaktere weiter ausarbeiten
  • Karteikarten schreiben
  • fehlende Szenen ausarbeiten
  • Handlungsorte anschauen
  • Notizen machen: Redewendungen, Pointen, Beschreibungen

16.10.08

Berliner Treffen, die zweite

Ist dann tatsächlich richtig voll geworden, gestern abend im Glühwurm. Der Artikel in der Mirgenpost hatte offenbar richtig Wirkung gezeigt, denn als Gaby Sikorski und ich kurz vor sechs im Glühwurm eintrafen, waren schon über zwanzig Leute da, im Hinterzimmer, was wir reserviert hatten, war kaum noch ein Sitzplatz zu bekommen.
Das änderte sich - wie ich es angesichts der vielen Menschen geahnt hatte - jedoch relativ schnell. Einige waren mit erstaunlichen Erwartungshaltungen angekommen, erkundigten sich nach Qualitätskontrollen, Verlagsverträgen, eventuell zu gewinnenden Preisen...
Das alles gibt's ja bei NaNoWriMo nicht, und als wir das klargestellt hatten, gab es auch wieder Sitzplätze im Hinterzimmer. Mit denen, die geblieben sind (immerhin mehr als die Hälfte), haben wir dann aber noch eine ganze Weile intensiv und angeregt geplauscht. Viel länger, als wir vorhatten. Ich hatte noch die Quali gegen Wales im Hinterkopf gehabt, hab es dann aber erst zum Abpfiff vor den Fernseher geschafft.
Nuja, ich hatte wohl vielmehr Spaß mit den Autoren als unsere Spieler mit den Wallisern. Auf alle Fälle wollen jetzt ca. zehn Berliner Autoren bei NaNoWriMo mitmachen,. Wir treffen uns wieder am 7. November um 19 Uhr in besagtem Hinterzimmer. Und wer gestern nicht konnte oder noch nicht davon wusste, ist herzlich willkommen.

13.10.08

Charaktere "Der Fänger im Beton"

Hier ist eine Liste der wichtigsten handelnden Personen in "Der Fänger im Beton, der Detektivgeschichte, die ich während des NaNoWriMo schreiben werde. Die Liste wird laufend verändert und erweitert. Während der Vorbereitungszeit schreibe ich zu jeder Figur eine ausführliche Beschreibung.
  • Bruno Pachowiak
  • Kitty
  • Lucia
  • Edith März, Kittys Mutter
  • Konrad März, Kittys (Stief)vater
  • Ede "Konnekschen", Wirt von Pachowiaks Stamm-Café
  • Harald Fröhlich von der Kripo
  • Valentin, Sportstudent, WG-Mitglied
  • Cem, einsamer Wolf auf Neuköllns Straßen
  • Alfred K. Bohl, Gerichtsmediziner, Pachowiaks U-Boot

12.10.08

Stand der Dinge 12. 10. 08

Bis zur Stunde habe ich die Charakteristiken von Pachowiak und Kitty Lucia, meinem Protagonisten und Antagonisten weiter ausgearbeitet, Brunos "Vita" ist jetzt 6 Seiten lang, die von Kitty 4. Es werden sicher noch Seiten dazu kommen. Die Handlung für die ersten drei Kapitel habe ich in groben Zügen entworfen, sie fühlt sich schon ziemlich gut an, ich glaube, ich bin auf dem richtigen Weg, sofern es mir gelingt, ein nicht gerade kleines logisches Loch zu schließen.
Des weiteren habe ich eine Liste der wichtigsten handelnden Figuren erstellt, bisher stehen 9 Charaktere drauf, es werden mit Sicherheit noch mehr. Vielleicht mach ich heute Nacht noch ein Stündchen.

Berliner Treffen

Da hat doch die Berliner Morgenpost freundlicherweise in ihrer Ausgabe vom letzten Mittwoch auf das kleine Treffen zu NaNoWriMo hingewiesen, dass ich mit Gaby Sikorski von den Biographen organisiert habe. Wobei "organisiert" ein eher hochtrabendes Wort ist. Ich habe in einem meiner Lieblingslokale einen Tisch reserviert.
Wie dem auch sei, am Mittwoch ab 18 Uhr können alle Menschen aus Berlin, die bei NaNoWriMo mitmachen wollen oder sich für eine Teilnahem interessieren, einfach im Glühwurm am Südwestkorso vorbeischauen und sich zu uns an den Tisch setzen. Da können wir uns über die Projekte unterhalten, die jeder vorhat, im November zu schreiben, Tipps austauschen, eventuell Schreibgruppen organisieren und vielleicht ein neues Treffen organisieren.
Ich würd mich freuen, wenn's richtig voll wird.

9.10.08

Stand der Dinge 9.10.08

Grundlegende Konzeption des Protagonisten abgeschlossen. Bruno Pachowiak, 42 Jahre, mehrfach schwer verwundet, immer wieder aufgestanden. Je mehr ich mich in Bruno reinschreibe, desto sympathischer wird er mir. Schön, dich zu treffen, Bruno!
Opening, Schluss und ein Wendepunkt ungefähr in der Mitte der Geschichte sind festgelegt. An diesen "Leuchttürmen" kann ich mich beim Fortschreiben des Plots orientieren.
Auch die Antagonistin gewinnt Gestalt. Noch heißt sie Kitty Lucia. Der Name ist Scheiße.

Aktuelle ToDo-Liste:

  • Ausarbeitung der nächstwichtigen Charaktere
  • Durchstrukturieren der Handlung
  • Handlungsorte anschauen
  • Kapitelübersicht schreiben
  • Notizen machen, Notizen machen, Notizen machen: Redewendungen, Pointen, Beschreibungen
  • Who the fuck is Le Clézio?

    Philip Roth! Philip Roth! Philip Roth! 
    Dann eben nächstes Jahr.

    6.10.08

    Der Fänger im Beton

    Ich hatte ja schon angekündigt, hier das Arbeitsjournal zu führen, dass zu dem Roman gehört, den ich beim National Novel Writing Month schreiben werde. Heute geht's los, gestern abend habe ich mich für einen Plot entschieden.
    In der Schlußauswahl waren zwei Storys, zum einen eine klassische hard-boiled Privatdetektiv-Geschichte, zum anderen ein Slapstick-Action-Thriller im Carl-Hiaasen-Genre. Ich hätte viel lieber die Hiaasen-Geschichte geschrieben, habe mich dann doch aus rein pragmatischen Gründen für den Privatdetektiv entschieden. Für den Thriller hätte ich noch ziemlich viel recherchieren müssen, da hätte ein gut Teil im Innenministerium gespielt, und von den dort herumirrenden Menschen und ihren Ritualen weiß ich nichts. Die Detektiv-Geschichte spielt zu großen Teilen in Milieus die ich kenne, so dass ich nur punktuell nachrecherchieren muss. Außerdem habe ich im Krimi-Genre schon einiges gemacht, der Action-Thriller wäre echtes Neuland gewesen, und das wollte ich ungern betreten, wenn ich unter Zeitdruck schreiben muss.
    Mit dem hard-boiled-Genre hingegen bin ich bestens vertraut. Meinen Chandler und meinen Parker (um nur die am weitesten oben sitzenden Götter zu nennen) kenne ich beinahe auswendig, ich hab schon ein paar Drehbücher für eine Private-Eye-Story geschrieben, kurz, die Geschichte, die ich vorhabe zu schreiben, ist sicherlich weniger originell, dafür dürfte sie mir passen wie ein alter Schuh. Gute Vorraussetzungen, um das angepeilte Ziel von 50.000 Wörtern in einem Monat zu schaffen.
    Okay, der langen Rede kurzer Sinn: Der Arbeitstitel des geplanten Romans ist "Der Fänger im Beton".
    Das zentrale Thema des Romans ist die Grenze zwischen Zivilisation und Barbarei. Ab wann heiligt der Zweck nicht mehr alle Mittel? Und falls das etwas zu allgemein ist (letztlich handelt jeder Kriminalroman von der Grenze zwischen Zivilisation und Barbarei): Verantwortung. Für sich und andere.
    Die zum Roman gehörende Logline: Ein hartnäckiger, gewaltbereiter Privatdetektiv findet ein vermisstes junges Mädchen gegen dessen Willen.
    Meine ToDo-Liste bis zum Schreibstart am 1. 11.:

    • Ausarbeitung der wichtigsten Charaktere
    • Durchstrukturieren der Handlung
    • Handlungsorte anschauen
    • Kapitelübersicht schreiben
    • Notizen machen, Notizen machen, Notizen machen: Redewendungen, Pointen, Beschreibungen
    Über Fortschritte berichte ich alle paar Tage, spätestens ab 1.11. dann täglich.

    Ende der Sommerpause, NaNoWriMo naht

    So, die lange, lange Sommerpause dieses Blogs ist vorüber. Heute starte ich mit meinen persönlichen Vorbereitungen für NaNoWriMo, dem National Novel Writing Month. Dazu gibt's etwas später ein ausführlicheres Posting.
    Für diejenigen Leser dieses Blogs (ich hoffe, es sind ein paar übrig geblieben), die überlegen, ob sie auch mitmachen sollen (In Kurzform: Es geht darum, im Monat November binnen 30 Tagen einen Roman zu schreiben) UND in Berlin wohnen, habe ich eine möglicherweise gute Nachricht:
    Ich habe bereits ein, zwei "Mittäter" um mich geschart, deshalb wird es eine Schreibgruppe zu NaNoWriMo geben. Wir werden uns im Vorfeld und während des November regelmäßig treffen, von Fortschritten und Rückschlägen berichten, uns gegenseitig Mut machen und aller erdenkliche tun, damit jegliches Mitglied unserer Gruppe im November die 50.000 Wörter knackt.
    Ein erstes Treffen für alle Interessenten findet am 15. Oktober ab 18 Uhr im Glühwurm (eine Super-Kneipe!), Südwestkorso 69a, 12161 Berlin statt.
    Für alle Nicht-Berliner. Wenn sich genug Interessenten zusammen finden, könnte ich auch eine virtuelle Schreibgruppe organisieren, in der die Schreiber sich gegenseitig via Email und mit einem kleinen Forum unterstützen könnten. Bei Interesse einfach was in die Kommentare schreiben.
    Bevor jemand fragt: Die Teilnahme an diesen Schreibgruppen ist kostenlos.

    7.6.08

    NaNoWriMo

    Hab soeben den National Novel Writing Month (NaNowriMo) entdeckt. Bin ganz begeistert von dem Projekt und mache selbstverständlich in diesem Jahr zum ersten Mal mit. Worum es geht? Um das Schreiben eines Romans in einem Monat. 50.000 Wörter in 30 Tagen. Ich freu mich schon drauf, und hier werde ich mein Arbeitsjournal führen. Macht noch jemand mit?

    Holtzbrinck steigt ein

    Durch Zufall (oder, besser gesagt, durch einen leicht zu übersehenden Link auf einer Tagesspiegel-Seite) bin ich gerade auf die Seiten von epubli gestoßen.
    Nu ja, wird mancher sagen, noch ein Book-on-Demand-Anbieter, der gegen Bod oder Lulu anstinken will. Das Angebot haut einen noch (die Seite ist noch beta) auch nicht gerade vom Hocker, aber der Hinweis, dass epubli ein Unternehmen der Holtzbrinckgruppe ist, lässt zumindest mich aufhorchen. Wenn Holtzbrinck in diesem Nischenmarkt aktiv wird, dann könnte da demnächst einiges passieren. Ich hab keine Ahnung was, bin zur Zeit so mit Arbeit zugedeckt, dass ich noch nicht mal zum Spekulieren komme.

    13.4.08

    Das Interesse anderer Verlage

    „Klappern gehört zum Handwerk.“ ist eine oft gehörte Lebensweisheit, und wer sie zitiert, hat meist so unrecht nicht. Es bringt nichts, das eigene Licht unter den Scheffel zu stellen, wer es versteht, sich positiv zu präsentieren, erringt meist einen Vorteil gegenüber anderen.
    Wobei hier die Betonung auf „wer es versteht“ liegt. Viele angehende Autoren, die ihre ersten Erfolge noch vor sich haben, glauben, ordentlich auf die Pauke hauen zu müssen, wenn sie Ihre Manuskripte verschicken. Besonders beliebt ist es zur Zeit, in Begleitschreiben darauf hinzuweisen, dass „bereits andere Verlage Interesse an dem Manuskript angemeldet“ hätten oder dass der hoffnungsvolle Autor „bereits im Gespräch mit anderen Verlagen“ sei.
    Nun ja. Haargenau das ist eben keine positive Selbstdarstellung, sondern der kreuzdämliche (und natürlich komplett zum Scheitern verurteilte) Versuch, einem Verlag Druck zu machen, in dem man den Aufkleber „Lies mich, ich bin begehrt!“ auf sein Manuskript pappt. Bloß: jeder, der schon einmal fünf Minuten in einer Verlagskantine gesessen hat, weiß, dass dieser Aufkleber zuverlässig Mogelpackungen kennzeichnet. Autoren, deren Manuskripte tatsächlich irgendwo zur Veröffentlichung anstehen, verschicken das gleiche Manuskript nicht unverlangt. Punkt.
    Die oberschlauen Nachwuchsautoren erreichen mit ihrer vermeintlich „pfiffigen“ Aktion also genau das Gegenteil. Lektoren legen derart beschriebene Manuskripte meist ungelesen auf den Schrottstapel, von dem sie mit dem üblichen Formbrief an den Autor zurück gehen.
    Es ist gut und richtig, sich selbst möglich positiv darzustellen. Aber wer dies unter Vorspiegelung falscher Tatsachen tut, dessen Manuskript wird in 100 Prozent der Fälle in der eigenen Bugwelle absaufen.

    Sonntags Capote

    Und noch ein Lesetipp: Daniel Kehlmann schreibt über eine Ausgabe der Reportagen des hierzulande als Stilbildner sträflich unterschätzten Truman Capote.

    11.4.08

    Tatort-Autoren

    Sorry, zur Zeit langt's zeitlich nicht zu mehr als zu den Hinweisen auf die gute Arbeit anderer. Unbedingt reinschauen: SPIEGEK Online hat 10 Tatort-Autoren interessante Fragen gestellt.

    10.4.08

    Ken Follett über das Schreiben

    "Ich weiß gar nicht, ob es überhaupt etwas Romantisches am Schriftstellerdasein gibt. Ich mag es und ich kann es, aber ich sehe da nichts Romantisches."
    Äußerst lesenswertes Interview mit Ken Follett.

    17.2.08

    Im Schreibkurs

    "Och nöööö, nicht schon wieder so 'ne Scheiß-Schreib-Übung. Ich hasse das, Formulieren, Formulieren, Formulieren... das fällt mir so schwer!"
    "Ohne Sie entmutigen zu wollen: Später, im Beruf, werden Sie das sehr oft machen müssen."
    "Das ist ganz was anderes. Dann kann ich das ja!"

    30.1.08

    Lesetipp: Kehlmann

    Gerade entdeckt: Ein äußerst lesenswertes Interview mit Daniel Kehlmann. Kostprobe:

    Ja. Das größte Theatererlebnis meines Lebens war „The Coast of Utopia“ von Tom Stoppard letztes Jahr im New Yorker Lincoln Center. Zwölf Stunden, trotzdem ging niemand weg! Stoppards deutscher Verleger erzählte mir dann, dass dieses Stück im deutschen Sprachraum unaufführbar ist, weil Stoppard keine verfremdenden Aufführungen duldet, eben kein Regietheater. Ich weiß noch, ich kam völlig überwältigt hierher zurück, traf einen Dramaturgen, der inzwischen in Wien ein Theater leitet, erzählte dem, ich hab in Amerika viel am Theater gesehen, und er sagte ohne Zögern: „Das ist doch alles furchtbar altmodisch.“ Warum? Ich finde am Prinzip textgetreuer Aufführungen lebender Autoren nichts Konservatives. Dass es als modern gilt, alte Stücke zu verfremden, ist eine willkürliche Zuschreibung, in der Musik gilt besondere Werktreue als innovativ. Das Thema ist seltsam ideologisch überfrachtet. Warum Kritik am Regietheater hier so ein Tabu ist, habe ich noch nicht durchschaut. Der Rest der Welt schaut jedenfalls mit Verwunderung auf dieses Phänomen.
    Dem ist nichts hinzuzufügen.

    29.1.08

    Eine Idee - viele Geschichten

    Die besten Ideen für Geschichten, Romane, Drehbücher finde ich meist in der Zeitung. Meine Fantasie kann mit den bizarren Wendungen, die die Wirklichkeit sich einfallen lässt, leider nicht mithalten. Im Tagesspiegel steht heute folgende Geschichte, die mir nie und nimmer eingefallen wäre:
    Ein 49-jähriger Schotte, der seine Wohnung nach dreißig Jahren erstmals verlassen hatte, ist tot aufgefunden worden. Duncan Gibb war als 18-Jähriger überfallen worden und litt seitdem unter heftiger Angst vor öffentlichen Orten (Platzangst oder Agoraphobie). Die Polizei schließt nach Angaben des Londoner „Daily Telegraph“ Fremdverschulden an Gibbs Tod aus. Seine Mutter hatte sie alarmiert, nachdem ihr Sohn die Wohnung wortlos verlassen hatte und nicht zurückkehrte. Wodurch er starb, ist noch unbekannt.
    Ist das nicht fantastisch? Und es ist ja nicht nur eine Geschichte, die in diesen paar Sätzen steckt, es sind mehrere. Denn dieser Stoff lässt sich auf vielerlei Art erzählen: von der schwarzen Groteske über den klassischen Krimi bis zum Psycho-Thriller oder zur anspruchsvollen Sinnsuche... hier steckt alles drin. Für ein Genre entscheiden, Protagonisten und Antagonisten bauen und sich mit "Was wäre, wenn..."-Fragen zum Kern der Story vortasten... Wenn ich zur Zeit die Zeit hätte, ich würde sofort loslegen.

    24.1.08

    Wunder gibt's nicht

    Gestern startete mal wieder eine neue Staffel von "Deutschland sucht den Superstar", und jetzt fragen sich die gelgentlichen Leser dieses gelegentlichen Blogs sicherlich, was DSDS in einer Sammlung von Texten über Kreatives Schreiben zu suchen hat.
    Nun, was den Bereich "Fehleinschätzung" angeht, ist DSDS nachgerade exemplarisch für viele angehende Autoren. Wenn man dem Sänger-Casting zuschaut, kann man nicht umhin, sich zu wundern, warum manche Leute sich überhaupt dorthin getraut haben. Menschen, die keinen Ton treffen, sich nicht bewegen können und die Ausstrahlung eines ausgeblichenen, verkrumpelten T-Shirts haben. Hat denn denen wirklich niemand gesagt: "Bleib weg, du kannst nicht singen, du machst dich lächerlich!"
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass das diesen Bemitleidenswerten Menschen gesagt wurde, vermutlich sogar mehrfach. Trotzdem sind sie zum Casting gegangen, weil sie gehofft haben, dass ein Wunder passiert. Dass sie plötzlich die Töne treffen, dass ihr Schwerpunkt sich verlagert, dass sie plötzlich Arme und Beine kontrollieren und so etwas wie halbwegs elegante Bewegungen hinbekommen. Natürlich passiert so ein Wunder nicht. Solche Wunder gibt es nicht. Die Nerds quaken los, werden von Bohlen abgekanzelt und verlassen weinend den Ort der Schande. Ohne Wunder.
    Mit der gleichen Hoffnung auf ein ähnliches Wunder schicken viele Menschen, die begonnen haben, zu schreiben - Autoren mag ich die noch nicht nennen - ihre Texte in die Welt. Sie wissen, dass das, was sie da in die Umschläge eintüten, vor Rechtschreib- und Grammatikfehlern strotzt, noch nicht einmal annähernd den Umfang eines Buchs hat und auch nicht bescheidensten Ansprüchen genügt. "Ich habe ja selber mit meinem Text nichts anfangen können, aber ich dachte, vielleicht entdeckt ja wer anders was darin..." hat mir einmal so ein Mensch sein Tun mit entwaffnender Naivität erklärt.
    Also auch hier die gleiche Wunderhoffnung: "Vielleicht passiert im Umschlag auf dem Postweg zum Verlag oder zur Redaktion etwas ganz tolles mit meinem Text. Vielleicht gibt ihm jemand Struktur, ein Thema, Spannung, Humor, am Besten von allem etwas... Dann werden sie begeistert von meinem Text sein und ihn veröffentlichen."
    Ein weiteres Wunder, dass nicht eintreten wird, weil es nicht eintreten kann. Es gibt beim Schreiben - wie beim Singen - keine Wunder. Es gibt nur Fleiß, Handwerk und vor allen Dingen die Beharrlichkeit, einen Text so lange zu überarbeiten, bis er so ist, wie der Autor sich ihn vorgestellt hat, als er begonnen hat, ihn zu schreiben.

    8.1.08

    Einfach Q10

    Wenn ich diesen Artikel veröffentliche, denken vermutliche viele Menschen, die meine Blogs verfolgen, dass ich endgültig wahnsinnig geworden bin. Warum empfiehlt Chris Kurbjuhn, der König der Software-Nerds, der ehemalige Wordperfect- und jetzige OpenOffice-Writer-Tuner mit seinen 150 selbstgebastelten Makros jetzt ein archaische Stück Software wie den Editor Q10? Vorzeitige Altersdemenz? Zuviel Bass geübt? Daraus folgend Drogenmissbrauch?
    None of the above. Q10 macht Spaß, gerade weil er die Schreiberei aufs wesentliche reduziert. Weil es bei Q10 nur noch zwei Dinge gibt, die wichtig sind: den Autor und seinen Text.
    Doch der Reihe nach. Q10 ist Freeware, man kann sich diesen Editor in mehreren Versionen runterladen, gezippt, sofort installierbar oder als "Portable App", die man auf einen mobilen Datenträger installieren kann.
    Q10 startet in Bruchteilen von Sekunden, und dann sieht man... einen leeren Bildschirm. Da ist nix, und da kommt auch nix, es sei denn, man fängt an zu tippen. Dann kommt Text.
    Q10 ist ein Text-Editor in archaischer Form. Mit F1 kann man eine sehr einfache Hilfeseite aufrufen, die einen über die Funktionen des Programms informiert. Mit Ctrl-P kann man ein paar Sachen (Zeilenbreite, Hintergrundfarbe, eine SEHR einfache Autorkorrektur und noch 'n bißchen Gedöns) einstellen, und das war's. Ansonsten kann man Text schreiben. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.
    Und Himmelherrgott, schreiben mit Q10 macht richtig Spaß. Eine Paolo-Conte-CD in den Player geworfen, Q10 gestartet und schnell ein Kapitelchen runtergehackt, ohne sich um Formatierungen und ähnlichen Quatsch zu kümmern, einfach nur schreiben, im Erzählfluss bleiben, ab geht die Lucie. Sehr okay. Wirklich. Gefällt.
    Nachteile? Jede Menge. Q10 eignet sich wirklich nicht für jede Aufgabe. Man kann nicht mehrere Dokumente gleichzeitig bearbeiten - was ein Segen ist, wenn man einen Text fertig schreiben will, aber ein Fluch, wenn man z.B. mehrere Texte zu einem zusammenfassen muss u.ä. Man kann mit Q10 Romankapitel schreiben, aber keinen Roman. Zwar kann man mit Hilfe von sogenanntem "Schnelltext" auch in einem größeren Manuskript manövrieren, aber ab einer Dokumentgröße von mehr als 10 Seiten ziehe ich doch eine "richtige" Textverarbeitung vor, dann ist Q10s Stärke, der leere Bildschirm ohne Scroll-Balken eine Schwäche.
    Ansonsten ist Q10 ein hinreißendes Stück Software, dass ich zur Zeit mindestens einmal pro Tag benutze, um einen Text zu schreiben. Obwohl oder weil es so einfach ist.