24.9.07

Was ist Dramaturgie?

„Warum muss ich denn das so machen? Man kann doch auch mal was neues ausprobieren. Ich verstehe nicht, warum ich das so machen soll, das engt mich in meiner Phantasie total ein...“
Diese Sätze fallen des öfteren, wenn ein Autor anfängt, für eine Veröffentlichung zu schreiben. Er (oder natürlich sie) hat einen Vertrag mit einem Verlag, einer Redaktion oder einem Theater ergattert und schreibt an einem Roman, einem Drehbuch oder einem Theaterstück, das zeitnah auf ein zahlendes Publikum losgelassen werden soll. Und der Verlag, die Redaktion oder das Theater haben dem Autor einen Lektor, Redakteur oder Dramaturg zugeordnet, der ihm bei der Arbeit behilflich sein soll. Und dieses engstirnige Helferlein beharrt auf dem konsequenten Einhalten teilweise jahrhunderte alter Regeln, die unseren Autor am freien Fabulieren hindern, die ihn zwingen sollen, seine so originell erdachte Geschichte in ein starres, phantasieloses Schema zu zwängen... Das muss doch schiefgehen, oder?
Das Gegenteil ist der Fall. Dass derjenige viele Menschen erreicht, der eine besonders originelle Geschichte erzählt oder ein ganz eigenes, noch nie dagewesenes Konzept realisiert, ist ein Trugschluß, den man durch einen Blick auf die Bestsellerlisten oder die Einschaltquoten entlarvt: Hier dominieren ganz eindeutig die klassisch erzählten Geschichten, die Stoffe, die sich grundsätzlich an erprobten Strukturen und Erzählmustern orientieren und diese eher variieren statt zu versuchen, sie neu zu erfinden.
Diese erprobten Strukturen mit knapper Exposition, klar definierten Zielen von Protagonist und Antagonist, einer logisch nachvollziehbaren Handlung, deren bewusst gesetzte Wendepunkte aufeinander aufbauen, haben einen riesigen Vorteil gegenüber dem Neuerfinden des Handwerks: Man weiß, dass sie funktionieren. Und da ähnelt das Handwerk des Schreibens allen anderen handwerklichen Berufen: Ohne Not gibt der Praktiker nichts auf, was funktioniert.
Wer erfolgsorientiert arbeitet, also soviel Leser bzw. Zuschauer wie nur irgend möglich erreichen will, für den ist eine funktionierende Dramaturgie eben keine Zwangsjacke. Sondern ein Erfolgsrezept.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Da ist was dran!
Der Eintrag ist wirklich nett geschrieben und auch mit Bedacht formuliert aber er klärt nicht die eingängige Frage was Dramaturgie ist. Als unbedachter Laie kann ich dem zwar entnehmen das Dramaturgie das A und O des Veröffentlichens ist, jedoch weiss ich noch nicht was es sein soll.