29.8.07

Mein Arbeitsjournal

Was mich verwundert: Warum so wenige Kollegen aus meinem erweiterten Bekanntenkreis ein Arbeitsjournal führen. Ich könnte ohne ein solches Journal gar nicht kontinuierlich an einem Projekt arbeiten.
Einmal dokumentiere ich darin meine täglichen Arbeitsfortschritte. So habe ich ständig einen Überblick, wie es vorangeht, und unliebsame Überraschungen wie die "plötzlich" herangerückte Deadline können gar nicht mehr vorkommen. Dieses tägliche Schreiben über die Fortschritte dauert weniger als 5 Minuten, motiviert einen aber ungemein, das eigene Projekt täglich ein Stück voran zu bringen. Auch wenn es nur ein kleines Stück ist, Hauptsache voran!
Außerdem bietet mir ein solches Arbeitsjournal die Möglichkeit, laut - das heißt natürlich - schreibend über mein Projekt nachzudenken. Ich habe festgestellt, dass ich Probleme wesentlich leichter lösen kann, wenn ich sie vor mir sehe, anstatt sie, wie man so schön sagt, "im Kopf herum zu wälzen". Wenn ich beginne, ein Problem zu beschreiben, fällt mir oft sofort die Lösung ein. In meinen Kursen habe ich festgestellt, dass es vielen Menschen so geht. Wenn man über ein Problem lediglich nachdenkt, analysiert man es nicht immer korrekt. Da hilft das Schreiben über das Problem ungemein.
Und schließlich und endlich kann man sich in so einem Projekttagebuch ganz unbeschwert und ohne Druck Notizen machen, Ideen sammeln oder einfach mal vor sich hinblödeln. Das schafft Nähe und gleichzeitig Distanz (kein Widerspruch!) zum eigenen Tun. Und macht Spaß. Und das ist für mich die Hauptsache an einem Arbeitsjournal: Es macht wirklich Spaß, eins zu führen.

23.8.07

Besser geht's nicht

Ich hab's schon in meiner Netzecke gepostet: Vor ein paar Tagen ist mir ein in jeder Hinsicht fantastischer Abenteuer-Roman (Robert Löhr: "Das Erlkönig Manöver") untergekommen, dessen erster Absatz nachgerade exemplarisch ist. Genauso muss man's machen und nicht anders:

“Sackerment”, rief Goethe, als ihm hinterrücks eine verkorkte Flasche Burgunder so heftig über dem Schädel zerschmettert wurde, dass ihm der Schlag in alle Glieder ging. Er hatte nicht einmal mehr die Zeit gehabt, seinen Daumen aus dem Mund der Frau zu nehmen. Benommen lehnte er sich an den Tisch, um nicht in die Knie zu gehen, aber schon hatte der andere ihn am Kragen gepackt und herumgewirbelt, bereit, ihn mit einem Fausthieb niederzustrecken. Schiller hatte indes das Geweih samt Schädel und Trophäenbrett gegriffen und ließ es nun auf den Rücken des Angreifers niedersausen. Als der Mann ohnmächtig zu Boden ging, knirschten die Scherben unter seinem Leib. Während Schiller das Geweih nicht aus der einen Hand gab, stütze er mit der anderen seinen Freund, bis der seine fünf Sinne wieder zurechtgesetzt hatte.

Auf den ersten Blick ist es einfach eine brillante Idee, eine Geschichte damit zu beginnen, Goethe und Schiller in einen Bar-Room Brawl nach Altväter-Sitte zu verwickeln. Wenn man genauer hinsieht, gelingt es Löhr, in seinem ersten Absatz, folgendes zu etablieren:
1. Ich erzähle eine Abenteuergeschichte.
2. Meine Geschichte ist nicht realistisch.
3. Ich mache einen Crossover zwischen Klassik und Western.
4. Trotzdem nehme ich meine Figuren Ernst.
5. Ich mache keine Parodie.
6. Ich lege Wert auf die Sprache meiner Figuren.
Und vor allen Dingen macht dieser erste Absatz - und das ist seine eigentliche Stärke - unglaublich neugierig. Jeder Satz, den Löhr schreibt, läßt mich, als naiven Leser, fragen: "Wie, verdammt noch mal, geht's weiter?"
Und genau darum geht's bei ersten Sätzen. Bei allen Sätzen. Den Leser dazu zu bringen, weiter zu lesen.
Ich weiß nicht, wie man besser anfangen könnte. Ich bin vor Neid gepeitscht.

Es geht weiter

Okay, ich mag dieses Blog nicht ganz zu machen, ich mag es auch nicht brach liegen lassen, wie in den letzten 3 Monaten. Ich mache demnächst weiter. Ob ich eine halbwegs regelmäßige Posting-Frequenz hinkriegen werde, steht in den Sternen. Ich versuch's einfach. Viel Spaß.