20.12.06

Schlechte Verkäufer

Den Satz „Ich kann mich selbst so schlecht verkaufen.“ hört man oft, wenn Autoren beieinander sitzen und sich über die Lage an ihrem Arbeitsmarkt austauschen. Verlagssuche, Drehbuch verkaufen, Aufträge acquirieren... unangenehm, schwierig, eklig!

Früher habe ich selbst oft und gern diesen Satz gesagt/benutzt, wenn es darum ging, meine Texte bzw. meine Arbeitskraft als Autor irgendwo anzubieten. Heute schäme ich mich für die dumme, kokette Gedankenlosigkeit, für die dieser Satz steht. Letztlich ist er nichts anderes als ein Armutszeugnis für den Autor, der ihn ausspricht. Auch und gerade jemand, der Texte zur Veröffentlichung schreibt, muss auch ein Verkäufer sein. Er muss beim Leser Interesse für seine Ideen, seine Plots, seine Figuren und ihre Gefühle wecken. Er will ja beim Leser Emotionen auslösen, ihn bewegen, zum Lachen und zum Weinen bringen... Wie soll das jemand zu Wege bringen, der von sich selbst behauptet, er habe Probleme, andere von seinen professionellen Qualitäten zu überzeugen?

Kommentare:

olonda s.r.o. hat gesagt…

Interessanter Beitrag!
Gerade Texter müssen doch in der Lage sein Verkaufstexte zu entwerfen. Natürlich handelt es sich hierbei um eine spezielle Textsorte. Nicht jeder Texter muß freilich alle Textsorten anbieten. Andererseits sind Verkaufstexte oft ein guter Gradmesser, wie ernst ein Autor es mit dem Texten tatsächlich meint. Übertrieben ist dies kaum, denn wenn ich nicht in der Lage bin, Texte zu schreiben, die verkaufen, welche Wirkungen erzielen denn dann meine Texte in andern Gebieten wie Unterhaltung? Langeweile? Desinteresse?

Chris Kurbjuhn hat gesagt…

Menschen, die mit ihren Texten nicht verkaufen können oder wollen, haben meiner Erfahrung nach tatsächlich ein Problem, sich direkt an den Leser zu wenden, d.h. sie schreiben eher für sich als für andere. Wenn Autoren Anfangen, unmittelbar für eine Leserschaft zu arbeiten, werden meist auch ihre Texte besser. Ein schönes Beispiel stammt von Stephen King. Der wurde mal gefragt, warum er im Horror-Genre schreibt, und antwortete: "Ich erschrecke gern andere Leute." Wenn ein Autor anfängt, über Wirkung nachzudenken, also sich überlegt, wie er andere Leute erschrecken kann, hat er einen riesigen Schritt voran gemacht.