11.12.06

Expositis

„Ich kann einfach kein Exposé schreiben“, höre ich gar nicht selten von angehenden Autoren, die einen Roman vollendet haben und jetzt an die Verlagssuche gehen, für die ein aussagekräftiges Exposé unerlässlich ist.
Ein solches Exposé sollte ca. 4 Seiten lang sein und eine aussagekräftige Beschreibung des Manuskripts enthalten. Was ist das Thema? Wer ist die Zielgruppe? Wer sind die Hauptfiguren? Wie fängt's an? Wie geht’s weiter? Wie hört's auf? Mehr ist nicht.
Eigentlich erstaunlich, wenn ein Autor stöhnt, Schwierigkeiten beim Verfassen eines solchen Exposés zu haben. Ausgehend von mir selbst wage ich einmal die These, dass letztlich derjenige am Exposé scheitert, der sein Buch noch nicht zu Ende geschrieben hat. Wer eine Geschichte von mehr als 150 Normseiten erdacht, konzipiert, durchkomponiert, zu Papier gebracht und schließlich mindestens einmal überarbeitet hat, für den sollte es nicht allzu schwierig sein, diese Geschichte auf vier Seiten zu beschreiben. Sollte man meinen.
Wer auch mit den berühmten „6 W“ (Wer? Was? Wie? Wo? Warum? Wann?) seine Geschichte nicht in Exposé-Form beschreiben kann, der hat vermutlich noch gar keine, auch wenn er schon hunderte Seiten vollgeschrieben hat.

Kommentare:

Petra hat gesagt…

Im Idealfall sollte es doch auch andersherum gehen: Anhand des Exposés das Buch schreiben.
Dann hat man auch einen Rahmen in dem die Protagonisten sich bewegen können, ohne ihr Eigenleben zu wüst zu gestalten ;-)

Chris Kurbjuhn hat gesagt…

Vollkommen richtig. Natürlich sollte man seine Geschichte, sein Buch, sein Stück nach einem Exposé schreiben, damit man überhaupt weiß, wo's lang geht. Aber dieses Arbeitsexposé wird man wohl kaum gebrauchen können, um damit das fertige Werk einem Verlag oder einem Agenten anzubieten. Da kommt man nicht drum rum, ein neues Expos#e zu schreiben. Letztlich sind das zwei vollkommen verschiedene Dinge und heißen doch beide "Exposé". :)