23.11.06

Weglassen!

Viele Texte kann man dadurch verbessern, dass man alles streicht, was nicht unbedingt zum Verständnis desselben nötig ist. Ein befreundeter Lektor sagte mir einmal: "Einfach alle Adverbien und die Hälfte der Adjektive raus, und schon hast du die meisten Texte um 100 Prozent verbessert."
Derjenige, der sich bei Konzeption bzw. Niederschrift seiner Texte Gedanken über deren größtmögliche Verknappung macht, schreibt meist auf Anhieb bessere Texte als derjenige, der zunächst einmal "in die Breite" arbeitet, und alles in den Text hinein schreibt, was ihm gerade einfällt.
Wer mit Verknappung arbeiten will, braucht eine funktionierende Struktur in seinem Text. Der Leser muss ja später sozusagen das Weggelassene erraten können, und dafür braucht er gewisse Anhaltspunkte, denn Verknappen bedeutet, mit der Erwartungshaltung des Lesers zu spielen, sie zu erfüllen oder sie bewußt zu konterkarieren.
Im Dialog schließlich ist das Weglassen ein wunderbares Mittel um Figuren zu charakterisieren bzw. Pointen zu setzen. Ein geniales Beispiel findet sich am Ende des sogenannten "Teasers" (also der Sequenz vor dem Vorspann) des neuen Bond-Films (Nebenbei: unbedingt ansehen! Fantastisches Popcorn-Kino, ein Meilenstein der Serie!): Jede Menge "weggelassener" Dialog (weil die Figuren eh wissen, was der jeweils andere jetzt sagen wird), der in einer herrlich zynischen Pointe gipfelt, die aus zwei (!) Worten besteht.

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