7.11.06

Dialog IV: Wo schreib ich Dialog? - Prosa

Endlich geht’s weiter mit meinen Tipps zum Dialogschreiben. Heute will ich mich der erzählenden Prosa zuwenden, also dem Dialog in Erzählung und Roman. Wo in den bisher angesprochenen Genres der Dialog meist das Rückgrat beinahe jeder Szene bildet, so sollte in der erzählenden Prosa der Dialog immer dem Besonderen, dem Wichtigen vorbehalten bleiben. In der erzählenden Prosa ist es letztlich die Behandlung der Zeit, an der man u.a. die Könnerschaft eines Autors erkennt. Wo dehnt er die Momente, wann fasst er Tage, Wochen, Monate in wenigen Sätzen zusammen? Dialoge im Roman sind „Echtzeit“, hier wird der Leser scheinbar unmittelbar und ungefiltert Zeuge des Geschehens, deshalb sollte man ihn nicht mit Gesprächen über Banalitäten langweilen und enttäuschen.
Ein sehr gutes Mittel, um packenden Dialog zu schreiben ist es, möglichst spät in eine Dialogszene einzusteigen. Wenn z. B. Tom, Dick und Hary sich zufällig im Wartezimmer eines Zahnarztes treffen, sich freundlich begrüßen, ein wenig über alte Zeiten reminiszieren, vielleicht noch ihrer Angst vorm Zahnarzt Ausdruck verleihen um schließlich in einen Streit zu geraten, der auf das eigentliche Thema des Romans zurückführt... dann wäre es vermutlich eine gute Idee, das anfängliche Geplänkel zu raffen oder gleich wegzulassen und mit dem Streit in den Dialog einzusteigen.
Ebenso sollte man den Dialog zum frühestmöglichen Zeitpunkt verlassen. Wenn Tom, Dick und Harry sich gestritten haben, dann müssen wir nicht als letztes lesen, dass Harry sagt: „Ihr habt ja recht, ihr zwei.“ Der Dialog ist in dem Moment beendet, in dem Tom (oder Dick) das entscheidende Argument bringt, das Harrys Sicht der Dinge widerlegt. Die nachfolgenden Rückzugsgefechte u.ä. Können wir uns und unseren Lesern ersparen, es sei denn, sie enthalten noch etwas, was für den weiteren Fortgang der Handlung wichtig ist. Vielleicht den Ausgangspunkt für einen neuerlichen Konflikt?
Denn das ist in jedem Genre wichtig für guten Dialog: Konflikt. Wenn die miteinander sprechenden Figuren keinen Konflikt austragen, haben wir eine statische Dialogsituation an Stelle einer dynamischen. Aus einer statischen Situation heraus jedoch schreibt man meist einen Dialog, in dem die Figuren sich etwas erzählen. Und das ist meist nicht gut. Auch und gerade im Dialog gilt: „Show, don't tell!“ - Zeige es, erzähl nicht davon!

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