10.10.06

Dialog III: Wo schreib ich Dialog? - Hörspiel und Fernsehen

Und weiter geht`s mit den Betrachtungen und Tipps zum Thema Dialog. Heute sind Hörspiel und Fernsehen an der Reihe. Dialoge in diesen beiden Medien sind eng mit dem Theater-Dialo verwandt, weil wir auch hier die wörtliche Rede benutzen (müssen), um die Aufmerksamkeit unseres Publikums zu lenken. Beim Hörspiel kommt das geradezu einer Binsenweisheit gleich, denn hier ist der Dialog ja das offensichtlichste Medium des Autors, weil - Überraschung! - das Radio ja keine Bilder überträgt.
Trotzdem lauert gerade hier eine Falle, in die viele Autoren hineintappen, die noch keine Erfahrung in diesem Genre haben. Auch und gerade im Hörspiel gilt nämlich der oberste Grundsatz erfolgreichen Erzählens "Show, don't tell!", also "Zeige es, erzähle nicht davon." Man sollte - und das gilt nicht nur für das Hörspiel, sondern praktisch für jedes Genre - gar nicht erst versuchen, eine Sezne zu schreiben, in der eine Person einer anderen von einem aufregenden Ereignis erzählt. In früheren Zeiten war das als erzählerische Technik vielleicht noch akzeptabel, ein modernes Publikum jedoch will unmittelbar an der Handlung teilhaben. Diese Funktion muss der Hörspiel-Dialog haben. Natürlich gibt es Ausnahmen: Eine Erzählung im Dialog ist im Hörspiel wie in anderen Genres immer dann legitim, wenn ein Subtext darunter liegt, der über das bloße Repetieren vergangenen Geschehens hinausgeht. Bezweckt die Figur etwas mit der Geschichte, dei sie da erzählt? Will sie damit jemanden provozieren, beruhigen oder eine Intrige spinnen? Ein derart motivierter Erzähldialog oder Erzählmonolog kann Basis einer spannende Szene sein.
Hörspiel und Fernsehen haben eins gemeinsam: Die in diesen Medien erzählten Stories werden oft "nebenbei" rezipiert, also die Hörspiele beim Autofahren oder beim Joggen, die Fernsehserie beim Bügeln, beim Abendessen usw. Gerade beim Fernsehen muss der Dialogautor sich immer bewußt sein, für welches Format er schreibt. Konterkarierenden bzw. Dialog, der extensiv mit Subtext arbeitet kann ich nur für einen in der Primetime versendetes TV-Movie oder eine entsprechende Serie schreiben. Ansonsten ist es beim Fernsehen der Dialog, der dafür sorgt, dass der Zuschauer bei der Stange bleibt, auch wenn das Telefon klingelt, die Kartoffeln überkochen oder man schnell mal den Raum verlassen musste. Der Dialog spinnt im Fernsehen meist den roten Faden der Handlung fort, Subtext, Konterkarieren und Weglassen können nur eine Rolle spielen, wenn man sich der hundertprozentigen Aufmerksamkeit des Publikums sicher sein kann.
Und wenn man für eine Daily o. ä. schreibt, dann muss man manchmal sogar gegen die soeben postulierte "Show, don't tell!"-Regel verstoßen. Eine neue Folge einer solchen Serie muss immer zahlreiche Informationen aus dem Bereich "Was bisher geschah" enthalten, einerseits, um Fans, die die eine oder andere Folge verpaßt haben, auf den neuesten Stand zu bringen, andererseits, um neuen Zuschauern den Einstieg zu erleichtern bzw. überhaupt zu ermöglichen. Das muss meist über den Dialog geschehen, und hier bleibt einem oft nichts anderes übrig, als eine Figur erzählen zu müssen. Man sollte in diesen Dialog jedoch immer noch die Austragung eines Konfliktes bzw. einen ähnlichen, spannenden Subtext einbauen. Einerseits, um auch den Zuschauern, die den Inhalt der Erzählung schon kennen, etwas neues zu bieten, andererseits natürlich, um guten Dialog zu schreiben. Und guter Dialog sollte immer mehr sein, als bloßes Repetieren oder Transportieren von Geschehnissen.
Demnächst mehr, und zwar zum Dialog in der erzählenden Prosa.

1 Kommentar:

nixugong hat gesagt…

Thanks for your share! very impressive!

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