6.9.06

Lesen

"Während ich an einem Projekt arbeite, lese ich grundsätzlich nichts von anderen Autoren. Das bringt mir nichts, und ich möchte mich auch nicht beeinflussen lassen."
Diesen Satz habe ich (natürlich mit Abwandlungen) schon ziemlich häufig gehört, seit ich angehende Autoren betreue. Wenn man - wie ich - davon ausgeht, dass Schreben in erster Llnie ein Handwerk ist, dann sollte man einmal versuchen, obigen Satz auf Mitglieder anderer Zünfte anzuwenden.
Der Koch: "Wenn ich koche, esse ich grundsätzlich nichts. Nur so kann ich sicher sein, dass mein Gericht unverfälscht und authentisch aus der Pfanne kommt."
Der Tischler: "Wenn ich einen Tisch baue, meide ich andere Tische so gut es geht. Ich möchte mich auf meinen Tisch konzentrieren, in den keine unerwünschten Einflüsse hineingeraten sollen."
Klingt plötzlich ziemlich dämlich, nicht wahr? Irgendwie... borniert? Richtig. Ist äußerst dämlich und total borniert. Und funktioniert gerade bei Autoren überhaupt nicht.
Ich kenne keinen erfolgreich arbeitenden Autor, der nicht glechzeitig ein fanatischer Leser wäre. Natürlich nicht. Ich kenne auch keinen (guten!) Koch, der nicht gleichzeitig ein begeisterter Freßsack wäre.
Letztlich kann nur derjenige ein Meister seines Fachs werden, der die Meisterwerke seines Handwerks studiert und versucht, die eigene Kunstfertigkeit anhand des meisterhaften Vorbilds zu vervollkommnen.
Es gibt tausende von Gründen, ein gutes Buch zu lesen. Ich kenne keinen einzigen, es nicht zu tun.

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