15.9.06

Genial daneben

Viele Menschen, die nach Veröffentlichungsmöglichkeiten für ihre Texte suchen, glauben, dass es auf Originalität ankommt. "Ich habe eine vollkommen neuartige Geschichte geschrieben!" - "Meine Story wird die Literaturgeschichte auf den Kopf stellen!" - "Mein Buch wird herkömmliche Lesegewohnheiten vollkommen umkrempeln."
Derartige Statements sind bestenfalls genial daneben. "Genial", weil den Urhebern besagter Sätze möglicherweise tatsächlich vollkommen neuartige, spannende Stories eingefallen sind. "Daneben", weil das Kriterium von Verlagen, Redaktionen und Produktionsgesellschaften eben meist nicht Originalität ist, sondern das Bedienen oder Vorausahnen eines Trends. Kleines Beispiel: Lange Zeit konnte man sich die Aufmerksamkeit eines Fernsehredakteurs relativ einfach mit den Worten "Ich habe einen Stoff wie Columbo" sichern. "Ich hab was wie Harry Potter!" hilft zur Zeit möglicherweise noch bei Jugendbuchverlagen, doch Abnutzungserscheinungen machen sich, wie ich höre, bereits bemerkbar.
Wer Texte mit der vordringlichen Motivation schreibt, dieselben verkaufen zu können, sollte eben nicht nach unbedingter Originalität streben. Sondern nach der Variation eines erfolgreichen Themas. Deshalb hab ich diesen Beitrag auch "Genial daneben" betitelt. Weil gleichnamige Fernsehshow überhaupt nichts originelles ist, sondern "Was bin ich?" mit beknackten Begriffen statt mit beknackten Berufen.
Und bevor es jemand mißversteht: Ich finde "Genial daneben" viel besser als "Was bin ich?".

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