28.9.06

Dialog I: Wann schreibe ich Dialog?

Mit leichter Verspätung (Sorry, habe zur Zeit gottseidank viel zu tun) möchte ich heute die versprochenen ersten Dialogtipps ins Blog schreiben. Beginnen möchte ich mit einem kurzen Zitat von Alfred Hitchcock aus dem wunderbaren Buch "Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?" von Francois Truffaut: "Wenn das Drehbuch geschrieben ist und die Dialoge hinzugefügt wurden..."
Hitchcock macht uns hier en passant darauf aufmerksam, das der Dialog meistens zum Schluß geschrieben wird. Nicht nur beim Drehbuch, auch beim Theaterstück oder beim Roman hat der Autor ja meist seine Idee zu Papier gebracht, recherchiert, Figuren konzipiert, ein Exposé und ein Treatment geschrieben, bevor er den ersten Dialogsatz geschrieben hat. Diese Tatsache sollte sich jeder Autor zu nutze machen und genau überlegen, wann er die wörtliche Rede zu welchem Zweck einsetzt.
In der erzählenden Prosa ist der konventionelle Einsatz von Dialog einfach zu definieren: Wir verwenden die wörtliche Rede meist, um unsere Leser ganz unmittelbar anzusprechen, sie in die Handlung hineinzuziehen, sie die dort sprechenden Figuren belauschen zu lassen.
Daraus folgt - mindestens - zweierlei:
1. Das, was unsere Figuren sich mitzuteilen haben, sollte von Bedeutung sein. Was wie eine Binsenweisheit klingt, wird jedoch oft genug vernachlässigt. Viele Autoren haben es sich beim Dialogschreiben zur Angewohnheit gemacht, sich erstmal mit ein paar Sätzen in das Gespräch hinein zu schreiben, bzw. Nebensächliches ins Gespräch einzustreuen, "um Atmosphäre" zu lassen. Als Leser stört mich derartiges kolossal, weil es letztlich von schlampiger Schreibe und oberflächlichem Lektorat zeugt. Wenn ich Dialog benutzen muss, um Atmosphäre zu schaffen, stimmt etwas mit der Konzeption meiner Story nicht. Wenn ich keinen Dialog schreben kann, ohne sofort auf den Punkt zu kommen, muss ich eventuell an meiner Beherrschung des Handwerkszeugs feilen.
2. Wir dürfen nicht lügen. Das, was wir unseren Figuren in den Mund legen, müssen sie auch - in der Meta-Ebene unserer Erzählung - tatsächlich gesagt haben. Fragen Sie mich nicht warum, es funktioniert einfach nicht. Denken Sie ans Kino: Wenn sich im Film eine Rückblende im Nachhinein als Lüge entpuppt, reagiert das Publikum meist - von wunderbaren Ausnahmen wie "Die üblichen Verdächtigen", die aber ganz bewußt mit dieser Besonderheit des Genres spielen natürlich abgesehen - enttäuscht.
In der erzählenden Prosa sollten wir die direkte Rede in denMomenten einsetzen, an denen wir unseren Lesern mit größter Wahrhaftigkeit gegenübertreten, um sie an etwas Teil haben zu lassen, das von größtmöglicher Bedeutung für unsere Geschichte ist.
Sehr viele Superlative, nicht wahr? Ja. Denn wenn etwas keinen Superlativ rechtfertigt, sollten wir es auch nicht in Dialoge packen.
Demnächst mehr.

1 Kommentar:

pitterle1999 hat gesagt…

ja, eine ganz schwierige Frage. Denke gerade auch intensiv über Dialogo nach: http://schreiberfahrungen.blog.de