28.8.06

Trübe Aussichten

DIE AUTOREN: Die Toskana kann warten — Tagesspiegel Online - Nachrichten: "Wie Berliner Lesebühnen-Autoren sich über Wasser halten. Drei Selbstauskünfte"
Der Mut dieser 3 Männer, ein mehr als bescheidenes Leben voller Unsicherheit führen zu wollen, um Schreiben zu können, verdient Bewunderung, Respekt, Hochachtung. Die Bereitwilligkeit, mit der sie "Mit Schreiben kann man nur wenig Geld verdienen" akzeptieren, macht nachdenklich.
Zugegeben, dass es den meisten Autoren hierzulande nicht gut geht, ist eine Binsenweisheit. In den letzten Jahren sind u.a. durch die Kirch-Pleite, die Einführung neuer Programmformate, die auf herkömmliche Drehbücher verzichten, und die unvermeidlichen Einsparungen zahlreiche Verdienstmöglichkeiten bei Fernsehen und Funk weggebrochen. Bei den Tantiemen, die Verlage ihren Autoren zubilligen, muss man schon einen veritablen Bestseller schreiben, damit die mehrjährige Arbeit an einem Buch sich rechnet. Und in den Printmedien gehen die Spatzen auf den Knien und die Mäuse schauen die Freien Mitarbeiter aus verweinten Augen an. Wohl dem Autor, der einen Brotberuf hat... Brotberuf? War da nicht etwas mit "Stellenabbau"? "Globalisierung"? Der Autor, der jetzt noch einen Brotberuf hat, muss mittlerweile oft die Arbeit von mehreren wegrationalisierten Kollegen mit erledigen und hat kaum noch Zeit und Kraft für eigene Projekte. Jaja, ich weiß... die Verhältnisse. So sind sie eben. Können wir nicht ändern.
Nur... wo sollen wir in ein paar Jahren die Schriftsteller hernehmen? Von "Mit Schreiben kann man nur wenig Geld verdienen" zu "Mit Schreiben kann man kein Geld verdienen" ist es nicht weit. Wollen wir in Zukunft uns unsere Lektüre wirklich aus den Gratis-Blogs und den Mitmach-Kurzgeschichten von Web 2.0 zusammenklicken? Warum sollte auch der Talentierteste noch Schriftsteller werden wollen, wenn er keine Chance hat, von seiner Arbeit zu (über)leben?

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