7.3.06

Organisation ist alles

Diejenigen, die dieses Blog regelmäßig lesen, wissen, dass ich ein Notizenfetischist bin. Ich mißtraue meiner eigenen Kreativität zutiefst: Ich muss mich nur an den Schreibtisch setzen, „um mir etwas einfallen zu lassen“ – dies ist eine absolut sichere Methode, wie ich mein Hirn in Sekundenbruchteilen komplett entleeren und in eine für mehrere Stunden komplett ideenfreie Zone verwandeln kann. Dass ich trotzdem noch arbeiten kann, verdanke ich einem kleinen Karteikästchen, in dem sich meine Notizzettel befinden. Per Email erreichte mich heute die Frage, wie ich denn meine Notizen organisiere. Nun denn.

Es ist Zeit für ein Geständnis. Bisher habe ich Ihnen immer weiss gemacht, ich würde das Haus niemals verlassen, ohne einen Notizblock mit mir herumzutragen. Ich schäme mich, es zu gestehen, aber ich habe Sie diesbezüglich angeschwindelt. Ich habe immer mindestens zwei Notizblöcke dabei, wenn ich das Haus verlasse: einem, in den ich mir gezielt Notizen mache für das konkrete Projekt, an dem ich gerade schreibe. In den anderen wandern Notizen über zukünftige bzw. derzeit ruhende Projekte und die berüchtigten „generellen Notizen“: Beobachtungen, Typen, geschmeidige Formulierungen, rudimentäre oder ausgefeiltere Plotideen.

Die Notizen aus dem Block für das aktuelle Projekt werden täglich sortiert, die anderen alle zwei bis drei Tage (realistisch betrachtet: einmal pro Woche, ehrlich gesagt: meistens monatlich). Drei große Zettelkästen (Geschichten & Beobachtungen/Figuren/Sprache) nehmen die „allgemeinen“ Ideen auf, Plot-Ansätze, originelle Charaktere, aufgeschnappte Redewendungen. Jedes konkrete Projekt (also ein in Arbeit befindliches Theaterstück, Drehbuch, ein Roman oder eine Kurzgeschichte) hat einen eigenen Zettelkasten, wobei ich bei der Organisation von Projekt zu Projekt flexibel bin, meist aber figurenorientiert arbeite, also die verschiedenen Ideen und Fundstücke den Figuren des jeweiligen Projekts zuordne, für die ich sie verwenden will.

Dies ist für mich praktisch, weil ich meist figurenorientiert arbeite, d.h. ich entwickle meine Geschichten beinahe ausschließlich über die handelnden Figuren. Das bedeutet aber auch, dass ich – spätestens wenn ich das Treatment schreibe – meine Notizen umsortiere: Die werden jetzt nicht mehr figurenorientiert sondern nach der Chronologie der Erzählung sortiert. Was übrigens für mich das Schreiben eines Treatments kolossal vereinfacht: Oftmals ergibt sich eine funktionierende Struktur bereits durch das Neusortieren der Notizen!

Der jeweils wichtigste Zettelkasten ist der des aktuellen Projekts, also der, an dem ich augenblicklich schreibe. Der wird täglich neu sortiert, und zwar am Ende meines jeweiligen Arbeitstages. Da gehe ich den ganzen Zettelkasten durch, sortiere alles aus, was während des Tages in das Projekt hineingeschrieben wurde und mache einen kleinen Stapel der Notizen, die ich am nächsten Tag zu verwenden gedenke. Die lege ich vorsortiert neben die Tastatur, bevor ich den PC ausschalte, und während dieses „Vorsortierens des nächsten Tages“ habe ich in meinem Hinterkopf schon eine ziemlich konkrete Ahnung von dem entwickelt, was ich am nächsten Tag schreiben werde.

Keine Kommentare: