20.12.06

Schlechte Verkäufer

Den Satz „Ich kann mich selbst so schlecht verkaufen.“ hört man oft, wenn Autoren beieinander sitzen und sich über die Lage an ihrem Arbeitsmarkt austauschen. Verlagssuche, Drehbuch verkaufen, Aufträge acquirieren... unangenehm, schwierig, eklig!

Früher habe ich selbst oft und gern diesen Satz gesagt/benutzt, wenn es darum ging, meine Texte bzw. meine Arbeitskraft als Autor irgendwo anzubieten. Heute schäme ich mich für die dumme, kokette Gedankenlosigkeit, für die dieser Satz steht. Letztlich ist er nichts anderes als ein Armutszeugnis für den Autor, der ihn ausspricht. Auch und gerade jemand, der Texte zur Veröffentlichung schreibt, muss auch ein Verkäufer sein. Er muss beim Leser Interesse für seine Ideen, seine Plots, seine Figuren und ihre Gefühle wecken. Er will ja beim Leser Emotionen auslösen, ihn bewegen, zum Lachen und zum Weinen bringen... Wie soll das jemand zu Wege bringen, der von sich selbst behauptet, er habe Probleme, andere von seinen professionellen Qualitäten zu überzeugen?

11.12.06

Expositis

„Ich kann einfach kein Exposé schreiben“, höre ich gar nicht selten von angehenden Autoren, die einen Roman vollendet haben und jetzt an die Verlagssuche gehen, für die ein aussagekräftiges Exposé unerlässlich ist.
Ein solches Exposé sollte ca. 4 Seiten lang sein und eine aussagekräftige Beschreibung des Manuskripts enthalten. Was ist das Thema? Wer ist die Zielgruppe? Wer sind die Hauptfiguren? Wie fängt's an? Wie geht’s weiter? Wie hört's auf? Mehr ist nicht.
Eigentlich erstaunlich, wenn ein Autor stöhnt, Schwierigkeiten beim Verfassen eines solchen Exposés zu haben. Ausgehend von mir selbst wage ich einmal die These, dass letztlich derjenige am Exposé scheitert, der sein Buch noch nicht zu Ende geschrieben hat. Wer eine Geschichte von mehr als 150 Normseiten erdacht, konzipiert, durchkomponiert, zu Papier gebracht und schließlich mindestens einmal überarbeitet hat, für den sollte es nicht allzu schwierig sein, diese Geschichte auf vier Seiten zu beschreiben. Sollte man meinen.
Wer auch mit den berühmten „6 W“ (Wer? Was? Wie? Wo? Warum? Wann?) seine Geschichte nicht in Exposé-Form beschreiben kann, der hat vermutlich noch gar keine, auch wenn er schon hunderte Seiten vollgeschrieben hat.

5.12.06

Eifel-Recherche

Als Ergänzung zum letzten Beitrag möchte ich von einem Wochenende erzählen, dass ich vor ein paar Jahren in der Eifel verbringen konnte. Organisiert von Krimi-Autor Jacques Berndorf trafen sich Autoren, Aficionados und Eifel-Fans, um gemeinsam mit Berndorf auf den Spuren seiner Krimis zwei Tage lang die Eifel zu durchstreifen. Herrlich!
Und verblüffend. Denn wenn man gemeinsam mit dem Autor die Schauplätze der Berndorf-Krimis besuchte, wurde einem schlagartig das Erfolgsgeheimnis von Berndorfs "Eifel"-Serie um den ermittelnden Journalisten Siggi Baumeister klar: Authentizität. Berndorf (be)schreibt das, was er kennt. Er selbst war jahrzehntelang äußerst erfolgreich als Journalist tätig und hat sich mit Baumeister ein Alter Ego von äußerster Wahrhaftigkeit geschaffen. Und wenn man die Schauplätze der "Eifel"-Krimis besucht, merkt man sofort: Berndorf ist vor Ort gewesen. Wenn er von einer maroden Krüppelkiefer an der Kreuzung zweier Waldwege schreibt, dann kann man sich darauf verlassen, dass es diese Kreuzung mit der maroden Kiefer genau da gibt, wo er sie reingeschrieben hat.
Letztlich sucht Berndorf sich für einen Roman ein Thema, das er als erstes akribisch recherchiert. Dann recherchiert und besucht er die für sein Thema relevanten Schauplätze und Figuren in der Eifel, und dann "legt er ein paar Leichen in die Eifel", wie er sagte.
Ein ganz großer Vorteil dieser Arbeitsweise ist der Spaß, den sie dem Autor macht. "Warum soll ich mir das alles mühsam am Schreibtisch ausdenken, wenn ich stattdessen zwei Stunden im Wald spazieren gehen kann?"

4.12.06

Über das, was man wirklich kennt...

Gelobt sei das Internet! Als Autor weiß man doch gar nicht mehr, wie man ohne Netzanschluß gelebt hat. Wenn man damals recherchieren mußte, hat man sich von Bibliothek zu Archiv zu Location die Schuhsohlen durchgelatscht, und heute kann man fast alles vom Schreibtisch aus erledigen. Ist doch Klasse, oder?
Ich fürchte, nein! Das Internet kann die klassische Vor-Ort-Recherche eines Autors niemals ersetzen. Gerade bin ich zufällig auf einen Kollegen gestoßen, der sich die Schauplätze seines geplanten nächsten Romans im Internet zusammenklaubt. Er fragt andere Kollegen per Mail, postet in Foren, usw. Ich wage mal die Prognose, dass seine Story weit hinter seinen eigenen Erwartungen zurückbleiben wird, wenn er sich nicht doch noch vor Ort bemüht.
Ein Beispiel: Nehmen wir an, ich brauche für eine Szene ein Ausflugslokal mit Terrasse am Waldrand. Eine Handvoll derartiger Locations inklusive aussagekräftiger Fotos hab ich mir in Nullkommanix zusammengegoogled (Wie schreibt man eigentlich "gegoogled"? Wirklich so?), da kann ich mir ein prima Bild machen und gleich die Szene schreiben, oder?
Wieder nein. Weil ich mir nur ein Bild gemacht habe. Wenn ich aber mit allen Sinnen schreiben will - was ich den Teilnehmern aller meiner Kurse empfehle - weiß ich noch nicht, wie es in dem Lokal riecht. Wachsen vor der Terrassee vielleicht Wildkräuter, die sich ein intensives Duftduell mit dem Pommes-Ranz aus der Schniposa-Küche des Lokals liefern? Gibt es vielleicht einen originellen Kellner, den ich einbauen könnte? Was für Menschen verkehren in diesem Lokal? Spielen Kinder auf der Terrasse, die meine Protagonisten eventuell im Gespräch stören? Oder ist eine andere Lärmquelle in unmittelbarer Nähe? Alles Dinge, die ich mir am Schreibtisch mühsam herbeifantasieren müßte, vor Ort jedoch geradezu sturzbachartig in mein Notizbuch eintragen könnte.
In meinen Kursen wiederhole ich gern gebetsmühlenartig, dass man nur über das Schreiben soll, was man kennt. Vielleicht sollte ich meinen Standardsatz erweitern. Über das, was man wirklich kennt...

23.11.06

Weglassen!

Viele Texte kann man dadurch verbessern, dass man alles streicht, was nicht unbedingt zum Verständnis desselben nötig ist. Ein befreundeter Lektor sagte mir einmal: "Einfach alle Adverbien und die Hälfte der Adjektive raus, und schon hast du die meisten Texte um 100 Prozent verbessert."
Derjenige, der sich bei Konzeption bzw. Niederschrift seiner Texte Gedanken über deren größtmögliche Verknappung macht, schreibt meist auf Anhieb bessere Texte als derjenige, der zunächst einmal "in die Breite" arbeitet, und alles in den Text hinein schreibt, was ihm gerade einfällt.
Wer mit Verknappung arbeiten will, braucht eine funktionierende Struktur in seinem Text. Der Leser muss ja später sozusagen das Weggelassene erraten können, und dafür braucht er gewisse Anhaltspunkte, denn Verknappen bedeutet, mit der Erwartungshaltung des Lesers zu spielen, sie zu erfüllen oder sie bewußt zu konterkarieren.
Im Dialog schließlich ist das Weglassen ein wunderbares Mittel um Figuren zu charakterisieren bzw. Pointen zu setzen. Ein geniales Beispiel findet sich am Ende des sogenannten "Teasers" (also der Sequenz vor dem Vorspann) des neuen Bond-Films (Nebenbei: unbedingt ansehen! Fantastisches Popcorn-Kino, ein Meilenstein der Serie!): Jede Menge "weggelassener" Dialog (weil die Figuren eh wissen, was der jeweils andere jetzt sagen wird), der in einer herrlich zynischen Pointe gipfelt, die aus zwei (!) Worten besteht.

17.11.06

Innovationen?

Ich habe jetzt auch auf die neue Bloggerversion umgestellt, nicht zuletzt, um die Angelegenheit hier durch das Verteilen von Labels übersichtlicher gestalten zu können. Hätte ich gewußt, dass dadurch die Umlaute in meinen Links zerschossen werden, hätte ich wohl doch noch etwas gewartet. Wenn jemand eine Lösung für dieses Problem hat, wäre ich für einen Hinweis dankbar.

Neue Blogs

Zwei vielversprechende neue Literatur-Blogs entdeckt: Unter Seite4 schreiben Autoren des bücher magazin über Menschen, Geschichten und Bücher.
Schon seit einigen Monaten und schändlicherweise erst jetzt von mir entdeckt schreibt Lothar Resse über Leben & Schreiben & Lesen.
Viel Spaß bei den Kollegen!

12.11.06

Dialog V: One-Liner

One-Liner sind Dialog-Pointen, die ohne Vorbereitung funktionieren. Die "klassische" Pointe funktioniert nach dem 1-2-3-Schema, also 1. Motiv einführen, 2. Motiv wiederholen, 3. Entstandene Erwartungshaltung bestätigen oder brechen. Den One-Liner nimmt man, wen es schneller gehen muss oder... wenn man eine Figur hat, deren Charakteristik sie für One-Liner prädestiniert, wie z. B. der arrogante Pathologe, den Liefers in den Tatorten mit Axel Prahl spielt. Gerade eben gesehen: Liefers und Prahl begutachten die Leiche eines bei einem Autounfall vermutlich ermordeten Wissenschaftlers.
Prahl: "Was hat der hier gesucht?"
Liefers: "Steine. Pilze. Inneren Frieden. Bei diesen Ethnologen weiß man nie."
Klasse!

9.11.06

Übersetzen

Aus Rücksicht auf die übersetzenden Kollegen und den lieben Freund, der mir das Buch geschenkt hat, verschweige ich mal den Titel meiner derzeitigen Lektüre, sondern sage nur, dass es sich um ein aufwändigst gestaltetes Filmbuch handelt, einen veritablen Prachtband mit an die 300 Seiten, aus dem Englischen übersetzt... oder besser gesagt, nicht übersetzt.
Die Freude an besagtem Band wird zumindest bei mir durch die vollkommen unzureichende Übersetzung getrübt: Da wird "graphic violence" tatsächlich zu "graphischer Gewalt" eindeutscht, und die TV-Erstausstrahlung eines Kinofilms in ein "US-Netzwerk" verlegt, um nur zwei Beispiele zu nennen. Tatsächlich findet sich beinahe auf jeder zweiten Seite des Buchs ein derart grober Klops, so dass ich mich tatsächlich fragen muss, ob der Verlag meint, dass das Buch eh nur dekorativ auf den Kamin-Tischen herumliegen und von niemandem gelesen werden soll.
Die Wahrheit ist vermutlich eine andere und bei unterbezahlten Übersetzern und einem überlasteten Lektorat zu suchen, denn derartig schlampige Arbeit ist in den letzten Jahren eher zur Regel denn zur Ausnahme geworden. Angesichts der Beträge, die viele Verlage für Übersetzungen und entsprechende Lektorate überhaupt noch auszugeben bereit sind, bleibt vielen Kollegen gar nichts anderes mehr übrig, als ihre Arbeit oberflächlich auszuführen. Notgedrungen müssen sie mehr Aufträge annehmen, um die Miete, die Krankenversicherung, das Mittagessen usw. bezahlen zu können.
Was hat das letztendlich zur Folge? Ich auf jeden Fall werde für längere Zeit kein Buch des Verlags mehr kaufen, der das oben erwähnte Buch herausgebracht hat, ohne mich vorher versichert zu haben, dass die Übersetzung sich in akzeptablem Rahmen bewegt. Für derart hilfloses Gestammel bin ich nicht bereit, Geld auszugeben.
Und in diesem Fall heißt Kostenersparnis eben: Wenn eine Branche die Kreativen aushungert, also die Menschen, die letztlich die Bücher machen, schadet sie sich selbst. Von Büchern solcher Qualität wird man deutlich geringere Stückzahlen verkaufen können, als von einem qualitativ akzeptablen Produkt.
Angesichts dessen muten die derzeitigen Auseinandersetzungen um das neue Urheberrechtsgesetz geradezu bizarr an. Hier schachern sich Politik, Rechteverwertungsindustrie und Interessenverbände ein Gesetz zusammen, bei dem der eigentliche Urheber zur Kompromiss-Masse wird. Die Presse leistet das ihrige und romantisiert das "Prekariat" zu einer digitalen Bohéme, und die Auswirkungen werden wir uns in ein paar Jahren zu Gemüte führen können. Dann stehen die Klopse nicht mehr in den schlecht übersetzten Büchern, dann werden sie von den Übersetzern ganz real gebraten. Weil man dann mehr Geld als Aushilfe in einem Imbiss verdienen kann als als Übersetzer. Zum Teil ist es schon heute so.

7.11.06

Dialog IV: Wo schreib ich Dialog? - Prosa

Endlich geht’s weiter mit meinen Tipps zum Dialogschreiben. Heute will ich mich der erzählenden Prosa zuwenden, also dem Dialog in Erzählung und Roman. Wo in den bisher angesprochenen Genres der Dialog meist das Rückgrat beinahe jeder Szene bildet, so sollte in der erzählenden Prosa der Dialog immer dem Besonderen, dem Wichtigen vorbehalten bleiben. In der erzählenden Prosa ist es letztlich die Behandlung der Zeit, an der man u.a. die Könnerschaft eines Autors erkennt. Wo dehnt er die Momente, wann fasst er Tage, Wochen, Monate in wenigen Sätzen zusammen? Dialoge im Roman sind „Echtzeit“, hier wird der Leser scheinbar unmittelbar und ungefiltert Zeuge des Geschehens, deshalb sollte man ihn nicht mit Gesprächen über Banalitäten langweilen und enttäuschen.
Ein sehr gutes Mittel, um packenden Dialog zu schreiben ist es, möglichst spät in eine Dialogszene einzusteigen. Wenn z. B. Tom, Dick und Hary sich zufällig im Wartezimmer eines Zahnarztes treffen, sich freundlich begrüßen, ein wenig über alte Zeiten reminiszieren, vielleicht noch ihrer Angst vorm Zahnarzt Ausdruck verleihen um schließlich in einen Streit zu geraten, der auf das eigentliche Thema des Romans zurückführt... dann wäre es vermutlich eine gute Idee, das anfängliche Geplänkel zu raffen oder gleich wegzulassen und mit dem Streit in den Dialog einzusteigen.
Ebenso sollte man den Dialog zum frühestmöglichen Zeitpunkt verlassen. Wenn Tom, Dick und Harry sich gestritten haben, dann müssen wir nicht als letztes lesen, dass Harry sagt: „Ihr habt ja recht, ihr zwei.“ Der Dialog ist in dem Moment beendet, in dem Tom (oder Dick) das entscheidende Argument bringt, das Harrys Sicht der Dinge widerlegt. Die nachfolgenden Rückzugsgefechte u.ä. Können wir uns und unseren Lesern ersparen, es sei denn, sie enthalten noch etwas, was für den weiteren Fortgang der Handlung wichtig ist. Vielleicht den Ausgangspunkt für einen neuerlichen Konflikt?
Denn das ist in jedem Genre wichtig für guten Dialog: Konflikt. Wenn die miteinander sprechenden Figuren keinen Konflikt austragen, haben wir eine statische Dialogsituation an Stelle einer dynamischen. Aus einer statischen Situation heraus jedoch schreibt man meist einen Dialog, in dem die Figuren sich etwas erzählen. Und das ist meist nicht gut. Auch und gerade im Dialog gilt: „Show, don't tell!“ - Zeige es, erzähl nicht davon!

16.10.06

"Passt nicht ins Programm"

Verlagswesen: Sauber reingelegt Bücher Kultur FOCUS Online in Kooperation mit MSN:
"Ein Kinderbuchautor hat die britische Buchbranche gefoppt, indem er die Bedienungsanleitung seiner neuen Waschmaschine als Romanmanuskript einreichte. 'Nach einem Stromausfall startet die Maschine automatisch wieder an der Stelle im Programm, an der sie gestoppt hatte, und setzt dann den Waschvorgang fort.' Das klingt nicht unbedingt nach einem Satz aus einem potenziellen Bestseller-Roman, doch als der britische Autor John Howard diese Passage und andere Textstellen aus der Betriebsanleitung seiner neuen Waschmaschine bei 30 Literaturagenten und Verlagen auf der Insel einreichte, bekam er durchaus freundliche Antworten. Man habe seinen Text sehr gerne gelesen, versicherten die Buchexperten, er passe nur nicht so recht in das Verlagsprogramm. Sorry."
Nun ja. Ich sehe hier wirklich keinen Grund, mit dem Finger auf die betroffenen Verlage zu zeigen. Ich empfehle dringend einen Besuch in der Posteingangsstelle eines großen Verlags. Angesichts der Menge an Manuskriptpapier, die dort täglich aufschlägt, wird jedem Autor schlagartig klar, dass er mit dem berühmten "unverlangt eingesandten Manuskript" keine Chance hat, egal, ob man nun ein potenzielles Bestseller-Manuskript oder die Gebrauchsanleitung von John Howards Waschmaschine einreicht.
Wenn man tatsächlich Erfolg bei der Manuskripteinreichung haben will, muss man ebenso professionell vorgehen wie beim Schreiben seiner Texte. Das heißt zunächst einmal: Zielgerichtet einreichen. Das Gießkannenprinzip (bei möglichst vielen Verlagen einreichen, einer wird's schon lesen) führt nach meiner Erfahrung so gut wie nie zum Erfolg.
Wer sein Buch mit einer bestimmten Zielgruppe im Hinterkopf geschrieben hat (etwas, was erstaunlich oft vernachlässigt wird) ist im Vorteil: Er recherchiert in Buchhandlungen, Bibliotheken und im Internet nach Verlagen, die eine ähnliche Zielgruppe bedienen. Und dorthin schickt er dann...
Nein! Nicht das ganze Manuskript! Eine Synopsis, ein Exposé, ein Kapitel als Leseprobe. Am Besten richtet sich der Autor danach, was der Verlag gern haben möchte. Aber wie findet man das heraus?
Indem man rechts auf meine Blogroll guckt und den Link zum Blog der Interessengemeinschaft deutscher Autoren anklickt. Dort werden regelmäßig ausführliche Informationen über Manuskripteinreichungen bei den verschiedenen Verlagen bzw. Agenturen veröffentlicht. Wenn man sich diese Informationen zunutze macht und nicht die Gebrauchsanleitung der eigenen Waschmaschine einsendet, hat man auf alle Fälle eine gute Chance, gelesen zu werden. Und wenn das dann noch Hand und Fuß hat, was man geschrieben hat...
Und ins Programm passt... :)

12.10.06

Schreiben und Rauchen

Warum rauchen so viele Autoren? In Zeiten, als Political Correctness noch kein Thema und das persönliche Gesundheitsrisiko Privatsache war, ließen sich viele prominente und weniger prominente Autoren gern mit der dekorativen Zigarette, Zigarre oder Pfeife fürs Autorenporträt ablichten. Und auch heute, wo man absurderweise beginnt, Rauchen als "lower-class-behavior" zu stigmatisieren (U. a. Thomas Mann war Raucher. Dem kann man so manches nachsagen, aber nicht "lower-class-behavior"!), bekennen sich viele Kolleginnen und Kollegen offensiv zu ihrem Nikotinkonsum. Das hat seinen guten Grund. Rauchen kann beim Schreiben helfen.
Ich spreche aus Erfahrung. Zwar rauche ich seit bald 5 Jahren nicht mehr, aber in den 30 Jahren davor habe ich beinahe immer mit qualmender Zigarette in Hand und/oder Mund gearbeitet. Weil die Zigarette mir einen wunderbaren Arbeitsrhythmus vorgab: Ein, zwei, manchmal drei Absätze schreiben, dann zur Belohnung eine anstecken, ein paar genießerische Züge machen und dabei die soeben geschriebenen Absätze noch einmal durchlesen. Gleich noch ein paar Formulierungen abgerundet, das ganze nochmal im Kontext gelesen, noch ein wenig gefeilt und die Belohnungszigarette war aufgeraucht. Also freudig die nächsten Absätze angegangen, denn der Nikotin-Hit hat ja dieses kreativmachende Dingsbums-Hormon freigesetzt. Und wenn man zwei, drei Absätze geschrieben hat, darf man ja schon wieder ein Zigarettchen...
Ich kann die rauchenden Kollegen sehr gut verstehen. Ein solches, auf Belohnungen und sinnvollen Pausen beruhendes Arbeitssystem ist absolut genial. Wäre nicht die gesundheitsgefährdende Komponente, würde ich jedem angehenden Autor raten, mit dem Rauchen anzufangen. So bleibt es bei der Empfehlung, sich wenigstens Rhythmus und Arbeitseinteilung der rauchenden Kollegen zunutze zu machen: Die anstehenden Arbeiten in kleine Schritte aufteilen, die leicht zu bewältigen sind. Und immer wieder inne halten, um die bisher erarbeitetem Textteile gelassen und entspannt im Kontext zu betrachten. Das hilft, Betriebsblindheit und in Sackgassen führendes Stress-Texten zu vermeiden, und sorgt für einen entspannten Arbeitsalltag voller kleiner Erfolgserlebnisse. Ob mit oder ohne Zigarette.

10.10.06

Dialog III: Wo schreib ich Dialog? - Hörspiel und Fernsehen

Und weiter geht`s mit den Betrachtungen und Tipps zum Thema Dialog. Heute sind Hörspiel und Fernsehen an der Reihe. Dialoge in diesen beiden Medien sind eng mit dem Theater-Dialo verwandt, weil wir auch hier die wörtliche Rede benutzen (müssen), um die Aufmerksamkeit unseres Publikums zu lenken. Beim Hörspiel kommt das geradezu einer Binsenweisheit gleich, denn hier ist der Dialog ja das offensichtlichste Medium des Autors, weil - Überraschung! - das Radio ja keine Bilder überträgt.
Trotzdem lauert gerade hier eine Falle, in die viele Autoren hineintappen, die noch keine Erfahrung in diesem Genre haben. Auch und gerade im Hörspiel gilt nämlich der oberste Grundsatz erfolgreichen Erzählens "Show, don't tell!", also "Zeige es, erzähle nicht davon." Man sollte - und das gilt nicht nur für das Hörspiel, sondern praktisch für jedes Genre - gar nicht erst versuchen, eine Sezne zu schreiben, in der eine Person einer anderen von einem aufregenden Ereignis erzählt. In früheren Zeiten war das als erzählerische Technik vielleicht noch akzeptabel, ein modernes Publikum jedoch will unmittelbar an der Handlung teilhaben. Diese Funktion muss der Hörspiel-Dialog haben. Natürlich gibt es Ausnahmen: Eine Erzählung im Dialog ist im Hörspiel wie in anderen Genres immer dann legitim, wenn ein Subtext darunter liegt, der über das bloße Repetieren vergangenen Geschehens hinausgeht. Bezweckt die Figur etwas mit der Geschichte, dei sie da erzählt? Will sie damit jemanden provozieren, beruhigen oder eine Intrige spinnen? Ein derart motivierter Erzähldialog oder Erzählmonolog kann Basis einer spannende Szene sein.
Hörspiel und Fernsehen haben eins gemeinsam: Die in diesen Medien erzählten Stories werden oft "nebenbei" rezipiert, also die Hörspiele beim Autofahren oder beim Joggen, die Fernsehserie beim Bügeln, beim Abendessen usw. Gerade beim Fernsehen muss der Dialogautor sich immer bewußt sein, für welches Format er schreibt. Konterkarierenden bzw. Dialog, der extensiv mit Subtext arbeitet kann ich nur für einen in der Primetime versendetes TV-Movie oder eine entsprechende Serie schreiben. Ansonsten ist es beim Fernsehen der Dialog, der dafür sorgt, dass der Zuschauer bei der Stange bleibt, auch wenn das Telefon klingelt, die Kartoffeln überkochen oder man schnell mal den Raum verlassen musste. Der Dialog spinnt im Fernsehen meist den roten Faden der Handlung fort, Subtext, Konterkarieren und Weglassen können nur eine Rolle spielen, wenn man sich der hundertprozentigen Aufmerksamkeit des Publikums sicher sein kann.
Und wenn man für eine Daily o. ä. schreibt, dann muss man manchmal sogar gegen die soeben postulierte "Show, don't tell!"-Regel verstoßen. Eine neue Folge einer solchen Serie muss immer zahlreiche Informationen aus dem Bereich "Was bisher geschah" enthalten, einerseits, um Fans, die die eine oder andere Folge verpaßt haben, auf den neuesten Stand zu bringen, andererseits, um neuen Zuschauern den Einstieg zu erleichtern bzw. überhaupt zu ermöglichen. Das muss meist über den Dialog geschehen, und hier bleibt einem oft nichts anderes übrig, als eine Figur erzählen zu müssen. Man sollte in diesen Dialog jedoch immer noch die Austragung eines Konfliktes bzw. einen ähnlichen, spannenden Subtext einbauen. Einerseits, um auch den Zuschauern, die den Inhalt der Erzählung schon kennen, etwas neues zu bieten, andererseits natürlich, um guten Dialog zu schreiben. Und guter Dialog sollte immer mehr sein, als bloßes Repetieren oder Transportieren von Geschehnissen.
Demnächst mehr, und zwar zum Dialog in der erzählenden Prosa.

6.10.06

Lob und Tadel

Börsenblatt Online: "Warum schreiben? Autor als Beruf - Von der Bereitschaft, sich zu verausgaben und nicht zu rechnen."

ist der Titel des hinreißend geschriebenen Artikels von Buchpreis-Träger Arno Geiger. Dickes Lob für diesen Text!
Und ein mindestens ebenso dicker Tadel für den Tagesspiegel, der einem Mr. Epstein auf den Leim geht, der die mittlerweile an die zehn Jahre alte Book-on-Demand-Technik als brandneue Web 2.0-Erfindung anpreist:

Netztexter — Tagesspiegel Online - Nachrichten:
"Jason Epstein berichtet in der Messeausgabe der „New York Review of Books“, dass in der WeltbankBuchhandlung in Washington bereits eine Druck- und Bindemaschine steht, die binnen Minuten aus einer Datei ein Paperback herstellt. Eine zweite befindet sich in der ägyptischen Bibliothek von Alexandria, eine dritte, so Epstein, werde demnächst in der New York Public Library aufgestellt. Über kurz oder lang wird das in Deutschland Schule machen."

Hmph. Derartige Maschinen werden seit Jahren u.a. von Xerox verkauft. Und in Norderstedt bei BoD stehen sie auch schon ein Weilchen...

4.10.06

Verwerfungen im Literaturbetrieb

Jäger des verlorenen Schatzes — Tagesspiegel Online - Nachrichten:
"Die Gründe für den Umbruch liegen offen. Erstens: Nach Jahren der Konzentration im Verlagswesen erfolgt nun die des Buchhandels. Zweitens: Die wirtschaftliche Macht verlagert sich von der Produktion zur Distribution – was auf die Produktion zurückschlägt. Drittens: Der klassische Buchvertrieb löst sich auf zugunsten eines allgemeinen Medienvertriebs. Viertens: Die Ökonomisierung der Kultur hat zur Folge, dass Markt und geistiges Leben sich entkoppeln. Fünftens: Viele Beteiligte versuchen, die erschöpfte Aufmerksamkeit auf einem gesättigten Markt durch Dumpingpreise im modernen Antiquariat oder durch Eventisierung neuer Titel wachzukitzeln."
Das sind die zentralen Thesen eines im heutigen Tagesspiegel abgedruckten, äußerst kenntnisreich geschriebenen Artikes von Gregor Dotzauer. Ich empfehle dringend die Lektüre des ganzen Artikels. Wer schreibt, veröffenlicht, liest oder auf andere Weise mit Literatur zu tun hat, wird in diesem Artikel mit durchaus beunruhigenden Ein- und Ansichten konfrontiert.

2.10.06

Dialog II: Wo schreib ich Dialog? - Kino und Theater

Viele Autoren - selbstverständlich nicht diejenigen, die hier mitlesen und -kommentieren - gehen mit einer erstaunlichen Wurschtigkeit an das Genre heran, in dem sie wörtliche Rede schreiben. "Dialoge fallen mir leicht, weil ich ein Ohr und ein Händchen fürs Gesprochene habe.", hab ich schon von gar nicht wenigen Kollegen gehört. Wie schön für sie, doch die ganzen Möglichkeiten einer Dialog-Szene kann nur derjenige ausschöpfen, der bewußt für ein Genre schreibt.
Dialoge gibt es im Film. Im Theater. Im Hörspiel. Im Fernsehen. Und in der erzählenden Prosa.
Die Reihenfolge dieser Aufzählung ist nicht zufällig gewählt. Sie hat mit der Aufmerksamkeitshaltung des jeweiligen Publikums zu tun. Wie sehr paßt derjenige, an dem meine Dialoge gerade vorbeischnurren, gerade auf und worauf?
Das aufmerksamste Publikum werde ich immer im Kino haben. Nicht nur, weil mein Publikum in einem abgedunkelten Saal sitzt und kein anderes Interesse hat, als der auf der Leinwand ablaufenden Geschichte zu folgen (von denen, die sich lieber mit Popcorntüte und/oder SitznachbarIn befassen, mal abgesehen), nein, hier helfen auch Kamera und Montage, die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu kanalisieren. Das Kino ist das Medium, in dem ich als Autor problemlos Dialoge schreiben kann, die die eigentlich gezeigten Bilder konterkarieren. Ein Beispiel, dass auch Hitchcock in dem bereits erwähnten Buch von Truffaut bringt: Die Kamera zeigt eine Frau und einen Mann beim Hühnchenessen. Dabei unterhalten sie sich über vollkommen belanglose Dinge, aber aus der Art und Weise, wie sie das Hühnchen essen, wie sie die Knochen genußvoll abnagen, wie sie sich das Hühnerfett von den Fingern lecken, kann der Zuschauer erkennen, dass sich zwischen den beiden gerade eine Liebesbeziehung anbahnt. Im Film kann man also aus dem Kontast zwischen Bild und Dialog einen kraftvollen Subtext erschaffen, der die eigentliche Geschichte der jeweiligen Szene erzählt.
Subtext spielt auch beim Theaterdialog eine große Rolle. Wenn man für das Theater schreibt, sollte man sich hüten, Dialoge zu schreiben, die lediglich platt und direkt die Handlung vorantreiben. Das verleiht dem Bühnengeschehen eine spannungslose Eindimensionalität, mit der ein Publikum nur schwer zu fesseln ist. Hier muss der Autor in die Dialoge einen Subtext hineinschreiben, der den Figuren und ihren Motiven ein Geheimnis gibt, also etwas vorgeben, was die Schauspieler spielen können, ohne es zu sagen. Ein direktes Konterkarieren der Handlung durch Dialog ist dem Theaterautor meist nicht möglich: Im Theater fehlt der durch Kamera und Schnitt hergestellte Bildausschnitt, der den Blick des Zuschauers lenkt. Wenn ich eine Theaterszene schreibe, in der zum Beispiel im Hintergrund etwas wichtiges geschieht (Jemand entdeckt zufällig einen McGuffin und versteckt ihn sofort wieder), während im Vordergrund zwei andere Figuren ein Dialoggefecht austragen, kann ich mich als Autor nicht darauf verlassen, dass alle Zuschauer schon "irgendwie" mitbekommen werden, was im Hintergrund abgeht. Ich muss meinen Dialog so gestalten, dass er die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf das nonverbale Geschehen lenkt. Im Theater ist also sozusagen der Dialog die Kamera des Autors.
Im Kino und im Theater können wir also Geschichten erzählen, die nur teilweise über den Dialog vermittelt werden. Wir können das Weglassen also zu einem äußerst wirkungsvollen Stilmittel machen. Natürlich können wir das Weglassen auch in Hörspiel, TV-Buch und in der Prosa zum Stilmittel machen. Dazu später mehr.

28.9.06

Dialog I: Wann schreibe ich Dialog?

Mit leichter Verspätung (Sorry, habe zur Zeit gottseidank viel zu tun) möchte ich heute die versprochenen ersten Dialogtipps ins Blog schreiben. Beginnen möchte ich mit einem kurzen Zitat von Alfred Hitchcock aus dem wunderbaren Buch "Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?" von Francois Truffaut: "Wenn das Drehbuch geschrieben ist und die Dialoge hinzugefügt wurden..."
Hitchcock macht uns hier en passant darauf aufmerksam, das der Dialog meistens zum Schluß geschrieben wird. Nicht nur beim Drehbuch, auch beim Theaterstück oder beim Roman hat der Autor ja meist seine Idee zu Papier gebracht, recherchiert, Figuren konzipiert, ein Exposé und ein Treatment geschrieben, bevor er den ersten Dialogsatz geschrieben hat. Diese Tatsache sollte sich jeder Autor zu nutze machen und genau überlegen, wann er die wörtliche Rede zu welchem Zweck einsetzt.
In der erzählenden Prosa ist der konventionelle Einsatz von Dialog einfach zu definieren: Wir verwenden die wörtliche Rede meist, um unsere Leser ganz unmittelbar anzusprechen, sie in die Handlung hineinzuziehen, sie die dort sprechenden Figuren belauschen zu lassen.
Daraus folgt - mindestens - zweierlei:
1. Das, was unsere Figuren sich mitzuteilen haben, sollte von Bedeutung sein. Was wie eine Binsenweisheit klingt, wird jedoch oft genug vernachlässigt. Viele Autoren haben es sich beim Dialogschreiben zur Angewohnheit gemacht, sich erstmal mit ein paar Sätzen in das Gespräch hinein zu schreiben, bzw. Nebensächliches ins Gespräch einzustreuen, "um Atmosphäre" zu lassen. Als Leser stört mich derartiges kolossal, weil es letztlich von schlampiger Schreibe und oberflächlichem Lektorat zeugt. Wenn ich Dialog benutzen muss, um Atmosphäre zu schaffen, stimmt etwas mit der Konzeption meiner Story nicht. Wenn ich keinen Dialog schreben kann, ohne sofort auf den Punkt zu kommen, muss ich eventuell an meiner Beherrschung des Handwerkszeugs feilen.
2. Wir dürfen nicht lügen. Das, was wir unseren Figuren in den Mund legen, müssen sie auch - in der Meta-Ebene unserer Erzählung - tatsächlich gesagt haben. Fragen Sie mich nicht warum, es funktioniert einfach nicht. Denken Sie ans Kino: Wenn sich im Film eine Rückblende im Nachhinein als Lüge entpuppt, reagiert das Publikum meist - von wunderbaren Ausnahmen wie "Die üblichen Verdächtigen", die aber ganz bewußt mit dieser Besonderheit des Genres spielen natürlich abgesehen - enttäuscht.
In der erzählenden Prosa sollten wir die direkte Rede in denMomenten einsetzen, an denen wir unseren Lesern mit größter Wahrhaftigkeit gegenübertreten, um sie an etwas Teil haben zu lassen, das von größtmöglicher Bedeutung für unsere Geschichte ist.
Sehr viele Superlative, nicht wahr? Ja. Denn wenn etwas keinen Superlativ rechtfertigt, sollten wir es auch nicht in Dialoge packen.
Demnächst mehr.

20.9.06

Neues Literaturblog

Jeder ernsthafte Leser kennt das Zentrale Verzeichnis Antiquarischer Bücher, die ZVAB. Hier kann man nach vergriffenen Büchern recherchieren, sich über die Angebote der angeschlossenen Antiqariate schlau machen usw. usf.
Die ZVAB hat heute ein Literaturblog gestartet, dass sich nicht nur auf - naheliegende - Literaturtipps beschränken wird, sondern auch Platz für zwei Kolumnen bieten soll. In “Zu gut zum Vergessen” stellt Ulrich Faure einmal im Monat einen Autor und dessen Bücher vor. Außerdem sollen im Rahmen dieser Kolumnen Gastautoren Werke dieser vergessenen Autoren empfehlen.
Unter “Lies doch mal!” soll Nicola Bardola über Kinder- und Jugendbücher schreiben.
Das beginnt sehr vielversprechend: Faure eröffnet mit einem langen, lesenswerten Artikel über Anthony Burgess, und Bardola stellt zwei Bücher des hierzulande eher als Schauspieler bekannten Ethan Hawke vor. Besonders die Bücher von Hawke haben mich stante pede neugierig gemacht, da war ich direkt dankbar für die Links, die mich direkt zu den entsprechenden Angebotender Antiquariate führten.
Schöne Idee, vielversprechend, empfehlenswert.

18.9.06

Stilfragen

Geo-Mann Peter-Matthias Gaede im Tagesspiegel-Interview über die Journalistenausbildung:
"Mittlerweile glaube ich, dass es überdies Defizite bei der Vermittlung sprachlicher Vielfalt gibt. Medienmanagement und Marketing gewinnen an Bedeutung. Und die elektronischen Medien und das Internet sowieso. Sich das alles aneignen zu müssen, verkürzt die Zeit für die Ausbildung der klassischen Reportertugenden, auch die Trainingsphase für das Polieren von Schreibstil und Sprache. Und die eigenartigen, „unschuldigen“ Erzähler, die links und rechts von ihrem Text nichts gekümmert hat, werden im Zeitalter der Medien als Marken glatter geschliffen."
Gaede hat leider recht. Die Zahl der Journalisten, die man nach dem ersten Absatz an ihrer Sprache, ihrem unverwechselbaren Stil erkennen konnte (Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich den "Sound" von Rudolf Augstein vermisse!), hat in den letzten Jahren rapide abgenommen. Dass bei der Ausbildung des journalistischen Nachwuchses ausgerechnet hier Defizite herrschen, überrascht mich ebenso wie die Tatsache, dass Nachwuchsjournalisten offenbar auch nicht aus eigenem Antrieb an ihrem Stil feilen. Wieso verzichten Menschen freiwillig auf ein wesentliches "Alleinstellungsmerkmal", mit dem sie sich abheben und einen Namen machen können?
Und wieso glaubt man, die verbliebenen Individualisten glatt schleifen zu müssen und ihre Individualität einer Marke unterordnen zu müssen, um Erfolg zu haben? Ein kantiger, ungeschliffener Keith Richards wird noch jahrelang über die Bühnen dieser Welt torkeln, um der Marke "Rolling Stones" den Erfolg zu sichern. Und wie hieß nochmal dieses Schwiegermuttersöhnchen, dass die erste Staffel dieser dämlichen Castingshow gewonnen hat?

15.9.06

Genial daneben

Viele Menschen, die nach Veröffentlichungsmöglichkeiten für ihre Texte suchen, glauben, dass es auf Originalität ankommt. "Ich habe eine vollkommen neuartige Geschichte geschrieben!" - "Meine Story wird die Literaturgeschichte auf den Kopf stellen!" - "Mein Buch wird herkömmliche Lesegewohnheiten vollkommen umkrempeln."
Derartige Statements sind bestenfalls genial daneben. "Genial", weil den Urhebern besagter Sätze möglicherweise tatsächlich vollkommen neuartige, spannende Stories eingefallen sind. "Daneben", weil das Kriterium von Verlagen, Redaktionen und Produktionsgesellschaften eben meist nicht Originalität ist, sondern das Bedienen oder Vorausahnen eines Trends. Kleines Beispiel: Lange Zeit konnte man sich die Aufmerksamkeit eines Fernsehredakteurs relativ einfach mit den Worten "Ich habe einen Stoff wie Columbo" sichern. "Ich hab was wie Harry Potter!" hilft zur Zeit möglicherweise noch bei Jugendbuchverlagen, doch Abnutzungserscheinungen machen sich, wie ich höre, bereits bemerkbar.
Wer Texte mit der vordringlichen Motivation schreibt, dieselben verkaufen zu können, sollte eben nicht nach unbedingter Originalität streben. Sondern nach der Variation eines erfolgreichen Themas. Deshalb hab ich diesen Beitrag auch "Genial daneben" betitelt. Weil gleichnamige Fernsehshow überhaupt nichts originelles ist, sondern "Was bin ich?" mit beknackten Begriffen statt mit beknackten Berufen.
Und bevor es jemand mißversteht: Ich finde "Genial daneben" viel besser als "Was bin ich?".

13.9.06

Writely

Durch Zufall bin ich vor ein paar Wochen auf die Online-Textverarbeitung Writely gestoßen. "Textverarbeitung im Internetbrowser? Wozu? Brauch ich nicht, so 'n Quatsch!" war meine erste Reaktion. Trotzdem habe ich mich - nicht zuletzt weil Writely kostenlos warund ist - dort registriert, einfach weil ich neuartigen Quatsch, den ich nicht brauche, gerne ausprobiere.
Mittlerweile möchte ich Writely nicht mehr missen. Für den Einzelkämpfer, der an mehreren Computern an seinen Texten arbeiten muß, ist Writely eine willkommene Ergänzung, für das unkomplizierte Bearbeiten eines Texts durch eine Gruppe ist es die eierlegende Wollmilchsau.
Der Einzelkämpfer Chris hat einen Rechner im Büro, einen Zuhause und unterwegs komtm auch noch ein Notebook zum Einsatz. Da ich an längeren Texten oft wochenlang arbeite, ist es nicht immer ganz einfach, die jeweils aktuellste Version des Textes auf den verschiedenen Rechnern zur Verfügung zu haben. Trotz freigegebener Netzwerkordner, herumfliegender USB-Sticks und Verschicken der Dateien an diverse Emailaccounts ist es immer wieder vorgekommen, dass ich zuhause noch ein wenig arbeiten wollte, aber feststellen mußte, dass die aktualisierte Datei natürlich im Büro verblieben war. Mit Writely hat das ein Ende. Den Text nach Bearbeiten hochladen, und dann hat man ihn überall, wo man Internetanschluß hat, zur Verfügung. Man kann ihn sich in verschiedenen Formaten (Word, Open Office, pdf, rtf) herunterladen oder direkt in Writely bearbeiten, dass die wichtigsten Textverarbeitungsoptionen, die der "normale" Autor benötigt, zur Verfügung stellt.
Bei Texten, an denen mehrere Autoren mitwirken, läßt Writely richtig die Muskeln spielen. Man kann Texte in der Gruppe bearbeiten, kommentieren, Versionen vergleichen und sich per Email oder Rss-Feed über Änderungen an einem Dokument infomieren lassen.
Natürlich geht's nicht ohne Wermutstropfen ab - die wichtigsten: Die Organisation der nach Writely hochgeladenen Texte ist gewöhnungsbedürftig (Tags statt Ordner). Und beim Layout des Textes muß man sich auf das notwednigste beschränken, da Writely (noch?) kein festes Seitenlayout kennt. Der rechte Rand des Textes ändert sich im Verhältnis zur Größe des Fensters.
Writely wurde kürzlich von Google erworben und ist noch im Betastadium und es ist kostenlos. Die Basisfunktionen will man auch nach Beendigung der Betaphase gratis zur Verfügung stellen, allerdings denkt man über eine Bezahlversion für Profis und größere Unternehmen nach. Solange es noch gratis ist, gibt es keinen Grund, Writely nicht wenigstens einmal auszuprobieren.

12.9.06

Dialog Seminar

Am 23. und 24. September, jeweils von 14 bis 18 Uhr, gebe ich bei den Biographen in Berlin einen Workshop zum Thema Dialog. Mit den Teilnehmern möchte ich die Besonderheiten und Unterschiede zwischen Dialogen im Drehbuch, im Theaterstück und - natürlich - in der Erzählung herausarbeiten. Einige Themen, die ich behandeln möchte, in Stichpunkten:
Wann schreibt man Dialog und wann besser nicht? Charakterisieren und Differenzieren von Figuren in wörtlicher Rede. Spannungsaufbau bis zum Wendepunkt. Pointen vorbereiten und finden.
Interesse? Es sind noch zwei Plätze frei. Teilnahmekosten 175 € (inkl. Material, Softdrinks und Imbiß). Nähere Infos telefonisch unter 030 33772832 oder per mail info@die-biographen.de.

11.9.06

Revolution mit Lulu

Heute morgen quoll meine Mailbox über, und alles drehte sich um Lulu. Nein, weder um Frank Wedekinds Theaterheldin noch um die schottische Sangeslegende aus dem Pop-Pleistozän, sondern um einen Print-On-Demand-Dienst im Internet, bei dem Autoren umsonst (ja, tatsächlich ab 0,00 Cent) Bücher veröffentlichen können, die bei Bedarf gedruckt und ausgeliefert werden. Grund für meinen Mailbox-Overflow war ein Artikel über Lulu auf Spiegel-Online, in dem die Kollegen in gewohnt zurückhaltender Manier von einer "Revolution des Buchmarkts" schreiben und Lulu als das Myspace der Literatur anpreisen. Viele meiner Freunde und Kollegen und natürlich die von mir betreuten Autoren wollten wissen, was ich von diesem Angebot halte.
Tatsächlich ist das Büchermachen mit Lulu verblüffend einfach und in der Basisversion tatsächlich kostenlos: Der angehende Selbstverleger lädt die Vorlagen für seinen Buchblock und seinen Buchumschlag auf den Lulu-Server hoch und legt den Preis für sein Buch fest (Druckkosten plus selbstgewählte Tantieme plus 20% Lulu-Anteil). Damit ist das Buch in den Katalog aufgenommen, und sowie ein interessierter Leser das Buch bestellt, wird es gedruckt und verschickt.
Hier liegt der erste Haken. Die Versandkosten sind zur Zeit noch unverhältnismäßig hoch. Da die Lulu-Bücher zur Zeit nur in Spanien und Großbritannien gedruckt werden, zahlt man z. B. 6 Euro Versandkosten, wenn man ein Buch für 10 Euro bestellt. Das ist für Leser, die z.B. an die Lieferbedingungen von Amazon gewöhnt sind (gratis ab 20 Euro Bestellwert) eindeutig zuviel. Möglicherweise wird die Situation besser, wenn Lulu – wie im Spiegel-Online-Artikel angekündigt - in Zukunft auch bei BoD in Norderstedt drucken lassen wird.
Dann wird hoffentlich auch die Umsatzsteuer auf den Lulu-Seiten auftauchen, denn die fehlt zur Zeit offensichtlich noch. Da soll man sich als selbstverlegender Autor wohl selbst drum kümmern. Nicht schön, dass Lulu dies seinen deutschen Kunden verschweigt, was zu Fehlkalkulationen führen kann.
Außerdem – und deshalb sind wir von der Revolution des Buchmarkts noch ein ganzes Stück entfernt – ist die Buchhandelsanbindung der Lulu-Bücher bestenfalls ungenügend. Man kann eine ISBN erwerben (schon nicht mehr kostenlos!), das war es aber auch schon. Für Promotion und Vermarktung setzt Lulu ausschließlich auf die eigene Internetpräsenz.
Und das wird meiner bescheidenen Meinung nach kaum genügen, um nennenswerte Verkaufszahlen zu erreichen, nicht zuletzt, weil das kostenlose Angebot natürlich auch jede Menge Crackpots anlocken wird, die kostenlos mit drei Mausklicks ihr unlektoriertes Weltverbesserungsgestammel uploaden und anschließend damit prahlen können, sie wären „am Buchmarkt präsent“. Ich frage mich, ob ein derartiger Rahmen für Menschen, die eine ernsthafte Karriere als Autor anstreben, wirklich adäquat ist.
Denn am Markt präsent ist man auf diese Weise natürlich nicht. Im deutschsprachigen Raum kommen derzeit mindestens 250 Bücher pro Tag (> 70.000 pro Jahr, ohne "Lulus") heraus. Da genügt es nicht, ein Buch irgendwo im Internet in ein Verzeichnis einzutragen, um es zu vermarkten. Von einem so „vermarkteten“ Buch nimmt schlicht und einfach niemand Notiz.
Schließlich – und das würde dem Lulu-Angebot eine dicke fette Rüge eintragen, wenn es nicht kostenlos wäre – suggerieren die Lulu-Seiten, man könne tatsächlich ohne Vorkenntnisse mit ein paar Mausklicks ein Buch gestalten. Tatsächlich kann man mit den dort angebotenen Vorlagen erstaunlich rasch etwas zusammenklicken, was durchaus Ähnlichkeit mit einem Buch hat. Ohne buchgestalterisches Knowhow wird man jedoch nur etwas zustande bringen, was mit einem richtigen Buch soviel zu tun hat wie ein Youtube-Video mit einem Hollywoodfilm.
Fazit: Was die Revolution im Buchmarkt anbeangt, sind wohl noch nicht einmal vorrevolutionäre Zeiten angebrochen. Nichtsdestotrotz will ich Lulu auf keinen Fall in Bausch und Bogen verdammen. Möglich, dass sich daraus eine Plattform zur unkomplizierten Veröffentlichung entwickelt. Aber vorläufig sehe ich da nur eine mögliche Ergänzung zum klassischen Buchmarkt. Nicht mehr. Zur Zeit (noch ?) eher weniger.

10.9.06

Schreiben, denken, inspiriert sein...

Writingwomans Autorenblog: Mach mir eine Szene!:
"Der allermagischste Moment ist jener, wenn ich Szenen schreibe, ohne zu wissen, woher die ganzen Infos plötzlich kommen. Es gab Momente, in denen habe ich mich gegruselt, weil ich nicht wussste, wer da schreibt."
Wenn’s so richtig läuft und die Szene wie von alleine entsteht, fühlt es sich tatsächlich magisch an, aber ich glaube, die Ursache dieser Magie ist einfach und noch nicht mal sonderlich magisch. Man denkt ja nach, während man schreibt, und zumindest ich kann meine Gedanken wesentlich besser kanalisieren und strukturieren, während ich schreibe. Und - ganz wichtig - wenn man etwas aufschreibt, ist man auch den Zwang los, es sich merken zu müssen, und das scheint tatsächlich irgendwie Platz für etwas neues zu schaffen.
Ich habe unlängst eine Dame gecoacht, die ein Buch über ihren Vater schreiben möchte. Zu meiner Verwunderung hatte sie sich noch gar keine Notizen gemacht und hatte überhaupt keine Lust dazu (”Ich muß mir das nicht aufschreiben, ich kenn doch meinen Vater!”). Als ich sie dann dazu gebracht habe, doch probehalber mal ein paar Ideen aufzuschreiben und eine mögliche Struktur ihrer geplanten Geschichte stichwortartig zu notieren, konnte sie gar nicht mehr aufhören und fing an, sich auch an längst vergessene Dinge zu erinnern. Ich glaube, man kann “Inspiration” auch herbeischreiben, wenn man’s denn zielgerichtet tut.

7.9.06

Karteikarten

Wenn Sie einen Autor fragen, welches sein wichtigstes Werkzeug oder Arbeitsmittel ist, wird er es mit Sicherheit nicht nennen. Wenn Sie ihn und seine Kollegen jedoch nach ihren fünf oder zehn wichtigsten Werkzeugen fragen, wird sie mit Sicherheit in beinahe jeder Top-Ten-Liste auftauchen: die Rede ist von der guten, alten Karteikarte.
Alle Autoren, die ich kenne, benutzen in der einen oder anderen Form Karteikarten. Es gibt mittlerweile sogar Programme für den PC, mit denen sich die Karteikarten-Verwendung simulieren lässt. Warum sind Karteikarten bei Autoren so beliebt?
Die – vielleicht – verblüffende Antwort lautet: weil man sie so gut sortieren kann. Wenn bei einem Schreibprojekt die Zeit gekommen ist, die Stoffsammlung abzuschließen und die gesammelten Materialien zu strukturieren, kann man dies ungeheuer effektiv mit Karteikarten bewerkstelligen.
Ein Beispiel aus meiner Praxis: wenn ich ein Theaterstück, ein Musical oder ein Kabarett-Programm schreibe, bekommt jede Szene eine eigene Karteikarte (Sprechszenen und Songs bekommen übrigens Karten in verschiedenen Farben, damit man sie leicht unterscheiden kann). Auf jede Karteikarte notiere ich alles, was ich in der jeweiligen Szene abhandeln muss/möchte und was mir jetzt schon an Dialog- bzw. Songtext-Ideen kommt.
Während des Arbeitens liegen sämtliche Karteikarten auf einem großen Tisch vor mir, ich muss also nicht linear arbeiten, sondern kann wunderbar zwischen den einzelnen Szenen hin und her springen. Schließlich kann ich die Reihenfolge der Szenen mühelos verändern, in dem ich sie einfach hin und her schiebe. Ich kann problemlos Dinge ausprobieren, Szenen in umgekehrter Reihenfolge ablaufen lassen, Szenen weglassen, neue Szenen einbauen, und das schönste von allem ist, daß es ungeheuer anschaulich abläuft. Es ist, als würde man ein Theaterstück mit einem Baukasten zusammenbauen.
Natürlich läßt sich das von mir skizzierte System noch unendlich verfeinern. Ich beispielsweise verwende Din-A5 Karteikarten für die einzelnen Szenen. Dann habe ich noch kleinere Karteikarten in verschiedenen Farben, die mit Büroklammern mit den großen verbunden werden. Karten für die einzelnen Figuren, auf denen schon Dialogsätze notiert werden können, Karten für die verschiedenen Wendepunkte des Plots, Karten für inhaltliche oder handlungstechnische Exkurse... die Möglichkeiten sind endlos. Und alle Systeme, die man auf Karteikartenbasis entwickelt, sind unendlich flexibel. Um sie zu verändern, braucht man nur... na? Richtig: ein paar zusätzliche Karteikarten!
Und unbezahlbar ist schließlich die Möglichkeit, sein ganzes, umfangreiches Projekt jederzeit in toto überblicken zu können. Einen entsprechend großen Tisch bzw. eine ebensolche Pinnwand vorausgesetzt.
Überraschenderweise gibt es Autoren, die lieber ohne Karteikarten arbeiten, wie beispielsweise Andreas Eschbach. Nun, jedem das seine., Ich jedenfalls fühle mich ohne Karteikarten wie ein Fisch auf dem Trockenen.


6.9.06

Wie macht man Bestseller?

netlektorin's blog:
"Machen Blogs Bestseller? Auch in der Buchbranche geht bald nichts mehr ohne Internet - sagt Elmar Krekeler im aktuellen Börsenblatt - und: Die Blogosphäre wird zunehmend zur Brutstätte von Bestsellern."

Was viele vergessen: zunächst einmal muß das Buch das Zeug zum Bestseller haben, sich auch tatsächlich verkaufen lassen. Viele Menschen, die schreiben und veröffentlichen wollen, denken, dass Bestseller ausschließlich durch Werbung, Marketing und jetzt eben Weblogs "gemacht" werden. Als gäbe es ein Zauberpulver, das Verlage auch über das ungenießbarste Manuskript kippen könnten, um es zu einem Publikumserfolg zu machen.
Sicherlich sind Werbung, PR, Marketing notwendig, um einem potentiellen Bestseller die notwendige Aufmerksamkeit zu verschaffen... aber einen handlungsarmen Roman über einen frustrierten Kleintierzüchter, der versucht, seinem Zwergkaninchen die Raffzähne wegzuzüchten und darüber in eine Sinnkrise gerät, bekomme ich auch mit der dollsten Kampagne nicht in die Bestsellerlisten.
Und zur deutschen Blogosphäre als Bestsellerbrutstätte (durchaus selbstkritisch): Meine persönliche Erfahrung ist, dass das Medium "Blog" hierzulande meistens nur den Bloggern selbst bekannt ist. Wir haben hierzulande zwar eine vitale, im Wachstum befindliche Blog-Szene, aber eine, die sich gleichzeitig Produzent und Publikum ist. Erst wenn unsere Blogs ihren Insider-Status verlieren und verlieren wollen, können sie helfen, Bestseller zu kreieren.
Also stehen Autoren und Blogger quasi vor der gleichen Aufgabe: sich einem Massenpublikum zu öffnen. So sie denn wollen.

Lesen

"Während ich an einem Projekt arbeite, lese ich grundsätzlich nichts von anderen Autoren. Das bringt mir nichts, und ich möchte mich auch nicht beeinflussen lassen."
Diesen Satz habe ich (natürlich mit Abwandlungen) schon ziemlich häufig gehört, seit ich angehende Autoren betreue. Wenn man - wie ich - davon ausgeht, dass Schreben in erster Llnie ein Handwerk ist, dann sollte man einmal versuchen, obigen Satz auf Mitglieder anderer Zünfte anzuwenden.
Der Koch: "Wenn ich koche, esse ich grundsätzlich nichts. Nur so kann ich sicher sein, dass mein Gericht unverfälscht und authentisch aus der Pfanne kommt."
Der Tischler: "Wenn ich einen Tisch baue, meide ich andere Tische so gut es geht. Ich möchte mich auf meinen Tisch konzentrieren, in den keine unerwünschten Einflüsse hineingeraten sollen."
Klingt plötzlich ziemlich dämlich, nicht wahr? Irgendwie... borniert? Richtig. Ist äußerst dämlich und total borniert. Und funktioniert gerade bei Autoren überhaupt nicht.
Ich kenne keinen erfolgreich arbeitenden Autor, der nicht glechzeitig ein fanatischer Leser wäre. Natürlich nicht. Ich kenne auch keinen (guten!) Koch, der nicht gleichzeitig ein begeisterter Freßsack wäre.
Letztlich kann nur derjenige ein Meister seines Fachs werden, der die Meisterwerke seines Handwerks studiert und versucht, die eigene Kunstfertigkeit anhand des meisterhaften Vorbilds zu vervollkommnen.
Es gibt tausende von Gründen, ein gutes Buch zu lesen. Ich kenne keinen einzigen, es nicht zu tun.

30.8.06

Figuren recherchieren

Wenn sie ein neues Werk, sei es ein Roman, eine Erzählung oder ein Drehbuch beginnen, fangen viele Autoren damit an, dass sie die wichtigsten Figuren des zukünftigen Werks erarbeiten. Eine überaus sinnvolle Vorgehensweise, denn die Figuren sind fast immer das wichtigste an einem Roman. Bevor jemand Einwände erhebt: Was genau passiert eigentlich in „Anna Karenina“? Naaa? Irgendso ein Dreieck, nicht wahr? Und am Schluß wirft sie sich vor den Zug? Aber die Figuren... Karenin, Anna, Wronski... Unvergeßlich!
Es sind meist die Figuren eines Romans, an die wir uns zuerst erinnern, die Handlung einer Geschichte müssen wir uns meist mühsam wieder aus dem Gedächtnis zusammensetzen, wenn uns das überhaupt gelingt. Die Figuren sind's, die den Leser faszinieren, und der Autor, der sich besonders um seine Figuren kümmert, wird vom lesenden Publikum reich belohnt werden.
Die meisten Autoren – so auch ich – haben sich einen kleinen Fragebogen gebastelt (Name, Statur, Aussehen, Freunde, Feinde, Tagesablauf, Vorlieben, Abneigungen, Fähigkeiten, Unfähigkeiten usw.) gebastelt und fangen damit an, denselben abzuarbeiten, wenn sie die Gestalten ihrer Erzählung kreieren.
Gerade weil auch ich das jahrelang so gemacht habe, möchte ich davon abraten. Nicht von der Verwendung eines Fragebogens, sondern davon, mit ihm zu beginnen. Die Figuren meiner Geschichten sind – finde ich – wesentlich besser geworden, seit ich einen kleinen Spaziergang unternehme, statt meinen Fragebogen auszufüllen. Ich wandere durch die belebteren Straßen Berlins, setze mich mit meinem Notizblock in ein gut besuchtes Café oder auf eine hoffentlich sonnenüberflutete Terrasse, suche mir aus der Galerie meiner Mitmenschen ein paar geeignete Exemplare aus, und beginne, mir Notizen zu machen.
An den Anfang meiner Figuren-Erfindungen setze ich also die Recherche, und dies mit gutem Grund. Jede Figur, die Sie in einem Roman oder einem Drehbuch verwenden wollen, müssen sie gründlich recherchieren. Jede. Punktum. Und wenn jetzt der Einwand kommt: „Aber ich arbeite gerade an einer autobiographischen Erzählung über mein Verhältnis zu meiner Muter. Ich werde doch meine eigene Mutter nicht recherchieren müssen!“ Doch, haargenau das müssen Sie. Das, was sie parat haben, um eine Figur zu kreieren, ist Ihr Eindruck von Ihrer Mutter, nicht aber eine Figur, die ihrer Mutter entspricht.
Verallgemeinert: Wenn ich ein Buch schreibe, und dabei nur Figuren verwende, die ich nicht gründlich recherchiert, bei denen ich mich auf meinen Eindruck verlassen, die ich mir letztlich ausgedacht habe... dann besteht das Personal des Buchs aus lauter Variationen von mir selbst. Kein guter Ausgangspunkt, um einen farbenfrohen, konfliktreichen Plot voller Wendungen zu schreiben. Selbstgespräche liegen meist wie Blei in den Regalen.
Deshalb empfehle ich Ihnen: Wenn Sie eine Geschichte über einen Lokomotiv-Führer schreiben wollen, dann gehen Sie zum Bahnhof und sprechen Sie einen der Damen oder Herren an, die einem dieser Ungetüme entsteigen! Sagen Sie, dass Sie Autor sind und gern mit ihm reden würden, weil Sie über Lokomotiv-Führer schreiben müssen. Und wenn Sie sich furchtbar überwinden mußten, um einen wildfremden Menschen zu Recherche-Zwecken anzusprechen, steht Ihnen jetzt eine Riesenüberraschung bevor: Mit ca. 90%iger Wahrscheinlichkeit freut sich der- oder diejenige unheimlich, dass sie sich für ihre bzw. seine Tätigkeit interessieren. Menschen reden irrsinnig gern über das, was sie den lieben langen Tag lang tun. Sie werden ein hochinteressantes Gespräch mit dem Lokomotiv-Führer führen können, das Ihnen Stoff nicht nur für ihre geplante Figur, sondern für zahllose Geschichten liefern wird.


28.8.06

Trübe Aussichten

DIE AUTOREN: Die Toskana kann warten — Tagesspiegel Online - Nachrichten: "Wie Berliner Lesebühnen-Autoren sich über Wasser halten. Drei Selbstauskünfte"
Der Mut dieser 3 Männer, ein mehr als bescheidenes Leben voller Unsicherheit führen zu wollen, um Schreiben zu können, verdient Bewunderung, Respekt, Hochachtung. Die Bereitwilligkeit, mit der sie "Mit Schreiben kann man nur wenig Geld verdienen" akzeptieren, macht nachdenklich.
Zugegeben, dass es den meisten Autoren hierzulande nicht gut geht, ist eine Binsenweisheit. In den letzten Jahren sind u.a. durch die Kirch-Pleite, die Einführung neuer Programmformate, die auf herkömmliche Drehbücher verzichten, und die unvermeidlichen Einsparungen zahlreiche Verdienstmöglichkeiten bei Fernsehen und Funk weggebrochen. Bei den Tantiemen, die Verlage ihren Autoren zubilligen, muss man schon einen veritablen Bestseller schreiben, damit die mehrjährige Arbeit an einem Buch sich rechnet. Und in den Printmedien gehen die Spatzen auf den Knien und die Mäuse schauen die Freien Mitarbeiter aus verweinten Augen an. Wohl dem Autor, der einen Brotberuf hat... Brotberuf? War da nicht etwas mit "Stellenabbau"? "Globalisierung"? Der Autor, der jetzt noch einen Brotberuf hat, muss mittlerweile oft die Arbeit von mehreren wegrationalisierten Kollegen mit erledigen und hat kaum noch Zeit und Kraft für eigene Projekte. Jaja, ich weiß... die Verhältnisse. So sind sie eben. Können wir nicht ändern.
Nur... wo sollen wir in ein paar Jahren die Schriftsteller hernehmen? Von "Mit Schreiben kann man nur wenig Geld verdienen" zu "Mit Schreiben kann man kein Geld verdienen" ist es nicht weit. Wollen wir in Zukunft uns unsere Lektüre wirklich aus den Gratis-Blogs und den Mitmach-Kurzgeschichten von Web 2.0 zusammenklicken? Warum sollte auch der Talentierteste noch Schriftsteller werden wollen, wenn er keine Chance hat, von seiner Arbeit zu (über)leben?

18.8.06

Das Leben als Stoff

Grass und wie er die Welt sieht — Tagesspiegel Online - Nachrichten:
"Der Schriftsteller, der den eigenen Lebensstoff seit 60 Jahren in Literatur verwandelt, kann nicht aus seiner Haut, wenn es um das Leben der anderen geht. Auch dieses ist ihm nur: Stoff. Die solcher Arbeitsweise innewohnende Egozentrik wird erschreckend deutlich beim Fernsehgespräch im dänischen Hotel."

Und das ist eben weder erschreckend noch egozentrisch, sondern nur... Autorenalltag. Schreiben ist eine geistige Haltung. Wenn man sich entschlossen hat, Autor zu sein, wird einem alles zu "Stoff". In meinen Augen ist das weder erschreckend noch schön, sondern einfach professionell.

17.8.06

Kann man Schreiben lernen?

Ein Dauerbrenner unter deutschen Autoren ist die Diskussion, ob man Schreiben lernen kann oder nicht. Ein erstaunlich hoher Prozentsatz der Kollegen vertritt – gelegentlich mit durchaus messianischem Eifer – die Ansicht, Schreiben sei letztlich nicht erlernbar. Kurse in kreativem Schreiben seien überflüssig und mit dem Hautgout der Scharlatanerie behaftet: Der einzig erfolgversprechende Weg zum Aneignen des schriftstellerischen Handwerks sei „learning by doing“ und die intensive Auseinandersetzung mit vorbildhafter Literatur.

Ich bin vollkommen anderer Ansicht, nicht zuletzt, weil ich eine mittlerweile durchaus erkleckliche Zahl von Menschen bei ihren ersten literarischen Gehversuchen unterstützen durfte und deshalb weiß, daß ich ihnen helfen konnte, einige Mühsal und zahlreiche Irrwege zu vermeiden. Natürlich sind die Anfangsgründe des Schreibens erlernbar. Würde man das Postulat der ansonsten geschätzten Kollegen beispielsweise auf das Erlernen des Klavierspiels anwenden, dann könnte nur derjenige ein erfolgreicher Pianist werden, der auf Klavierstunden verzichtet und sich das Beherrschen des Instruments ausschließlich durch eigenes Üben und das Anhören von Klaviermusik erarbeitet.

Autoren, die das Schreiben generell als nicht erlernbar bezeichnen, verwechseln meiner Ansicht nach das Erlernen der Grundlagen mit dem Streben nach Perfektion. Ein Meister seines Fachs kann sowohl der Autor wie der Pianist in der Tat nur werden, wenn er sich an großen Vorbildern orientiert, deren Arbeiten intensiv studiert und seine so erarbeiteten Erkenntnisse in eigenen Werken verarbeitet. Doch die handwerklichen Grundlagen jedoch sind vermittelbar, und es macht Sinn sie zu erlernen, weil man sich den eigenen Weg dadurch erleichtert.

Eigentlich bin ich ein Gegner der oftmals vorschnell vergebenen Etikettierung „Typisch Deutsch“. Doch auf den Mythos von der Nichterlernbarkeit des Schreibens trifft sie durchaus zu. Mir ist kein amerikanischer Autor bekannt, der sich in dieser Richtung geäußert hätte. Und in den USA ist „Kreatives Schreiben“ Schul- und Studienfach.

24.5.06

Typen

Letztens habe ich ein wunderbares Buch in der Hand gehabt: "Das Randfigurenkabinett des Doktor Thomas Mann" von Barbara Hoffmeister und Robert Gernhardt, ein liebevoll gestaltetes und gut geschriebenes Buch über die schrägen, schrulligen und seltsamen Gestalten, die Thomas Mann seinen Protagonisten an die Seite zu stellen pflegte. Und plötzlich fiel mir auf, wie farblos in den letzten 20 Jahren viele Nebenfiguren in Prosa und Drehbuch geworden sind. Das fängt bei Kino und TV an: Zu 95 Prozent sehe ich mittelalte, mittelgroße, mittelschlanke Durchschnittstypen, die sich gerade bei H&M mit unauffällig pseudoeleganter Kleidung eingedeckt haben. Gibt es eigentlich außer Otfried Fischer keine dicken Schauspieler mehr? Und wo sind die Hungerharken geblieben, die Spargeltarzans, kurz: Menschen, die sich schon durch ihre Physiognomie als herausragend und einzigartig ankündigen? Wo sind die bizarren Käuze geblieben, die bis vor wenigen Jahren nicht nur die blühende Kreuberger Kneipenszene sondern auch die gelungeneren unter den zeitgenössischen Drehbüchern und Romanen bereicherten?
Bei von einschlägigen Redaktionen gestalteten Fernsehfilmen ist die Erklärung einfach und logisch: Durchschnittliche Menschen wählen durchschnittliche Menschen aus, und so ist es nur folgerichtig, dass man die Figuren vieler TV-Movies schon eine halbe Stunde vor Beginn des Abspanns komplett vergessen hat.
Warum aber immer mehr Autoren der erzählenden Prosa sich scheuen, bei der Typisierung ihrer Figuren auch mal etwas deftiger hinzulangen, ist mir ein komplettes Rätsel. Ist unsere Gesellschaft in den letzten zwanzig Jahren derart langweilig geworden, dass den modernen Autor ein skurriles Typenkabinett, wie es beispielsweise Eckhard Henscheid meisterlich aufzufahren pflegte, heute schon als "zu exotisch" anmutet? Gibt es sie wirklich nicht mehr, die Gestalten, die "vehement und freudevoll außerhalb der Norm" agieren? Oder lese ich die falschen Bücher? Oder lebe ich in der falschen Gesellschaft?

4.5.06

Die unvergleichliche Atmosphäre in Rick's Café Americain

Neulich habe ich mir ein exquisites Vergnügen gegönnt, und mir mal wieder meinen Lieblingsfilm "Casablanca" angeschaut. Ein exquisites Vergnügen, auch wenn die Dekorationen dieses Films selbst nach damaligen Maßstäben reichlich pathetisch sind: Pappwände und Zimmerpalmen allenthalben, Modelle und dazwischengeschnittene Wochenschauschnipsel. Das trotzdem beinahe sofort Atmosphäre aufkommt, liegt an den im Drehbuch liebevoll gezeichneten Nebenfiguren und natürlich an der Créme de la Créme der Exil-Schauspieler (Lorre, Szakall, Veith, Bois usw.), die diese Rollen meisterhaft zum Leben erwecken.
Einem Film oder einem Buch auf diese Weise Leben und Lebendigkeit einzuhauchen ist eine untergehende Kunst. Die moderne Computertechnik hat es möglich gemacht, die exotischsten Schauplätze glaubwürdig und kostengünstig entstehen zu lassen. Dem Drehbuchautor wurde es einfacher gemacht, und darunter hat die Qualität der Drehbücher - meiner bescheidenen Meinung nach - gelitten. Die Möglichkeit, mit einem clever angelegten Auftritt und ein paar eleganten Dialogsätzen eine unverwechselbare Atmosphäre zu kreieren - übrigens immer noch preiswerter als der preiswerteste Computertrick - wird immer seltener genutzt. Schade.

29.4.06

Mobiltelefone

Als ich begann, das Handwerk des Theater- und Drehbuchautors zu erlernen, war es nicht direkt eine Todsünde, ein Telefon klingeln zu lassen, um eine Plot-Wendung einzuleiten, aber es wurde durchaus als Notbehelf angesehen. "Etwas, was aus den Figuren kommt, ist dir wohl nicht eingefallen?", hörte man von naserümpfenden Redakteuren und Dramaturgen, und das Boulevard-Theater wurde eine Zeitlang gar abfällig als "Theater der weißen Telefone" bezeichnet, weil da angeblich handwerklich stark herausgeforderte Theaterautoren andauernd weiße Luxustelefone läuten ließen, während frustrierte Dramaturgen sich mit schnöde scheppernden schwarzen Bakelit-Apparaten bescheiden mußten.
Wie die Zeiten sich geändert haben. Das Handy eines Tatort-Kommissars klingelt wie selbstverständlich alle 10 Minuten, die so "von aussen" initiierte Plotwendung ist längst ein allgemein akzeptierter Standard. Mittlerweile gibt es Filme wie "Hollywood Cops" (eine übrigens stark unterschätzte Action-Komödie), für deren Plot das dauernde Handy-Geklingel eine Vorraussetzung ist. Und kein Dramaturg oder Redakteur beschwert sich mehr über das Kingeln eines Telefons.
Was lernt uns das? Dass das Geschichten Erzählen ein sich dynamisch entwickelndes Handwerk ist. Dass Dinge wie das Handy, die unser Leben verändern, früher oder später auch die Geschichten verändern, die wir uns erzählen. Das Handy hat uns neue dramaturgische Möglichkeiten eröffnet. Gleichzeitig haben wir aber auch bewährte Story-Muster verloren. "Protagonist in verzweifelter Suche nach dem Love-Interest, der sich nichtsahnend in den Fängen des Antagonisten befindet" kommt beinahe nur noch in historischen Stoffen vor, weil man sonst umständlich erklären müsste, warum der Love-Interest per Handy nicht erreichbar geworden ist.
Auf alle Fälle hat das Handy unsere Geschichten stark beschleunigt und damit eine ähnliche Veränderung unserer Plots bewirkt wie die Einführung der Passagierflugzeuge, als die Protagonisten der Geschichten nicht mehr Tage oder Wochen sondern nur noch Stunden benötigten, um von A nach B zu kommen.

29.3.06

Was ist überhaupt eine Idee?

Gute Frage, nicht? Ich stelle mal eine wirkliche Idee und zwei Rohrkrepierer zur Auswahl:

  1. Eine Geschichte, die nur im Tchibo-Stehcafé spielt, mit all den schrägen Typen, die sich tagsüber da rumtreiben und ihren Kaffee trinken.

  2. Das Space-Shuttle mit einer Besatzung von 7 Mann kehrt nach einer sechswöchigen Mission auf die Erde zurück. Doch gemeinsam mit den 7 Astronauten steigt ein kleiner 5jähriger Junge aus dem Raumschiff. Die Astronauten behaupten, er sei immer dabei gewesen. Niemand kann sich erklären, wie der Junge in das Shuttle kam.

  3. Eine Frau wird von einem Versicherungsmakler geprellt, als ihr Mann einen tödlichen Unfall erleidet. Die Frau lässt sich unter anderem Namen zur Versicherungsmaklerin ausbilden und übt „von innen“ Rache an Makler und Versicherungsgesellschaft.

Machen wir's kurz. Nr. 1 ist keine Idee. Nr. 1 ist ein mäßig origineller Schauplatz. Es fehlt Thema, Antagonist, Protagonist, Wendepunkt.

Nr. 2 ist sehr originell, aber immer noch keine Idee. Nr. 2 ist ein Schauplatz mit einer ungewöhnlichen Begebenheit. Unglücklicherweise ist die Begebenheit so unwahrscheinlich, dass man die Situation ohne logische Klimmzüge praktisch nicht auflösen kann. Nr. 2 ist das, was schwärmerische Naturen für eine Idee halten.

Nr. 3 hingegen – ja, die schnöde, hausbackene, vorhersehbare Versicherungs-Plotte! ist eine entwicklungsfähige Idee. Es gibt ein Thema (Rache), eine glaubwürdig motivierte Protagonistin, einen Antagonisten und einen Wendepunkt. Aus dieser Idee kann man etwas machen, man kann sie in die verschiedensten Richtungen ausarbeiten.

Und das ist es, was eine Idee letztendlich ausmacht: ihre Entwicklungsfähigkeit. Z. B. ist Margaret Mitchell bestimmt nicht eines Nachts aufgewacht und hatte schwuppdiwupp das ganze Personal und sämtliche Plotwendungen von „Vom Winde verweht“ im Kopf. Vermutlich ist irgendwann einmal Scarlett O'Hara an ihrem geistigen Auge vorbei spaziert, und Mrs. Mitchell hat sich gefragt: „Was wäre, wenn diese eigensinnige Person sich in den falschen Mann verliebt?“ Dann ist ihr – vielleicht – ein paar Tage oder Wochen später Rhett Butler eingefallen. Und etwas später hat sie sich an Scarlett erinnert und sich gedacht: „Das wäre doch DER Mann für diese Frau. Was wäre, wenn alle Welt das merkt, nur Sie nicht?“ Und Tage, vielleicht Wochen oder Monate oder gar Jahre später hat sie sich vielleicht gedacht: „Was wäre, wenn die Geschichte von Scarlett O'Hara und Rhett Butler vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs spielen würde?“ Und spätestens jetzt wird sie den elektrisierenden Adrenalinschub verspürt haben, der mit der Erkenntnis „Was für eine Idee!“ einhergeht. Dabei hatte sie die ursprüngliche Idee („Frau liebt falschen Mann.“) ja eigentlich schon lange gehabt...

Und darauf will ich hinaus. „Frau liebt falschen Mann“ ist letztlich genau so wenig eine Idee wie „Boy meets Girl“, obwohl „Boy meets Girl“ die Basis so gut wie aller Liebesgeschichten ist. „Frau liebt falschen Mann“ und „Boy meets Girl“ sind aber für den Autor Anlässe, die „Was wäre, wenn...“-Frage zu stellen. Und die Antworten auf diese Frage sind wertvoller als jegliche scheinbar noch so originelle Idee. Mit „Was wäre, wenn...“ bringen wir unsere Phantasie zum Fliegen, und können dem bescheidensten Anlass eine funktionierende Geschichte entlocken. Der- oder diejenige, die „Was wäre, wenn...“ zu fragen lernt, kann in Zukunft ein erfülltes Geschichtenerzähler-Dasein führen, ohne jemals eine Idee haben zu müssen.

Probieren Sie's aus. Gehen Sie mit „Was wäre, wenn...“ - Fragen an Vorschlag 1 (Tchibo) oder Vorschlag 2 (Space-Shuttle) heran. Passiert nicht viel, nicht wahr? Und jetzt gehen Sie mal an Vorschlag 3: „Was wäre, wenn die geprellte Frau den Makler schon von Kindheit an kennt?“ - „Was wäre, wenn die Kinder der Frau nichts von ihrem Racheplan erfahren dürfen?“ - „Was wäre, wenn die Frau unter dem Namen ihrer besten Freundin an den Schulungen der Versicherungsgesellschaft teilnimmt?“

Mehr über „Was wäre, wenn... Fragen“ demnächst!

22.3.06

Die Horror-Frage

Jeder Schauspieler rollt gequält die Augen gen Himmel, wenn ihm die – an sich nahe liegende – Frage „Wie merken Sie sich eigentlich den ganzen Text?“ gestellt wird? Warum nervt diese Frage? Weil sie nichts mit dem Handwerk des Schauspielers zu tun hat. Der Text wird auswendig gelernt, bevor man mit der Erarbeitung einer Rolle beginnt, und wie die oder der einzelne sich seinen Text merkt, ist nun wirklich wurscht. Trotzdem interessiert es erstaunlich viele Menschen, wie sich so ein Schauspieler den ganzen Text merkt.

Für Autoren gibt es eine ähnliche Frage, bei der wir bereits in Schweiß ausbrechen, wenn wir sie nur aus der Ferne kommen sehen. Unsere Horror-Frage lautet „Wo nehmen Sie nur die ganzen Ideen her?“ Und bei uns ist der Schrecken dieser Frage deutlich größer als bei Schauspielern, denn die wissen wenigstens, wie sie den Text auswendig lernen. Wir Autoren haben letztlich keine Ahnung, wo die Ideen herkommen. Weil wir ohne Ideen schreiben können, ja müssen.

Jemand, der mit dem Schreiben seinen Lebensunterhalt verdienen will, darf sich überhaupt nicht auf Dinge wie Ideen oder gar Inspiration verlassen. Der göttliche Funke der Inspiration bleibt nur oft genug tage- wenn nicht gar wochen- oder monatelang aus, und auch in dieser Zeit wollen Miete, Essen und Versicherung bezahlt sein.

Für den Nicht-Schreiber ist es kaum vorstellbar, wie Schreiben – insbesondere das Schreben von Geschichten – ohne Ideen funktionieren soll. Eine ganze Handlung mit verschiedenen Höhepunkten, Protagonist, Antagonist und ihren Helfern, das muss doch erstmal irgendwie ausgedacht werden.

Eben nicht. Nicht ausgedacht, sondern erdacht. Ideen fallen einem nicht nur ein, alternativ kann man sie sich erarbeiten. Und auf dieses Erarbeiten von Ideen möchte ich in den nächsten paar Artikeln dieses Blogs ein wenig eingehen.


7.3.06

Organisation ist alles

Diejenigen, die dieses Blog regelmäßig lesen, wissen, dass ich ein Notizenfetischist bin. Ich mißtraue meiner eigenen Kreativität zutiefst: Ich muss mich nur an den Schreibtisch setzen, „um mir etwas einfallen zu lassen“ – dies ist eine absolut sichere Methode, wie ich mein Hirn in Sekundenbruchteilen komplett entleeren und in eine für mehrere Stunden komplett ideenfreie Zone verwandeln kann. Dass ich trotzdem noch arbeiten kann, verdanke ich einem kleinen Karteikästchen, in dem sich meine Notizzettel befinden. Per Email erreichte mich heute die Frage, wie ich denn meine Notizen organisiere. Nun denn.

Es ist Zeit für ein Geständnis. Bisher habe ich Ihnen immer weiss gemacht, ich würde das Haus niemals verlassen, ohne einen Notizblock mit mir herumzutragen. Ich schäme mich, es zu gestehen, aber ich habe Sie diesbezüglich angeschwindelt. Ich habe immer mindestens zwei Notizblöcke dabei, wenn ich das Haus verlasse: einem, in den ich mir gezielt Notizen mache für das konkrete Projekt, an dem ich gerade schreibe. In den anderen wandern Notizen über zukünftige bzw. derzeit ruhende Projekte und die berüchtigten „generellen Notizen“: Beobachtungen, Typen, geschmeidige Formulierungen, rudimentäre oder ausgefeiltere Plotideen.

Die Notizen aus dem Block für das aktuelle Projekt werden täglich sortiert, die anderen alle zwei bis drei Tage (realistisch betrachtet: einmal pro Woche, ehrlich gesagt: meistens monatlich). Drei große Zettelkästen (Geschichten & Beobachtungen/Figuren/Sprache) nehmen die „allgemeinen“ Ideen auf, Plot-Ansätze, originelle Charaktere, aufgeschnappte Redewendungen. Jedes konkrete Projekt (also ein in Arbeit befindliches Theaterstück, Drehbuch, ein Roman oder eine Kurzgeschichte) hat einen eigenen Zettelkasten, wobei ich bei der Organisation von Projekt zu Projekt flexibel bin, meist aber figurenorientiert arbeite, also die verschiedenen Ideen und Fundstücke den Figuren des jeweiligen Projekts zuordne, für die ich sie verwenden will.

Dies ist für mich praktisch, weil ich meist figurenorientiert arbeite, d.h. ich entwickle meine Geschichten beinahe ausschließlich über die handelnden Figuren. Das bedeutet aber auch, dass ich – spätestens wenn ich das Treatment schreibe – meine Notizen umsortiere: Die werden jetzt nicht mehr figurenorientiert sondern nach der Chronologie der Erzählung sortiert. Was übrigens für mich das Schreiben eines Treatments kolossal vereinfacht: Oftmals ergibt sich eine funktionierende Struktur bereits durch das Neusortieren der Notizen!

Der jeweils wichtigste Zettelkasten ist der des aktuellen Projekts, also der, an dem ich augenblicklich schreibe. Der wird täglich neu sortiert, und zwar am Ende meines jeweiligen Arbeitstages. Da gehe ich den ganzen Zettelkasten durch, sortiere alles aus, was während des Tages in das Projekt hineingeschrieben wurde und mache einen kleinen Stapel der Notizen, die ich am nächsten Tag zu verwenden gedenke. Die lege ich vorsortiert neben die Tastatur, bevor ich den PC ausschalte, und während dieses „Vorsortierens des nächsten Tages“ habe ich in meinem Hinterkopf schon eine ziemlich konkrete Ahnung von dem entwickelt, was ich am nächsten Tag schreiben werde.

20.2.06

Eine andere Welt

Warum werden Romane oder Erzählung niemals als historische Quellen herangezogen? – Ganz einfach: Weil sie erfunden ist. Selbst hyper-realistische oder sogar dokumentarische Roman, die scheinbar dem Leben abgelauscht zu sein scheinen, sind nicht echt. Menschen, die Romane schreiben, schildern die Welt nicht so, wie sie ist, sondern so, wie sie sie gerne hätten. Die Welt des Romans oder der Kurzgeschichte ist immer ein Gegenentwurf zur wirklichen Welt. Bei besonders gelungenen Geschichten erweist sich die Gegenwelt oftmals nachhaltiger als die reale. Wenn ich beispielsweise an die USA der 50er Jahre denke, fallen mir zuerst die Figuren aus Jack Kerouacs Jahrhundertbuch „On The Road“ ein. Ich denke an Neil Cassady und Jack, Cool Jazz, endlose Autofahrten, Drogen... also ein Amerika, was vorwiegend in den Köpfen der Beat Generation existiert hat.

Woran liegt das? Letztlich an der Sorgfalt, mit der ein Autor seine Welt erschafft. An den vielen kleinen Details, mit denen er dem Leser plausibel macht, dass seine Scheinwelt existieren könnte. Ein wunderbares Beispiel für eine solche Detailbehandlung ist die Uhrkette des Herrn Permaneder in Thomas Manns „Die Buddenbrooks“. Wie Mann diesem bajuwarischen Exoten durch die detaillierte Beschreibung eines Accessoires nicht nur charakterisiert, sondern ihm Authentizität verleiht, ist ein Meisterstück für „World Creation“.

8.2.06

Sudoku

Gestern saß meine liebe Frau in der U-Bahn, flinken Geistes ein Sudoku-Rätsel ausfüllend. Dabei kam sie mit einem jungen Mann – ebenfalls Sudoku-Löser – ins Gespräch, der ihr von seiner Freundin erzählte, die jedes, auch das allerschwierigste Sudoku in 15 Minuten ausfüllen könne. Und bei jedem Rätsel zuerst komplett die unterste Zeile ausfüllt.

Rums. Was für ein phantastisches Detail. Nicht unbedingt die Idee für den großen deutschen Gegenwartsroman, aber eine phantastische Möglichkeit, in einer Geschichte einen sympathischen, beinahe sturen Individualisten zu charakterisieren. Die „Untere-Zeile-Zuerst-Ausfüllerin“ liegt bereits in meinem Zettelkasten und wird irgendwann in naher Zukunft sicher Verwendung finden.

Dies ist ein typisches Beispiel für ein Detail, dass kein Autor dieser Erde sich am Schreibtisch ausdenken kann. Deshalb sollte man, wenn man schreibt, immer offenen Auges, offenen Ohres und mit Notizblock durch das Leben gehen. Solche vom Leben geschriebenen Perlen wie die Sudoku-Dame aufzusammeln, macht Spaß, erleichtert die spätere Arbeit und – die eigenen Stories werden durch solche Details besser.

27.1.06

Notizbücher sind böse!


Vor einigen Wochen habe ich Ihnen ja schon ans Herz gelegt, ständig Stift und Papier dabei zu haben, damit Sie sich – wo Sie auch gerade gehen oder stehen – Notizen machen können. Heute möchte ich diesen Vorschlag etwas präzisieren: Nehmen Sie immer einen Stift und einen Notizblock mit. Einen Notizblock. BLOCK! Auf keinen Fall ein Notizbuch. Kein Notizbuch. Kein BUCH! Notizblöcke sind unverzichtbare, segensreiche Hilfsmittel, die den Autor reich belohnen, der sie benutzt. Notizbücher sind Werke des Teufels, Versuchungen, mit denen der Antichrist Autoren vom Pfade der Inspiration weg lockt, um sie ins Tal der ideenlosen Verdammnis zu schleudern.
Ich übertreibe bewußt nicht. Sicher, möglicherweise (obwohl ich es für äußerst unwahrscheinlich halte) gibt es den einen oder anderen Autor, der erfolgreich mit Notizbüchern umgeht. Die Firma Moleskine, die diese schicken Notizbücher schon André Breton oder Ernest Hemingway angedreht hat, wirbt ja gerade damit, dass diese Herrschaften ihre Kladden verwendet haben. Aber... haben Sie das wirklich getan? Werfen wir einen Blick in das oben abgebildete Notizbuch von André Breton. Fällt Ihnen etwas auf? Genau. Der Mann hat sich keine Notizen gemacht, der Mann hat in das Buch hineingeschrieben.
Doch, da ist ein Unterschied. Wenn Sie sich etwas notieren, einen Gedanken, eine originelle Redewendung, die sie gerade aufgeschnappt haben, eine Idee oder ein mögliches Motiv für eine Geschichte, dann ist es nicht damit getan, dass sie sich das aufschreiben. Früher oder später müssen Sie anfangen, mit Ihren Notizen zu arbeiten. Sie müssen ihre Notizen durchsehen, auswerten, sortieren und schließlich weiterverwenden, denn Notizen macht man letztlich nicht zum Selbstzweck, sondern damit später etwas aus ihnen entsteht.
Wenn Sie Ihre Notiz in ein Notizbuch verfrachtet und den Decke zugeklappt haben, dann ruht sie da friedlich bis in alle Ewigkeit in einem Ideengrab. Ein guter Freund von mir sammelt seine vollgeschriebenen Notizbücher in seinem Bücherregal. Da stehen sie, mittlerweile stolze drei laufende Meter, und fangen Staub. Denn mein guter Freund schlägt sie niemals auf. Warum sollte er das auch tun? Wenn er sich überhaupt an eine der Notizen erinnern könnte, die er sich vor drei (oder waren es vier? Vielleicht fünf?) Jahren gemacht hat, wie sollte er sie denn finden? Oder würden sie auf der Jagd nach der verlorenen Notiz drei oder vier Notizbücher durchforsten? Dann denkt man sich doch lieber gleich was neues aus... Notizbücher führen den eigentlichen Sinn des Sich Notizen Machens ad absurdum.
Notizblöcke hingegen schreien geradezu nach Wieder- und Weiterverwertung. Mit einem Ratsch ist der beschriebene Notizzettel entfernt, kann auf eine Karteikarte geklebt oder direkt in einen Zettelkasten versenkt werden.
Natürlich müssen Sie sich ein System zur Organisation Ihrer Notizen einfallen lassen, denn ein unsortierter Zettelkasten, in den Sie niemals hineinschauen, ist letztlich das gleiche wie ein Notizbuch, nur ohne das sexy Outfit eines Moleskines. Doch dazu später mehr.

4.1.06

Schade

Gestern Abend in der Berliner U-Bahn hörte ich unfreiwillig mit, was eine – ihrem Äußeren nach zu den sogenannten „Entscheidern“ (wunderbares Wort!) in unserer Gesellschaft gehörende – junge Frau zu ihrem Begleiter sagte: „Gottseidank hat man ihn heute aus meinem Team entfernt. Was für eine Type! Der hat jeden Tag ein Gedicht gelesen. Und vermutlich auch noch eins geschrieben!“
Ich habe kein Team, aber wenn ich eins hätte, wäre ich sehr traurig, wenn ein solcher Mensch aus ihm entfernt worden wäre.

2.1.06

Vorsicht, Suchtgefahr!

Ein heißer Tipp für alldiejenigen, die Spass am Schreiben haben und sich ihren Spieltrieb erhalten haben. Seit ein paar Tagen bietet der Berliner Tagesspiegel ein Online-Schreibspiel namens „Sensation“ an, dem ich mit Haut und Haaren verfallen bin.
Die Regeln sind einfach: Eine Headline wird vorgegeben, ein Ressort (Kultur, Politik, Wissenschaft usw.) und 4 Worte, die im Text vorkommen müssen. Dann hat man 5 Minuten Zeit, eine entsprechende Zeitungsstory zu erfinden und aufzuschreiben. Wobei es die vorgegebenen Worte in Kombination mit Headline und Ressort durchaus in sich haben. Eine Sport-Story mit dem Titel „Revolution in der Formel 1“, in der die Worte „querbeet“, „Birkenstockfetischist“, „Premiumbier“ und „durchregieren“ vorkommen, muss einem erstmal einfallen.
Die Autoren benoten ihre Stories gegenseitig nach den Kriterien „Thema getroffen“ und „Originalität“. Für manchen Autor sind die Benotungen nicht immer nachvollziehbar. Was man selbst als durchaus originell empfindet, kommt bei manchen Kollegen vielleicht als gekrampft oder an den Haaren herbeigezogen an... Schwamm drüber! Der Spaß am Schreiben steht hier im Vordergrund, und wenn man's auf die „Sensation“-Titelseite geschafft hat (Meist genügen 3 Benotungen mit einem Durchschnitt besser als 2), kann man nicht nur stolz sein, sondern sogar manchmal einen Sachpreis abgreifen.
Aber Vorsicht! Wenn man einmal dabei ist, kommt man kaum noch davon los. „Nur eben noch mal schnell 'ne Story...“ Der Kick, sich der Herausforderung zu stellen und die Neugier, mit welchen Wörtern man als nächstes zu ringen hat, das ist – zumindest für mich – eine suchtbildende Mischung. Probieren Sie "Sensation" doch auch mal aus. Und wenn Sie auf eine Story von "ChrisK" stoßen, dann bitte ich um Nachsicht. Und gute Noten.