28.11.05

Täglich Schreiben

Schreiben ist ein Handwerk, das auf die Dauer nur derjenige oder diejenige beherrscht, der dem Schreiben täglich nachgeht. Es ist durchaus beispielsweise dem Klavierspielen vergleichbar, von dem Franz Liszt einmal sagte: „Wenn ich einen Tag lang nicht übe, merke ich es. Wenn ich zwei Tage lang nicht übe, merken es meine Freunde. Wenn ich drei Tage lang nicht übe, merkt es das Publikum.“ Ähnlich verhält es sich mit dem Handwerk des Schreibens.
Nur wer täglich schreibt, wird – möglicherweise langsam, aber sicherlich sicher – ein Meister seines Fachs werden. Für denjenigen, der nicht täglich arbeitet, wird die Schreibhemmung möglicherweise ein ständiger Begleiter sein. Er wird Schwierigkeiten haben, „in Schwung“ zu kommen, da Schreiben für ihn immer etwas „besonderes“ sein wird, nicht die tägliche, mühe- aber auch freudevolle Auseinandersetzung mit einer vollkommen normalen Arbeitssituation.
Machen Sie die Probe aufs Exempel: Nehmen Sie sich vor, in ca. 5 Tagen eine Kurzgeschichte niederzuschreiben. Wenn Sie diesen Entschluß gefaßt und sich ein Datum für die Niederschrift gesetzt haben, beginnen Sie, täglich schreibend an dieser Geschichte zu arbeiten: Machen Sie sich Notizen. Probieren Sie verschiedene Anfänge und Schlüsse schriftlich aus. Schreiben Sie Charakteristiken der Haupt- und Nebenfiguren. Entwerfen Sie das Handlungsgerüst und arbeiten Sie es aus. Recherchieren Sie Details, die der Erzählung Farbe verleihen und schreiben Sie sie auf. Wenn Sie 4 Tage lang täglich auch nur eine halbe Stunde an dieser Geschichte gearbeitet haben, werden Sie sich am fünften Tage an den Schreibtisch setzen und eine Story förmlich zu Papier schmettern, die sich gewaschen hat. Weil Sie einerseits optimal vorbereitet sind, weil sie andererseits aber auch durch Ihre tägliche Tätigkeit das Schreiben zu einer vollkommen normalen Tätigkeit geworden ist.

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