16.12.09

Idiotisches Glück?

Was für eine schöne Geschichte: Ein populärwissenschaftliches Buch über Physik, das auf einem Foto im Innern von Tiger Woods' Unfallwagen zu sehen war, legt mehr als beachtlich im Verkaufsrang zu: Von Platz 396,224 auf 2,268 derAmazon-Verkaufsrangliste ist das (vergriffene) Buch geklettert, und - laut Glaserei, wo ich auf diese Geschichte aufmerksam wurde - hat der Verlagsexperte Jim Milliot auch eine Fachbezeichnung für diese Art Buchmarketing-Strategie parat: "Idiotisches Glück"!
Manischen Geschichten-Erfindern wie mir fällt dabei natürlich sofort eine Frage ein, mit der man aus diesem Detail mehrere phantastische Geschichten herausholen könnte: "Was wäre, wenn dieses Buch nicht zufällig dort lag?"

8.12.09

About Arno Schmidt's Nachlass

Sollte hier jemand vorbeilesen, der einer amerikanischen Universität, die ein germanistisches Institut hat, etwas sehr, sehr gutes tun will, möge mal bei David Winer vorbeiklicken.
Unfassbar, was für Schätze im Netz zu heben sind.

1.12.09

Empfehlenswert: Dropbox

Wer - wie ich - des öfteren Dateien auf mehreren Computer (der Bürorechner, der Zuhause-Rechner, der Laptop...) bearbeiten muss, der weiß, dass es keine kleine Aufgabe ist, auf allen Computern die jeweils aktuellste Version der zu bearbeitenden Dateien zur Verfügung zu haben. Munter mailt man ständig Dateien an sich selbst oder trägt einen USB-Stick mit sich herum krabbelt unter den Schreibtisch, um ihn einzustöpseln und stellt dann fest, dass man die letzte Version der Datei doch auf die Platte und nicht auf den Stick gespeichert hat.
Das muss nicht sein, wenn man Dropbox benutzt, einen Service, der einem nicht nur kostenlos 2 GB Speicherplatz im Internet zur Verfügung stellt, sondern auch eine Software, die die im Internet gespeicherten Daten mit denen auf beliebig vielen eigenen Rechnern synchronisiert.
Die Bedienung ist denkbar einfach: bei Dropbox registrieren, Software runterladen und installieren, dem eigenen Rechner einen Namen geben und einen lokalen Dropbox-Ordner anlegen. Alles, was man dort reinspeichert, wird mit dem Dropbox-Account synchronisiert. Das wiederholt man mit allen Rechnern, auf denen man die Daten zur Verfügung haben will, alles andere geschieht automatisch.
Und da man so angelegte Ordner auch für andere User freigeben kann, ist das ganze auch für Arbeitsgruppen sehr nützlich, die Dokumente gemeinsam bearbeiten wollen oder müssen.
Das ganze ist unkompliziert, intuitiv bedienbar und kostenlos (bis 2 GB, wer mehr Daten speichern will, muss löhnen). Ich benutze es seit gestern, alles, was ich versucht habem, hat bestens funktioniert. Zur Sicherheit hab ich mal nach Problemen mit dem Dienst gegooglet und keine gefunden. Daher empfehl ich die Dropbox mal. Erleichtert die Arbeit.

28.11.09

Dr. Diesel - Buchpremiere auf der südwestpassage kultour


Seit bald zwei Jahren sind unsere Verlagsräume in Berlin-Friedenau, und da freuen wir uns, uns auch in diesem Jahr an der südwestpassage kultour zu beteiligen, einem an zwei Tagen stattfindenden Rundgang durch Friedenaus Ateliers, Schreibstuben, Buchhandlungen usw.
Wir können diesmal mit einer ganz besonderen Attraktion aufwarten, mit einer Buchpremiere. Soeben ist "Dr. Diesel" im MyStory Verlag erschienen, ein Band mit außergewöhnlichen Vampir-Erzählungen von Michael Finzer.
Dr. Diesel ist ein Vampir der etwas anderen Art: Im Gegensatz zu Bram Stoker’s Dracula, der sich lieber pfählen ließ als nicht in klassischer Abendgarderobe zu erscheinen, greift Dr. Diesel gern auf moderne, farbenfrohe Kunstfasern zurück, wenn er im Motorrad vorfährt. Auch mit vorehelicher Keuschheit, wie sie zur Zeit von Mrs. Meyer gepredigt wird, hat der lebensfrohe Untote nichts im Sinn. Dr. Diesel ist politisch vollkommen unkorrekt, steht ständig unter Strom und bringt den Vampyrismus endgültig ins 21. Jahrhundert. Wo er auch hingehört.
Neugierig? Dann einfach heute (28.11.09) um 20 Uhr 30 in der Albestr. 26 vorbeischauen. Da liest Michael Finzer aus seinem Buch, das man selbstverständlich auch erwerben und sich signieren lassen kann. Für eine kleine Erfrischung ist natürlich gesorgt.
Und für diejenigen, die heute Abend keine Zeit haben: morgen ist auch südwestpassage kultour, morgen kann man uns auch besuchen. Ab 14 Uhr steht die Verlagstür offen, es gibt Kaffee, Kuchen, Plätzchen, und (vor)gelesen wird natürlich auch. Wir freuen uns auf jeden Besucher!

4.11.09

Kein NaNoWriMo für mich

Blogbesucher, die seit ein paar Tagen hier nach meinem Arbeitsjournal zum diesjährigen NaNoWriMo-Event Ausschau halten, muss ich leider enttäuschen: ich habe mich entschlossen bzw. entschließen müssen, in diesem Jahr auf die Teilnahme am National Novel Writing Month zu verzichten.
Mir fehlt schlicht und einfach die Zeit. Ich bin derzeit mit einem sehr aufwändigen Lektorat befasst, schreibe parallel dazu die Dialoge für eine Rockshow, die im nächsten Frühjahr Premiere haben soll, bearbeite ein Theaterstück, bei dem ich ebenfalls im nächsten Frühjahr Regie führen werde und der nächste Eisenbahn-Krimi droht auch schon aus dem Bahnwärterhäuschen... es tut mir in der Seele weh, aber ich muss mir den Riesenspaß NaNoWriMo dieses Jahr entgehen lassen. Dies erstmal nur zur Info.


23.10.09

Napoleone


Diese Woche hat unser Autorenverlag ein neues Buch an den Start gebracht: "Napoleone" von Manfred M. Bergner.
Kenner des Zirkus und des Varieté werden bei diesem Namen eventuell hellhörig. Ist das nicht Manfred Tornado? Genau der ist es, der langjähriger Chef der Tornados, dessen dreifacher Salto rückwärts auf dem Schleuderbrett zur Legende geworden ist.
Vor ein paar Jahren hat Bergner sich von Bühne und Manege verabschiedet und mit dem Schreiben begonnen.
Und wir freuen uns ganz besonders, dass er seinen ersten Roman bei uns veröffentlicht. "Napoleone" ist eine augenzwinkernd-humorvoll erzählte Hundegeschichte, gleichzeitig aber auch eine lebenskluge Parabel über Macht, Herrschaft und Rassismus.
Eine kurze Leseprobe:
Er bemerkte den Geruch von Fleisch aus einem Topf auf dem
Herd in seinem Näschen. „Aha, da bereitet Frauchen sicher
mein Abendbrot!“ schloss Napoleone messerscharf. Frauchen
nahm den Topf vom Herd.
„Achtung, es geht los. Erst muss ich bedient werden. Danach
kann der Altrüde die Reste aufsammeln, wenn überhaupt!“,
knurrte der neue Leithund.
Frauchen nahm das Fleisch aus dem Topf. Sie schnippelte daran
herum und pustete drauf, so dass es erkaltete und der Kleine
es essen konnte, ohne sich sein Mäulchen zu verbrennen. Napoleone
beobachtete alles ganz genau und war sehr zufrieden
mit Frauchen.
Das Rudel aß gemeinsam zu Abend, und nur Napoleone hatte
Fleisch auf seinem Tellerchen. Herrchen bekam die Fleischbrühe.
Darüber beschwerte er sich heftig.
„Du wolltest doch immer Brühe mit Ei zum Abendbrot. Dir kann
man auch nichts recht machen!“, sagte Frauchen. „Da serviere
ich dir leckere Brühe, und dann ist es auch wieder nicht richtig.“
„Ich möchte auch Fleisch haben!“
„Das geht nicht!“
„Warum nicht?“
„Weil das Fleisch nur für Napoleone gedacht ist.“
Am 12. Dezember um 16 Uhr wird Manfred M. Bergner in Berlin aus seinem Buch lesen, und zwar um 16 Uhr im Hotel Gates. Der Eintritt ist frei.
Die Presse ist jetzt schon auf Bergner und sein Buch aufmerksam geworden.
Napoleone, erschienen im MyStory Verlag Chris Kurbjuhn, Paperback, 160 Seiten, ISBN 978-3-938399-31-6, 12,90 €, ab sofort im Buchhandel erhältlich.

16.10.09

Ick koof Herta gratis bei Lehmann oder auch nicht


Eigentlich eine tolle Idee: Heute kann man sich "Atemschaukel", den aktuellen Roman von Herta Müller als E-Book kostenlos herunterladen - von libreka, dem E-Book-Portal der deutschen Verlage. Könnte man, denn statt libreka bekommt man zur Zeit die nebenstehende Fehlermeldung. Augenscheinlich ist der libreka-Server unter der Vielzahl der Anfragen zusammengebrochen.
Da staune ich sehr. Hatte tatsächlich bei libreka niemand mit einem solchen Ansturm gerechnet? "Och, olle Herta? Det will eh keiner lesen!" Nun ja, wenn man das neue Buch einer frischgekürten Nobelpreisträgerin verschenkt, das im Laden 19,90 € kostet, hätte man schon mit dem einen oder anderen Interessenten rechnen können.
Aber heute früh habe ich noch mehr gestaunt. Da liefen die Server noch, und ich konnte mir "Atemschaukel" herunterladen. Nach einem kleinen Hindernislauf. Und eigentlich hab ich den Roman gar nicht heruntergeladen, sondern... ach, der Reihe nach.
Die Downloadmöglichkeit war nicht schwer zu finden, aber um Herta Müllers Buch in den libreka-Warenkorb legen zu können, musste man sich erstmal registrieren. Okay, hab ich Verständnis für, kein Problem. Also Formular ausgefüllt und endlich den Roman... immer noch nicht heruntergeladen. Ich sollte mir erst eine Buchhandlung an meinem Wohnort aussuchen, bei der ich das Gratis-E-Book kaufe (kein Scherz!). Verwirrt suchte ich nach der Dorotheenstädtischen Buchhandlung (die ist beim Büro um die Ecke, vielleicht sind da die Datenleitungen kürzer), doch libreka kannte die Dorotheenstädtische nicht. Also einigten sich das System und ich auf Lehmanns Buchhandlung in der Hardenbergstr., da muss ich heute abend sowieso vorbei, ich bin um die Ecke verabredet. Vielleicht kann ich dann dort meinen Download... mitnehmen. Oder so.
Nein. Brauchte ich nicht. Plötzlich kam Bewegung in die Sache. Fa. Lehmann offerierte mir eine finanzamtskompatible Rechnung über 0,00 €, ich lehnte dankend ab und meine Kooperationsbereitschaft wurde mit einem Downloadlink belohnt. Hinter diesem Link verbarg sich aber nicht das E-Book, sondern eine 1,5 KB große Datei mit kryptischer Endung. Langsam begriff ich das ganze als sportliche Herausforderung, suchte nach der Hilfe (wenn jemand zu libreka durchkommt: auf "drm" klicken!) und fand schließlich eine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Um den libreka-Link in eine Art E-Book zu verwandeln, musste ich erst Fa. Adobe aufsuchen und etwas namens "Adobe Digital Editions" installieren. Mit dieser Digital Editions konnte ich dann... das E-Book nicht direkt herunterladen, aber es immerhin lesen. Wenn ich das, was auf der Adobe-Seite steht, richtig verstanden habe, lädt Digital Editions wohl eigentlich nxi herunter, sondern öffnet eine auf dem Adobe-Server befindliche Kopie. Um auszuprobieren, ob ich "Atemschaukel" auch offline lesen könnte, fehlte mir die Zeit: die ganze Operation hatte soviel Zeit in Anspruch genommen, dass ich mich beeilen musste, um ins Büro zu kommen. Und ab dann war libreka offline. Nu ja.
Liebe libreka-Verleger, wenn ihr euren Kunden ein neues Produkt wie das E-Book schmackhaft machen wollt, dann müsst ihr die Sache so einfach wie möglich machen. Wenn ihr stattdessen einen derartigen Hindernisparcours aufbaut, an dem Menschen, die weniger geduldig bzw. frustrationstolerant sind als ich zwangsläufig scheitern müssen, dann werdet ihr kein Geschäft mit E-Books machen.
Dann macht das eben wer anders.