28.9.13

Der Guardian lässt pitchen

Tolle Aktion beim Guardian: Die Zeitung hat ihre Leser aufgefordert, Pitches für TV-Serien einzusenden, die zehn aussichtsreichsten wurden Profis zur Beurteilung vorgelegt, das Ergebnis ist hier zu lesen.
Vorschlag: zuerst nur die Pitches lesen und selbst beurteilen, Stichworte notieren. Dann mit dem Blickwinkel der Profis vergleichen. Hochinteressant.


25.9.13

Im Maschinenraum

Das Finale von "Breaking Bad" steht an, der nach Meinung vieler Menschen besten TV-Serie aller Zeiten. Darüber kann man diskutieren, nicht jedoch über das herausragende Drehbuch-Handwerk, das hier geboten wurde. Besser kann man eine solche Geschichte nicht erzählen. und in der Debatte, ob man so schnell wie möglich oder so langsam wie möglich erzählen sollte, liegen jetzt die Langsamen ziemlich weit vorn.
Und weil wir schon als Kinder unsere Radios auseinandergenommen haben, um zu sehen, wie sie funktionieren, würden wir jetzt gern einen Blick hinter die Kulissen von "Breaking Bad" werfen: Wie haben die Kollegen das geschrieben?
Der Guardian hat einen höchst lesenswerten Blick in den Writer's Room der Serie geworfen. Genau genommen hat der Guardian selbst gar nicht geworfen, er hat ein Kapitel eines hochinteressanten Buchs abgedruckt: "Difficult Men - Behind The Scenes Of A Creative Revolution: From The Sopranos And The Wire To Mad Men And Breaking Bad" von Brett Martin. Das englische Buch ist u. a. bei amazon erhältlich (auch als E-Book zum fairen halben Preis der Taschenbuchausgabe), auf eine deutsche Ausgabe wird vermutlich erscheinen, wenn Walter White Testimonial von "Keine Macht den Drogen" geworden ist.
Übrigens kann man auf youtube ebenfalls einen Blick in den Breaking-Bad-Writer's Room werfen:




(via Drama Blog, Bildblog)

24.9.13

Für ein paar Euro...

Vor ein paar Tagen habe ich von Abmahnungen gegen Künstler erzählt, die Rezensionen auf ihren Homepages veröffentlichten. Was das Urheberrecht anbetrifft, sind die Abmahnenden hier zweifellos im Recht, jedoch kündigen Sie damit ein jahrhunderte altes "Gentleman's Agreement" zwischen Künstlern und Feuilleton auf, denn bisher wurde ja die Verwendung von Rezensionen durch Theater und Künstler geduldet, sie wahr schlichtweg eine Selbstverständlichkeit.
"Nuja, Schauspieler, Musiker...", denkt sich der weltgewandte Erfolgsschriftsteller oder -verleger. "Die haben ja eh keine Ahnung..." Und fischt alsbald selbst eine Abmahnung aus dem Briefkasten, weil er auf seiner Homepage aus einer Rezension eines seiner Bücher zitiert hat. Vielleicht hat sein Verlag bei amazon auch ein paar Pressezitate eingestellt (da gibt's ja beim Editieren des Amazon-Auftritts extra eine Rubrik, wo man das machen kann). Das kann ab sofort teuer werden, wie ich diesem buchreport-Beitrag entnehmen muss:
Der Börsenverein des Buchandels fordert Verlage und Buchhändler auf, Buchrezensionen und Zitate aus denselben, für die sie bei den Rechteinhabern keine Lizenzen erworben haben, von ihren Webseiten zu entfernen. Was so ziemlich auf die meisten Internetauftritte von Autoren, Verlagen und Buchhändlern zutreffen dürfte. Wer hat denn bisher eine Lizenz erworben, wenn er aus einer Kritik über das eigene Buch zitiert hat? Das war doch eine Selbstverständlichkeit...
...wie es bei Theater- und Konzertkritiken auch mal war. Die Karten werden neu gemischt, weil einer der Mitspieler, der Zeitungsverlag, am Tropf hängt. Die FAZ hat vor einem Jahr einen Online-Buchhändler auf 35.000 (!) Euro Schadensersatz verklagt, weil er Rezensionsausschnitte verwendet hat, das Urteil soll am 4. Oktober gesprochen werden, und im Buschfunk wurde getrommelt, dass das Gericht der FAZ zuneigt.
Die FAZ scheint sich eine neue Einnahmequelle erschließen zu wollen, zerstört dabei aber nachhaltig das Geschäftsmodell der meisten Verlage, die auf Gratis-PR und Gratis-Werbung durch kostenlose Rezensionen setzten... Wobei... waren bzw. sind diese Rezensionen wirklich kostenlos? Rezensionsexemplare en masse (die von vielen Journalisten z. T. ungeöffnet auf Ebay weiterverkauft wurden), Empfänge mir Sekt und Schnittchen, Freikarten für Buchpremieren und Lesungen... soooo kostenlos waren bzw. sind Rezensionen wirklich nicht.
Aber lassen wir die Canapés und den Söhnlein mal beiseite: Wo sollen denn die Verlage und/oder die sich selbst vermarktenden Autoren das Geld für die Lizenzen hernehmen? So groß ist der Verlagsanteil an den Bucheinnahmen nicht, dass Geld eine endlose Ressource wäre, mit der man auch noch das Feuilleton finanzieren kann. Insbesondere für kleine und kleinste Verlage werden Lizenzen zur Verwendung von Rezensionen wohl nicht zu stemmen sein. Damit bricht ihnen die wichtigste Möglichkeit weg, auf sich aufmerksam zu machen, die können den Laden wohl dicht machen.
Was mich extrem verwundert: Buchbranche und Feuilleton haben sehr lange Zeit höchst gedeihlich zusammengearbeitet. Wie skrupellos und bekloppt muss man eigentlich sein, um Freunden wegen ein paar Euro ohne Umschweife den Krieg zu erklären und sie sich zu Feinden zu machen.
Außerdem - und das könnte noch sehr schwer wiegen - setzen die Verlage erneut ihre journalistische Unabhängigkeit aufs Spiel. Man wird genau beobachten müssen, ob die Zahl der negativen Kritiken im Feuilleton der FAZ nicht künftig deutlich zurückgeht. Verrisse werden nicht zitiert, die bringen keine Lizenzen...

19.9.13

Das Recht an der Kritik

Für die Kanzlerin ist das Internet "Neuland", für die meisten von uns nicht, und das beschreibt den unschönen Status Quo, dass die Politik der Entwicklung der Kommunikationskanäle um etliche Jahre hinterherhinkt. Zwar betonen Politiker immer wieder gern, dass das Internet "kein rechtsfreier Raum" sein dürfe (hat eigentlich irgendwer irgendwann diesen berühmten rechtsfreien Raum je gefordert?), sie verschweigen aber gern, dass sie an zahlreichen rechtlichen Unklarheiten selbst zumindest mitschuldig sind: zahlreiche Gesetze sind noch nicht angepasst worden, so dass auch die durch das Internet neu geschaffenen Gegebenheiten berücksichtigt werden. Insbesondere beim vom Axel Springer Verlag durchgepaukten Leistungsschutzrecht hat die Politik keine gute Figur gemacht: hier wirft ein Gesetz mehr Fragen auf, als es vorher überhaupt gegeben hat.
Und eine wichtige Frage beantwortet das Leistungsschutzrecht eben nicht, nämlich die zur Zweitverwertung von Rezensionen durch die rezensierten Künstler. Zeitungsredaktionen schicken ihre Kritiker in Konzerte, Theaterpremieren, zu Lesungen usw. Die Kritiker zahlen keinen Eintritt, sie schreiben dafür einen Artikel über die Veranstaltung. Positive Kritiken hängen sich die Theater gern in die Schaukästen, und dagegen hat meines Wissens nie eine Zeitung protestiert: War ja auch eine Win-Win-Situation: die Künstler lieferten den Anlass, über den eine Zeitung etwas schreiben konnte, was ihre Leser interessiert. Alle glücklich.
An eine Zweitverwertung einer Tageszeitung dachte kein Mensch, doch dann kam das Internet. Theater und Künstler verlegten ihre "Schaukästen" ins Netz und schufen Homepages, auf denen sie - wie gewohnt - ihre positiven Kritiken zitierten oder komplett veröffentlichten. Ein entsprechendes Unrechtsbewusstsein hatten sie dabei nicht, sie waren ja gewohnt, so zu verfahren.
Dieses "Gentleman's Agreement" zwischen Veranstaltern, Künstlern, Verlagen und Rezensenten wird seit ca. zwei Jahren vermehrt gebrochen. Verlage und Rezensenten ließen via Anwalt Theater und Künstler, die auf ihren Homepages Kritiken ohne Einholen der Nutzungsrechte veröffentlicht hatten, abmahnen, zum Teil wurden absurd hohe Summen als Streitwert angeboten. 20.000 Euro für die Zweitverwertung einer 120-Zeilen-Rezension, die für ein Zeilenhonorar von 60 Cent geschrieben worden war? Es scheint da eine Grauzone zu geben, in der Gier und Realitätsverlust partnerschaftlich agieren.
Ich bin selbst Autor, ich lebe von dem, was ich schreibe, und ich reagiere empfindlich bis ungehalten darauf, wenn jemand meine Texte benutzt, ohne mich gefragt zu haben. Auch wenn es unwissentlich geschehen ist. Hier ist den Herrschaften aber jegliche Verhältnismäßigkeit verloren gegangen: der Nutzungswert einer Theater- bzw. Konzertkritik, die bereits in einer Tageszeitung veröffentlicht wurde, bemisst sich eher in Cent als in Euro. Wen interessiert die Tageszeitung von gestern, bzw. die Zeitung von vorigem Jahr? Wieviel Geld würde ein Leser ausgeben, um ein Buch mit jahrealten Kritiken eines weitgehend unbekannten Journalisten zu lesen?
Nein, die abmahnenden Verlage und Journalisten werden selbst von Existenzangst gesteuert. Die bisherigen Geschäftsmodelle hören in absehbarer Zeit auf zu funktionieren, andere Einnahmen müssen her, und wenn der Druck groß genug ist, wirft man die Skrupel über Bord und beauftragt einen Abmahnanwalt, um sich ausgerechnet bei den Schwächsten zu bedienen: bei den Künstlern, die selbst tagtäglich um die eigene Existenz zu kämpfen haben. Ein solches Vorgehen ist widerlich, genauso wie die Gleichgültigkeit, mit der die Gesetzgeber solche Probleme auf die lange Bank schieben: Künstler haben keine Lobby, und es gibt zu wenige, dass deren Stimmen bei einer Wahl ins Gewicht fallen würden.
Einige der von diesen Abmahnung betroffenen Kulturschaffenden haben einen offenen Brief geschrieben, den man mit unterschreiben kann, wenn man ihr Anliegen - Kritiken genehmigungsfrei mit Quellenangabe dokumentieren zu dürfen - unterstützen möchte. Ich habe unterschrieben.

Lesung in Nauen

Kleiner Veranstaltungshinweis:
Morgen, am Freitag, dem 20.9. lesen zwei Gabrieles in Nauen aus ihren Büchern, und zwar ab 18 Uhr 30 in der "Kantina Elena" in der Mittelstr. 27. Details zur Lesung stehen im Blog von der Gabriele, mit der wo ich verheiratet bin.

9.9.13

Marketing für Autoren in der Friedenauer Schreibstube

Meine liebe Frau Gaby Sikorski (die "geduldigste Gemahlin von allen") hat in Ihrer Friedenauer Schreibstube wie immer höchst kenntnisreich über Marketing für Autoren geschrieben. Gerade weil der Text dem Einsteiger in unsere Branche einige viele die meisten seiner alle Illusionen rauben wird, rate ich dringend, sich das dort Geschriebene zu Herzen zu nehmen: illusionslos schreibt sich#s leichter.
Und da das bereits der 2. Teil zu Gabys Ausführungen zum Thema Autorenmarketing ist, hier gleich noch der Link zu Teil 1.